Seit Umbaubeginn: Händler beklagen schwere Einbußen

Von: Verena Müller
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Gähnende Leere, im Hintergrund die Ursache: Die Aral-Tankstelle verzeichnet seit Einrichtung der Baustelle an der Kreuzung Luisenstraße/Kurt-Koblitz-Ring Umsatzeinbrüche in Höhe von rund 50 Prozent. Sechs Mitarbeiter wurden bereits entlassen. Foto: Verena Müller
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Die Rathaus-Apotheke ist von der unmittelbaren Baustellennähe ebenfalls betroffen.
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Beklagt ein Drittel weniger Kundschaft: Hildegard de Bache
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Beklagt weniger Kundschaft: Berti Mannheims
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Beklagt weniger Kundschaft: Nicole Thater

Alsdorf. Entlassungen, Kurzarbeit, vorübergehende Schließung – das Bild, das sich bei vielen Geschäftsleuten in unmittelbarer Nähe zur Baustelle an der Kreuzung Luisenstraße/Kurt-Koblitz-Ring abzeichnet, ist dramatisch. Unabhängig voneinander berichten Inhaber und Filialleiter von großen Umsatzeinbußen und Schwierigkeiten, diese zu kompensieren.

„Wenn das so weitergeht, können wir Insolvenz anmelden“, sagt Hildegard de Bache vom gleichnamigen Alsdorfer Traditionskaffeehaus an der Luisenstraße. „Ein Drittel weniger Umsatz haben wir in den vergangenen Wochen gemacht, wir werden Monate brauchen, bis wir das wieder aufgeholt haben.“ Die Laufkundschaft bleibe weg, die mache diesen Anteil aus. „Schauen Sie doch mal aus dem Fenster: Auf der Straße können Sie Rollschuh laufen“, sagt Hildegard de Bache bitter. Sie denke darüber nach, den Mittwoch als Ruhetag aufzugeben, ihren Mitarbeitern will sie diese Belastung aber eigentlich nicht zumuten.

Ein Drittel weniger Umsatz seit Einrichtung der Baustelle – das entspricht der Bilanz der meisten anderen Einzelhändler an Luisen- und Bahnhofstraße und auch der Drogerie Rossmann. „Zuerst dachten wir noch, das läge an den Osterferien. Aber auch jetzt ist nichts los“, sagt Buchhändlerin Nicole Thater im weiteren Umfeld in Richtung Innenstadt. „Dafür haben wir aber pro Tag bestimmt zehn Anrufe, wie man denn jetzt hierherkommt“, so Thater weiter. Die Aktionsgemeinschaft Stadtmarketing hat die für Kunden irreführende Beschilderung bereits moniert.

„Luisenstraße gesperrt“ sei eigentlich falsch, finden auch Berti Mannheims, Inhaberin eines Wäsche-Fachgeschäfts, und Apotheker Stephan Lüsten. Die Straße sei ja nicht komplett gesperrt, sondern nur der Kreuzungsbereich mit der B 57.

Am morgigen Donnerstag wollen sich die Stadt Alsdorf und das Stadtmarketing zusammensetzen und überlegen, wie man im Vorbeifahren schnell zu erfassende und eindeutige Hinweise an den Umleitungsbeschilderungen anbringen kann. „Jedes einzelne Geschäft auszuschildern, ist sicherlich nicht sinnvoll, aber vielleicht eine Formulierung wie ,Einkaufsbereich Innenstadt frei‘“, überlegt der Erste Beigeordnete der Stadt Alsdorf, Ralf Kahlen.

Manche haben bereits in Eigenregie mit Kabelbindern Schildchen an den Sperrungs- und Umleitungsschildern befestigt - Aldi am konsequentesten, alle paar Meter. Andere haben sich mit ein, zwei Hinweisen begnügt. „Wir haben das toleriert“, sagt Kahlen. Apotheker Jüsten ist einer von denen, die aktiv geworden sind.

Er ist Inhaber zweier Apotheken in Alsdorf, die Rathaus-Apotheke liegt nur wenige Meter von der Kreuzung entfernt. „Es ist eine Katastrophe“, resümiert er. „Ich denke im Moment über Kurzarbeit nach oder daran, die Apotheke für die Dauer der Bauarbeiten zu schließen.“ Das gehe aber nicht so ohne Weiteres, schließlich haben Apotheken eine hoheitliche Aufgabe zu erfüllen. „Den Standort will ich aber auf jeden Fall erhalten“, so Jüsten weiter. Eine Ausnahme bildet hingegen Elektrohändler EP – Wacht & Büschgens: „Wir haben keine Laufkundschaft, unsere Kunden kommen gezielt, wenn sie etwa eine neue Waschmaschine brauchen“, sagt Nicolai Schleiden. Einzige Auswirkung sei, dass der Außendienst länger unterwegs sei.

Erste personelle Konsequenzen hat es dagegen an der Aral-Tankstelle unmittelbar an der Kreuzung gegeben. „Wir mussten sechs Mitarbeiter auf 450-Euro-Basis entlassen“, sagt Stationsleiter Umut Uzun. „Mehr als die Hälfte der Kundschaft ist weg.“ Und nach wie vor werde regelmäßig nach dem Weg gefragt.

Was die Beschilderung anbelangt, ist in den vergangenen Wochen nach einem Gespräch zwischen Stadt und Landesbetrieb nachgebessert worden. „35 Punkte hatten wir zusammengetragen“, sagt Kahlen. Neben deutlicheren Hinweisen, wo etwa die Weiterfahrt nach Eschweiler frei ist und wo nicht, ist der Verkehrsfluss auf den Schleichwegen in der Siedlung Ost und in Schaufenberg mittels Halteverbotsschildern verbessert worden.

Das bedeutet aber nun für die Anwohner, nicht mehr vor der Tür auf der Straße parken zu können. „Beschwerden hat es keine gegeben“, sagt Kahlen. Eher vorher, aufgrund der beengten Situation und des aggressiven Fahrstils vieler Fahrer. Dass die Blechlawine, die die Baustelle durch das Wohngebiet umgeht, eine Belastung für die Bürger ist, wisse er. „Die halten wirklich tapfer durch“, so Kahlen.

Die Tastaturen an den Fußgängerampeln seien verbessert und die Grünphase am Saint-Brieuc-Platz in die Luisenstraße verlängert worden, weil dort nun ein Hauptstrom in die Innenstadt fließt. Die Einbahnstraßenregelung von der Allensteiner Straße in die Luisenstraße wurde aufgehoben, um ein weiteres Beispiel zu nennen. Eine Menge Einzelmaßnahmen seien umgesetzt worden. Und: „Wir werden bestimmt punktuell noch nachsteuern“, versichert Kahlen.

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