Schwierige Suche nach tragfähigen Mehrheiten in Herzogenrath

Von: Beatrix Oprée
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Herzogenrath. 17 von 22 Direktmandaten haben die Christdemokraten geholt: „Die Leute wollen, dass die CDU die Mehrheit hat”, resümiert Stadtverbandsvorsitzende Marie-Theres Sobczyk am Tag nach der Wahl - an dem sie in der Bürgerschaft bereits „Angst vor der Linken, den Extremen” ausgemacht habe.

Sobczyk ist sicher, dass die Herzogenrather eine schwarz-grün-gelbe „Jamaika”-Kooperation anderen Konstellationen vorziehen würden. Vor allem die Rot-Rot-Variante bereitet ihr Sorgen: „Besonders mit Blick auf Investoren, die die Stadtentwicklung vorantreiben könnten, würde dies nicht die besten Aussichten bieten.”

Die politisch-bürgerliche Ausrichtung habe bei den schnellen Planungsergebnissen in Sachen Folgenutzung des Vetrotex-Geländesetwa, gut gepunktet, ist Sobczyk sicher. So strebt sie das erste Gespräch mit dem bisherigen grünen Partner an.

„Die Grünen konnten sich in der Kooperation mit der CDU bisher sehr gut repräsentieren”, hatte auch Bürgermeister Christoph von den Driesch (CDU) am Wahlabend aus seiner Meinung schon keinen Hehl gemacht: „Der Bürgermeister hat eine demokratische Legitimierung, die „Linke” aber wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Kommt es zu Rot-Rot, wird es schwierig, mit dem Bürgermeister zusammenzuarbeiten!”

Parteiinterner Schlagabtausch

Bei den Grünen zeichnet sich zunächst ein parteiinterner Schlagabtausch ab: Teile der Partei sind der Zusammenarbeit mit der „Linken” nicht abgeneigt - Ortsverbandssprecher Dr. Bernd Fasel etwa hatte am Wahlabend erklärt, „mit der CDU nicht verheiratet” und „offen für alles” zu sein -, andere können mit der FDP nicht, und wieder andere würden gerne auf den altbekannten Partner setzen.

Zu Letzteren gehört Fraktionssprecher Folker Moschel: „Ich habe das Gefühl, einige Leute sehen die Gefahr bezüglich der Linken nicht.” Doch mit selbstbewusstem Blick auf das Wahlergebnis, das für die Grünen zwar kein sechstes Mandat, immerhin aber einige Prozentpunkte mehr eingebracht hat, verweist er auf die Knackpunkte der schwarz-grünen Zusammenarbeit: „Die CDU will Umgehungsstraßen: Die B258n und die L240n gehen mit uns aber gar nicht!”

Und er erinnert an eine Forderung, für die sich die Grünen, allen voran die dritte Vize-Bürgermeisterin Anne Fink, stark gemacht hatte: einen Aufzug hinauf zur Burg Rode im Sinne der Barrierefreiheit.

Moschel: „Ich war jetzt auf der Burg Heimbach. Die hat vier Außenaufzüge - so gut integriert, dass man sie kaum sieht. In dieser Angelegenheit muss noch was passieren!” Moschel weiß natürlich auch, dass die Grünen nicht zu hoch pokern dürfen, „es könnte ja auch eine große Koalition geben”.

In der SPD indes geht man die Verhandlungen mit Ruhe an, wie Fraktionschef Gerhard Neitzke darlegt: „Wir haben ja noch Zeit.” Am Dienstag, 27. Oktober, 18 Uhr, ist die konstituierende Ratssitzung.

Grundsätzlich für alle Varianten offen

Grundsätzlich sei die SPD für alle Varianten offen; wer in welcher Reihenfolge angesprochen wird, soll die Gesamtfraktion beschließen. Die Extremismus-Befürchtungen in Richtung „Linke” will Neitzke nicht teilen: „Die Akteure sind in Herzogenrath bekannt, stehen im Leben.” Hier könne man nicht mit Schlagworten kommen, „die vielleicht für Personen in Berlin und Potsdam gelten”. Vorsitzender Toni Ameis im übrigen habe einst viel dazu beigetragen, dass der Grünen-Ortsverband groß werden konnte. „Er war der Frontmann, der Motor der Partei, mit ihm dürften die Grünen doch keine Berührungsängste haben...”

Und was wäre mit einer „Ampel” aus SPD, FDP, Grünen? „Schwierig”, sagt FDP-Fraktionschef Björn Bock. „Da müssten wir an zwei Fronten kämpfen, wären drittes Rad am Wagen”. Der Preis für eine Beteiligung schwebt ihm aber schon vor: „Wir müssten das Ruder in die Hand bekommen bei der Stadtentwicklung, um vom Aachener Campusprojekt profitieren zu können.
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