Serhat Dogan: Zum Schreien komisch

Von: mas
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Traut sich auch, mit einer Flasche Bier in die Disco zu gehen: Serhat Dogan. Foto: Sigi Malinowski
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Frank Küster, Stammgast bei „Kultur nach Acht“. Foto: Sigi Malinowski

Baesweiler. Manchmal sind es die Beilagen, die ein gutes Menü dann auch zur Feinkost reifen lassen. Frank Küster, Düsseldorfer Stammgast in der Reihe „Kultur nach Acht“ tischte zwei Special Guests auf, die auch einen ganzen Abend ein Soloprogramm gestalten können.

Als Hauptgang Küster und die beiden Gäste Serhat Dogan und Achim Knorr als „Beilagen“ stellten eine sehr gute Mischung dar.

Als „Open Spot“ hatte Küster den Kölner Serhat Dogan nach Baesweiler geholt. Eine gute Wahl, wie sich herausstellte. Dogan stellte einige Teile seines neuen Programms „Kückück“ in der Alten Scheune des Kulturzentrums vor. Und ließ tief in sein Privatleben schauen. „Ich bin Türke, aber kein Macho“, leitete der seit zehn Jahren in Deutschland lebende Künstler ein.

Natürlich ließ er dann den Macho heraushängen und bekannte ganz ungeniert und grunzend, „ein türkischer Orgasmus klingt wie der Gesang von Herbert Grönemeyer“.

Zum Schreien komisch fand das Publikum im nicht ganz ausverkauften Hause den Dogan’schen Discobesuch. Im Shirt, das gerade bei einer Billigkette gekauft wurde. Serhats Erkenntnis aus den langen Disconächten in Deutschland: „Du musst immer gefährlich gucken können.“ Ein bisschen Geplaudere aus seiner Beziehung mit der Sozial-Pädagogin Sabine rundeten den Kurzauftritt ab.

Achim Knorr, den Küster monatelang bekniet hatte, bis er ihn nach Baesweiler gelockt bekam, wirkte schon etwas skurril, aber auch sehr originell. Er beschreibt sich selbst als Quatschmacher und punktete gerade mit dieser Disziplin. Kurze Gedichte, kurze Witze, kurze Lieder. Ein Auszug: Der Gärtner kommt in die Baumschule und bestellt einen kleinen Laubbaum. Reaktion der Verkäuferin: „Draußen nur Tännchen.“

„Willkommen, liebe Neger“, machte Frank Küster seinen Auftritt mit einer gewagten Begrüßung auf. In Anlehnung an Horst Seehofers öffentliche Bemerkung, „Roberto Blanco ist ein wunderbarer Neger“. Dann wurde es noch tagesaktueller. „Wir schreiben den wärmsten Sommer seit 1888. Wollen wir hoffen, dass nun die Wespen abhauen, weil es ihnen zu warm hier ist.“

Ein Großteil des Küster-Programms rankt sich um das Thema Flüchtlinge in Deutschland. Wie viele kann das Land noch verkraften? Küsters Rechnung, die auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes beruhen: 2060 wird die Bevölkerung in Deutschland von 80 Millionen auf 67,5 Millionen gesunken sein. „Und wir reden hier über 800.000 Flüchtlinge und Asylbewerber. Ich könnte brechen.“ Zudem kritisierte der Künstler: „Wir bringen sie in Massenunterkünfte.“ Um nachzuschieben, „da muss man ja nur mal sehen, was an Wochenenden im Sauerlandstern los ist“.

Frank Küster hielt fest: „Wer erinnert sich noch an die Wirtschaftsflüchtlinge, die 1989 riefen: „Wenn die D-Mark nicht zu uns kommt dann gehen wir zu D-Mark.“? Er unterfütterte das mit der Feststellung: „Und sie kamen. Alleine eine Million aus Sachsen, aus einem völlig anderen Kulturkreis und ohne deutsche Sprachkenntnisse.“

Auch Köln bekam sein Fett weg: „Die Griechen kriegen ihr Referendum besser hin als die Kölner ihre Oberbürgermeisterwahl ...“

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