Schweller wird zum „Stolperstein“ für Radfahrer

Von: mabie
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Peter Balthes ist einer von den geforderten Berufspendlern per Rad und ärgert sich maßlos über den Radweg-Kreuzungsausbau am „Hühnerwinkel“ in Würselen. Foto: Bienwald
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Spontan bekundet Markus Schings (links), ebenfalls Berufspendler per Rad, sein Missfallen an der für Radler gefährlichen Wegekreuzung in Würselen. Foto: Bienwald
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Die eingebaute Schwelle für Fahrrad-Reifen mit ihren fünf bis sechs Bar Luftdruck „knallt“ regelrecht beim zügigen Überfahren und sorgte zumindest bei Peter Balthes für Schäden am hochwertigen Rad. Foto: Bienwald

Herzogenrath/Würselen. Peter Balthes ist einer von denen, auf den Verkehrswegeplaner in Zukunft wohl vermehrt setzen werden. Denn er nutzt, wenn es die Witterung zulässt, so gut wie jede Möglichkeit, um seine tägliche Strecke zur Arbeit und zurück mit dem Rad zurückzulegen. „Ich selbst zähle mit Anfang 50 und gut 5000 Radkilometern im Jahr noch zu den relativ fitten Radfahrern“, sagt der Herzogenrather, der täglich nach Aachen pendelt.

Natürlich freut er sich grundsätzlich über die Idee, die Radwege nicht nur zu ertüchtigen, sondern im Sinne der Radler auszubauen. Und eigentlich ist er auch niemand, der dauernd herumnörgelt, auf sein Recht pocht und überall, wo es nur geht, Alarm macht, damit seine Wünsche umgesetzt werden. Deshalb war es im wahrsten Sinne des Wortes ein harter Schlag, der ihn auf dem Radweg in Würselen traf.

Genauer gesagt an der Straßenkreuzung von der Auffahrt von Willy-Brandt-Ring zur Elchenrather Straße am „Hühnerwinkel“, wo ein in seinen Augen sehr großzügig eingebauter Schweller das zügige Überqueren dem Radler den Spaß an der zügigen Fortbewegung per Rad genommen hat. „Es ist ein richtiger Absatz im Weg“, sagt Peter Balthes bei einem Ortstermin. Bei seinen Worten führt er sein Pedelec sanft über die Stelle, und schon klackt es vernehmlich im Rahmen des Rades. „Bei höherem Tempo knallt das richtig“, so Balthes weiter, „wenn man das nicht weiß, erschreckt man sich.“

Und nicht nur das, der leidensfähige Radler zählt auf seinem Weg von der Jülicher Straße in Merkstein bis zum Arbeitsplatz ohnehin pro Strecke gut 50 Schläge täglich im Lenker, die von Bordsteinen, Schlaglöchern oder Wurzelaufwerfungen auf dem Weg stammen. „Nach 4000 Kilometern musste ich die mehrfach gerissene Felge wechseln, das Material war mit dem Weg einfach überfordert“, sagt er achselzuckend.

Da war der zusätzliche Schlag an der Kreuzung einfach zu viel. Das wohl auch, weil – wie ein langer Schriftwechsel mit der Städteregion Aachen als zuständiger Behörde zeigt – diese Stelle absichtlich so ausgelegt wurde. „Der von Ihnen angesprochene Knoten des Radweges ist aufgrund der Bebauung schwer einsehbar“, teilte man ihm seitens der Städteregion Aachen mit, „daher wurden nicht nur im Zuge der Straße Rampen zur Geschwindigkeitsdämpfung eingebaut, sondern auch im Zuge des Radweges.“

Allerdings zeigen ein paar vorüberfahrende Autos, dass sie weit weniger Probleme mit dieser eingebauten Begrenzung haben als die im gleichen Zeitraum vorüberschleichenden Radler. „Die Autos müssen durch die Rampe nicht wirklich langsamer fahren, Radler müssen aber voll abbremsen oder knallen über die Absätze“, so Balthes.

Dass er mit dieser Meinung nicht alleine ist, zeigt auch Markus Schings, der zufällig beim Ortstermin auch die Rampe ganz vorsichtig überfährt. Er ist Berufspendler mit dem Rad, fährt täglich nach Aachen zur Arbeit. „Das kann unmöglich so bleiben“, sagt er bei seinem unfreiwilligen Halt an besagter Kreuzung. „Ich habe viele Radfahrer gesehen, die gucken hier eher auf die Rampe als auf den Verkehr“, so Schings, bevor er samt Pedelec Gas gibt, um pünktlich die Arbeitsstätte anzusteuern.

Was Peter Balthes noch ärgert, ist die Ignoranz, mit der ihm begegnet wurde, wie er jedenfalls meint. So hat er bereits Anfang November in einem Schreiben an die Städteregion die Missstände ausführlich dargelegt und auch per Fotos dokumentiert. „Ich habe auch mehrfach darum gebeten, die vorher problemlos überfahrbare Stelle wieder zurückzubauen“, erzählt er.

Stattdessen wurde ihm eine ganze Palette an Bitten zurückgesandt. An deren Spitze stand das Verständnis dafür, dass hier die Verkehrssicherheit „Vorrang vor dem Fahrkomfort für die Radfahrer“ habe. „Nein, ich habe absolut keinerlei Verständnis für diese bauliche Maßnahme“, gab Balthes zurück. Aber auch ein Verweis darauf, dass beim Radweg beispielsweise im weiteren Verlauf über Krottstraße, Wilhelmstraße und Markt die Randsteine perfekt abgesenkt sind, half nicht.

Hier wurde ihm pauschal geantwortet, dass dort die Radler ohnehin durch „Vorfahrt achten“ und einem durch die Verkehrslage langsameren Kraftverkehr langsamer fahren müssten. Balthes rechnet vor, das die an besagter Stelle am „Hühnerwinkel“ eingebauten Schweller für die Radler in etwa so wirken, als müsse ein Autofahrer einen Ziegelstein überwinden.

„Moderne Fahrradreifen werden mit gut fünf oder sechs bar Luftdruck gefahren, am ungefederten Hinterrad wird jeder Schlag ungefiltert in den Rücken des Fahrers weitergeleitet“, weiß der Radler. Über das, was passiert, wenn jemand mit Beladung oder gar einem Kind im Sitz über die Schwelle knallt, möchte er gar nicht nachdenken. Und der vielfach so öffentlich propagierte Premium-Radweg sei dies sicherlich nicht, da ist er sicher. „Das ist auf Dauer eine Zumutung und einem neu gebauten Radweg für Berufspendler in keiner Weise würdig“, schließt er.

So bleibt ihm und den anderen, die diesen Weg täglich für den Weg zur Arbeit nutzen, derzeit nur die Möglichkeit, hier den Fahrfluss so zu unterbrechen, dass sie mit möglichst niedrigem Tempo rücken-, rahmen- und materialschonend langsam das Hindernis auf dem Radweg überwinden, wenn sie denn wissen, dass diese Stelle mit Vorsicht zu überfahren ist. Denn ein Schild, das darauf hinweist, dass hier eine wahre Schwelle auf die Radler wartet, gibt es auch nicht. Nur roter Asphalt, der ohnehin schon alle Verkehrsteilnehmer darauf hinweist, dass hier mit besonderer Vorsicht zu fahren ist.

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