„Schwarz auf Weiß“: Regisseurin Ewa Teilmans im Gespräch

Von: ehg
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„Schwarz auf Weiß“ in St. Marien: Zu Gast war diesmal Ewa Teilmans, Regisseurin, Schauspielerin und Autorin, hier mit Moderator: Christoph Leisten (r.). Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. Für den Sprecher des „Schwarz auf Weiß“-Teams, Hans Peter Pütz, gab es bei der dritten Veranstaltung in diesem Jahr mehrere Gründe zur Freude. Einmal konnte er zur 27. Veranstaltung in dieser Reihe wieder eine Frau, die Künstlerin Ewa Teilmans, begrüßen. Und auch eine stattliche Anzahl von Besuchern hatte sich eingefunden die der schillernden Persönlichkeit persönlich begegnen wollten. Um es vorweg zu nehmen: Sie kamen auf ihre Kosten!

Offen und ungeschminkt stand sie ihrem „Gegenüber“, dem Germanisten und Lyriker Christoph Leisten, auf Augenhöhe Rede und Antwort: eine Schauspielerin, Regisseurin und Autorin Ewa Teilmans zum Anfassen sympathisch! Ihr Interviewpartner vorweg: „ Als ich mich mit ihrer Person beschäftigt habe, hat mir ihre künstlerische Vielfalt imponiert.“

Sie studierte Philosophie, Germanistik, Romanistik und Pädagogik, bevor sie zum Schauspiel an der Universität der Künste Berlin wechselte. Wie sie dorthin gelangt sei, wollte Leisten wissen. Ihre Antwort: „Eine viel zu früh verstorbene Freundin hatte mich animiert.“ Also habe sie sich an der besten Schauspielschule, „die wir in Deutschland überhaupt haben“, beworben.

Gut konnte sich Ewa Teilmanns, die auch als Sängerin mit Kurt Weill-Songs auf der Bühne unterwegs war, noch an ihre Aufnahmeprüfung erinnern. „Das Auswahlverfahren – 750 Bewerberinnen und Bewerber gab es – war sehr groß. Drei Stücke waren vorgegeben, neben modernen auch die Eva aus dem „Zerbrochenen Krug“ von Kleist.“ Obwohl Ewa Teilmans, die einige Jahre in Würselen ortsansässig war, bevor sie mit ihrem Lebensgefährten Michael Schmitz-Aufterbeck, dem Generalintendanten des Stadttheaters Aachen, in die Kaiserstadt umsiedelte, auf der Bühne stehen und sprechen wollte, widmete sie sich ab dem vierten Semester der Produktion. „Die erste in München war von Erfolg gekrönt.“ Was wundert es da, dass seit 2006 eine Inszenierung nach der anderen folgte, auch in Aachen.

Ewa Teilmans ist, wie Interviewpartner Leisten ob ihrer Vielseitigkeit konstatierte, eine Persönlichkeit, die nicht die Extreme, wohl aber die Kontraste liebe. Sie bringt in einer Spielzeit hochmodernes Schauspiel, aber auch ein Musikwerk auf die Bühne. „Ich liebe beides, das Schauspiel und das Musiktheater“, sagt sie. Beim Schauspiel sei der Spielraum zum Experimentieren größer. „Ich bin dankbar, dass ich beides machen kann.“ In Aachen inszenierte sie George Taboris „Mein Kampf“, in dem Hitlers Wandel vom Menschen zum Monster grotesk dargestellt wird, genauso wie „Die Fledermaus“ von Johann Strauß, beides 2011. Ein gewagtes Unternehmen sei es gewesen ‚Berlin – Alexanderplatz‘, den Großstadtroman von Alfred Döblin, einen der bedeutendsten literarischen Werke des 20. Jahrhunderts, dramaturgisch aufzubereiten. Erst recht eine großartige Herausforderung waren für Ewa Teilmans die Produktionen mit Strafgefangenen der Aachener Justizvollzugsanstalt. „Ein Jahr lang haben wir daran gearbeitet“, gab sie zu bedenken. Sicher ist sie sich, „dass die Theaterarbeit die Resozialisierung der Strafgefangenen gefördert hat“.

In Aachen viel inszeniert

An den gesellschaftlichen Themen der Menschen sei das Theaterstück aufgebaut worden. Dabei habe die Gruppe gemeinsam Themen vorgeben, aber jeder einzelne auch, persönliche. So zum Beispiel, „dass ein Strafgefangener nicht zur Beerdigung seines Vaters durfte“. Ewa Teilmann arbeitet mit dem, „was da ist“. Wenn Konflikte zum Thema gemacht würden, fände Theater sein Publikum, davon ist die erfolgreiche Regisseurin, die 2009 Mozarts „Zauberflöte“ in Münster in Szene setzte, überzeugt.

Ewa Teilmann hat in den vergangenen acht Jahren in Aachen viel inszeniert. Da wollte Interviewpartner Leisten doch wissen, wie die Kaiserstadt in der weiten Kulturlandschaft einzuordnen ist. Obwohl ihr eine Bewertung nicht leicht fiel, dennoch: „Aachen wird gut angenommen.“ Sie ließ aber keinen Zweifel daran, „dass Theaterarbeit immer steigerungsfähig ist. Nicht nur in Aachen!“ Und was macht die emanzipierte Theaterfrau, wenn sie einmal nicht inszeniert? „Dann kümmere ich mit um meine Mädchen und um meine beiden Hunde.“ Mehr noch: Sie gehe auf Reisen, auch um sich inspirieren zu lassen für neue Produktionen. Darauf darf nicht nur ihr Aachener Publikum heute schon gespannt sein.

Der nächste Interviewgast bei „Schwarz auf Weiß“ wird wiederum eine interessante Persönlichkeit sein. Zu Gast sein wird am 26. November um 19.30 Uhr im Pfarrheim St. Marien Monsignore Pirmin Spiegel, Geschäftsführer des Bischöfliches Hilfswerkes „Misereor“. Ihn wird Ralf Pütz interviewen.

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