SEK-Einsatz: Erst nach 24 Stunden ist der Spuk vorüber

Von: beatrix oprée
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Polizeiaufgebot Herzogenrath
Ein 50-jähriger polizeibekannter Mann hat am Dienstag seit dem Nachmittag ein Großaufgebot an Polizei und Rettungskräften vor seiner Wohnung in Herzogenrath-Ritzerfeld in Atem gehalten. Foto: Ralf Roeger

Herzogenrath. Der Spuk dauerte letztlich über 24 Stunden an. Bereits polizeibekannt war der 50-Jährige, der am Dienstag einen ganzen Herzogenrather Stadtteil in Atem hielt, Nachbarn nicht mehr in ihre Wohnungen zurückkehren und Rettungskräfte stundenlang in der Kälte ausharren ließ. Sich mit einem „großen Rumms“ verabschieden zu wollen, hatte er einer früheren engen Vertrauten angekündigt.

Die alarmierte unverzüglich die Polizei. Die Ordnungshüter nahmen die Angelegenheit sehr ernst, vor allem, da bekannt war, dass der Mann sich in der Vergangenheit bereits Gasflaschen besorgt hatte.

Im Laufe des Nachmittags wurde der gesamte Bereich zwischen den beiden Kreisverkehren im Stadtteil Ritzerfeld gesperrt. Wer in seinem Haus war, durfte es nicht mehr verlassen, wer von der Arbeit heimkehrte, wurde in die Turnhalle der Europaschule gebracht, in der die Stadt Herzogenrath heißen Kaffee und Getränke bereitstellen ließ. In der Mensa nebenan nahmen die Einsatzkräfte von Feuerwehr und DRK Quartier, nachdem sie stundenlang über freies Feld hinweg die Lage beobachtet hatten.

Ein „schwieriger Charakter“

Ein von der Herzogenrather Wehr gestelltes Explosionsmessgerät – „es misst mittels eines Schlauches die Luftzusammensetzung und analysiert, ob sich darin explosive Stoffe befinden“, wie Wehrleiter Detlev Busse erläuterte – wurde zu den SEK-Kräften gebracht. Polizeistreifen auch aus Bergheim und Euskirchen waren zwischenzeitlich damit beschäftigt, Nachbarn und Passanten aus der weit abgesteckten Gefahrenzone fernzuhalten. „Wir sehen eine gute Chance, den Mann ‚rauszusprechen‘“, lautete da noch die offizielle Aussage von Polizeisprecher Werner Schneider.

Was sich derweil vor und in Haus Nummer 168 abspielte, bekamen nur die unmittelbaren Akteure sowie durch Fenster lauernde Nachbarn mit. Durch das Treppenhaus wurde fieberhaft mit dem als „schwieriger Charakter“ und „aufbrausend“ beschriebenen Mann verhandelt, doch von seinem Vorhaben Abstand zu nehmen und aufzugeben.

Zu vorgerückter Stunde schließlich wurde auch die Mutter des Bombendrohers zum Ort des Geschehens gebracht, um eventuell positiv auf ihren Sohn einwirken zu können. Vergeblich. Rund zwei Stunden später entschied die Einsatzleitung, auf dem Verhandlungsweg offenbar keinen Erfolg mehr erzielen zu können.

Was folgte, dauerte nur wenige Minuten: Eine Blendgranate wird durch eines der Fenster in der besagten Wohnung im ersten Obergeschoss geworfen. Ein SEK-Trupp rückt parallel unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen durch das Treppenhaus vor und stürmt durch die Wohnungstür. Einer der Beamten nimmt eine Bewegung des 50-Jährigen wahr, aus der er folgern muss, dass dieser ein Messer ziehen will. Er schießt und trifft den Mann im Hüftbereich. Die Verletzung ist nicht lebensgefährdend, wie die Polizei später mitteilt, der Mann wird sofort notärztlich behandelt und ins Aachener Klinikum gebracht, wo sich sein Zustand als stabil herausstellt.

Ob auf die einhergehende vorläufige Festnahme ein Haftbefehl folgen soll, ist Prüfungsgegenstand der Staatsanwaltschaft am folgenden Tag. „Das kommt darauf an, was in der Wohnung gefunden wird“, teilte Oberstaatsanwalt Robert Deller auf Anfrage mit.

In Ritzerfeld begannen die Experten des Landeskriminalamtes unterdessen damit, die als „Messie-Wohnung“ beschriebenen Räume des 50-Jährigen akribisch zu durchsuchen. Es wurden neben Gasflaschen auch selbst gebastelte Rohrbomben und verdächtige Substanzen gefunden, ein Teil wurde sofort im Feld hinter dem Haus durch eine gezielte kleinere Sprengung vernichtet. Die Gerüchte, bei dem Festgenommenen handele es sich um einen vorbestraften Stalker, wollte der Oberstaatsanwalt nicht ganz bestätigen: „Es gibt Vorgänge, in denen diese Vorwürfe erhoben werden.“ Die Motivlage sei noch völlig unklar, stellte Deller fest, bisher habe der 50-Jährige dazu geschwiegen. Und auch die Befragung der früheren Bekannten hätte noch keine belastbaren Ergebnisse erbracht.

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