Seminar: Pflegeeltern berichten von ihren Erfahrungen

Von: mas
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Alsdorf. Weihnachten? Das war diesmal ganz anders als in den vielen Jahren davor. Erzählt Birgit Otto-Upadek. Zwei Tage vor dem Heiligen Abend hat die Alsdorferin gemeinsam mit ihrem Mann Jürgen nochmals „Nachwuchs“ bekommen. Drei erwachsene Kinder hat das Ehepaar schon.

Und nun stand der 14-jährige Doulkaz mit vor dem Weihnachtsbaum. Der Pflegesohn der Upadeks, aus Syrien stammend, nahm das alles mit großer Neugier auf. Aber auch noch mit Distanz, erinnert sich Birgit Otto-Upadek.

Eine Reportage im Fernsehen und die Berichte in der Tageszeitung hatte das Ehepaar bestärkt, „wir werden uns ein Pflegekind nehmen“. Eins, dass unbegleitet und minderjährig ist und in Deutschland Asyl sucht. Emotional und rational begegnen sich Pflegekind und Familie. Da sind die Momente, in denen der Junge einsam ist, weil seine Eltern und Geschwister in einem Flüchtlingscamp im Irak leben. Da ist aber doch auch die liebevolle Hinwendung der Pflegenden, die sich dem Jungen ganz behutsam nähern und feststellen, Doulkaz fasst Vertrauen.

Gut zwei Monate sind inzwischen vergangen. Wie man sich in dieser Zeit genähert hat, was man an Erfahrungen sammelte, was vordringlich zu tun ist – davon berichteten neben Birgit und Jürgen Upadek weitere Pflegeeltern bei einem Seminar. Birgit Otto-Upadek: „Allein schon unser Kind in einer Schule unterzubringen war eine Herausforderung für sich.“ Angeboten vom Jugendamt der Stadt Alsdorf und vom Sozialdienst katholischer Frauen.

Diese Kooperation lud unter dem Titel „vorbereitendes Seminar für Pflegefamilien von unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden (UMA)“ ein. Fünf Familien berichteten von ihren Erfahrungen. Die ersten Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren wurden im Oktober aufgenommen. Sabine Weller (Jugendamt Alsdorf) ließ aber auch keine Zweifel: „Wir brauchen dringend weitere Pflegefamilien.“ Um in dieser Hinsicht weiterzukommen sucht man seitens der Organisatoren auch „nach der Vernetzung der Familien untereinander“. Auch hofft man, so äußerte sich Regina Eiermanns (SkF), „weitere Wohnungen zu finden“.

Denn nicht in jedem Falle möchten die jungen Erwachsenen in einer Familie leben. Sie bevorzugen unter anderen auch die Form der Wohngemeinschaft. Wie beispielsweise der 20-jährige Afghane Naeem Ahmadzy, der seit 2012 in Aachen in einer WG lebt und ebenfalls „seine“ Geschichte“ erzählte, die ihn über insgesamt acht Länder letztlich nach Deutschland führte. Der angehende Wirtschaftswissenschaftsstudent hat sich inzwischen ausgezeichnete deutsche Sprachkenntnisse angeeignet.

Zwei weitere Abende an Informationen und Gesprächen werden dem ersten Seminar folgen. Und hoffentlich auch weitere interessierte Eltern, wünschen sich Jugendamtsvertreter und der SkF . . . Weitere Informationen erteilen der Sozialdienst katholischer Frauen, unter Telefon 02404 / 93222, sowie das Jugendamt Alsdorf, Telefon 02404 50433.

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