„Schwarz auf Weiß“ in der Kirche St. Marien

Von: ehg
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Intensives Gespräch: der Generalmusikdirektor der Stadt Aachen, Kazem Abdullah (l.), mit Moderator Christoph Leisten. Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. Was für eine positive Resonanz! Bis auf den allerletzten Platz besetzt war die Kirche St. Marien in Scherberg, als sich dort zum 35. Male in der Talk- und Begegnungsreihe „Schwarz auf Weiß“ der Vorhang hob.

Es freute den Sprecher des Teams, Hans Peter Pütz, „endlich“ Kazem Abdullah als Talkgast begrüßen zu können, der in den drei Jahren seiner Tätigkeit als Generalmusikdirektor der Stadt Aachen auch außerhalb der Kaiserstadt wegen seines hochwertigen künstlerischen Schaffens viele begeisterte Freunde und Fans gefunden habe.

Pütz sagte: „Der Großraum Aachen hat mit ihm einen begeisterungsfähigen Menschen und eine hervorragende, kreativ-tätige Persönlichkeit aufzuweisen.“ Daran ließ der Abend mit ihm in St. Marien keinerlei Zweifel aufkommen. Souverän und bestens auf den Talk vorbereitet, meisterte Moderator Christoph Leisten seine Aufgabe mit Bravour.

Der am 4. Juli 1979 in Indianapolis geborene Musiker und Dirigent begann mit sieben Jahren, Klavier und mit zehn Jahren Klarinette zu spielen. Er studierte am Cincinnati Conservatory of Music und machte dort 2000 seinen Abschluss. Danach setzte er sein Studium an der University of Southern California fort.

Anfangs Klarinetten-Solist

Als Klarinetten-Solist trat er unter anderem mit dem National Symphony Orchester, dem Cincinnati Symphony Orchestra und dem New World Symphony Orchestra auf. Seit 2006 wirkte Abdullah als Assistent an der New Yorker Metropolitan Opera.

Als Dirigent debütierte er dort 2008/2009 mit Glucks „Orfeo ed Euridice“. Das Indianapolis Symphony Orchestra dirigierte er bei der Welturaufführung von Gabriela Franks „Peregrinos“. Am 1. August 2012 trat er als Generalmusikdirektor der Stadt Aachen die Nachfolge von Marcus Bosch an.

Mit dem Symphonieorchester Aachen arbeitete er zum ersten Mal beim Eröffnungskonzert der Spielzeit im Oktober 2010 zusammen. Zwei Tage vor dem Auftritt bei „Schwarz auf Weiß“ glänzte er musikalisch mit der Aufführung von Puccinis Oper „Toska“. Sein größter Wunsch sei es, in Aachen den „Ring der Nibelungen“, den aus vier Teilen bestehenden Opernzyklus von Richard Wagner, aufführen zu dürfen, bekannte der farbige US-Amerikaner am Dirigentenpult des Stadttheaters Aachen.

Der Talkgast stand unbekümmert und „locker vom Hocker“ Rede und Antwort. Dass der noch junge Generalmusikdirektor ein begeisterungsfähiger „Strahlemann“ ist, bewies er das eine oder andere Mal.

Die klassische Musik habe ihn, Kazem Abdullah, von Kindesbeinen an am meisten berührt. In gewisser Weise auch ein „bekennender Hip-Hop-Fan“ zu sein, gestand er gerne ein. Es gebe in allen Genres gute Musik. Was gute Musik ausmacht, wollte Leisten wissen.

Abdullah: „Sie muss den Zuhörer berühren, in Herz und Seele. Gute Musik schlägt eine Brücke zwischen der Komposition und der Zuhörerschaft. Es ist das Kommunikative, was gute Musik auszeichnet.“ Er habe die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen sich von der Musik sehr nachhaltig berühren und begeistern lassen, wenn man ihnen die entsprechende Erfahrung des Hörens und Erlebens vermittele.

Leisten hinterfragte den Unterschied zwischen dem Kulturbetrieb in den USA und in hiesigen Breiten. Hierzulande gebe es ein gut funktionierendes System der staatlichen Förderung. Was man jenseits des großen Teiches nicht kenne, sagte der Gast. Und wo die E-Musik oft nur durch privates Sponsoring möglich sei. Die hiesige Subventionierung finde er zwar gut, würde es aber begrüßen, wenn es noch mehr Sponsoring von Firmen gäbe. Abdullah redete einer guten Mischung zwischen staatlicher und privater Förderung das Wort.

In die Partitur versenken

Dass es immer ein hartes Stück Arbeit sei, sich einem symphonischen Werk zu näheren, legte der Talkgast im Einzeln dar. Es sei ein Prozess, der Monate und mitunter auch Jahre andauern könne. „Ich muss mich tiefer und tiefer einhören und versenken in die Partitur, um genau verstehen zu können, wie der jeweilige Komponist seine Notierung gemeint hat.“ Und dann komme im Laufe des Prozesses auch die eigene Interpretation hinzu.

Zu seiner Vita sagte Abdullah: „Mein Vater kam in den 1960er Jahren aus Sierra Leone (Afrika) zum Studium in die USA. Eigentlich wollte er gar nicht bleiben. Da hat er meine Mutter kennengelernt, die aus einer methodistischen Familie stammt. Aufgewachsen bin ich weitgehend in weltlichen, säkularen Verhältnissen.“ Dazu sagte der Moderator abschließend: „Ein Afroamerikaner mit muslimischen und methodistischen Wurzeln, der in der Dreiländerregion ein sehr internationales Orchester für vornehmlich europäische Musik dirigiert, das ist ein vorbildliches Glanzlicht interkultureller Zusammenarbeit.“

Leisten hoffte, „dass Sie noch lange diese Region mit Ihrer wunderbaren Musik berühren und bereichern werden!“ Angesichts der angespannten Situation entschloss sich das „Schwarz auf Weiß“-Team spontan, die freiwillige Spende des Abends dem Arbeitskreis Asyl für Flüchtlingshilfe zur Verfügung zu stellen. Es kamen „unglaubliche“ 855 Euro zusammen, die Sprecher Hans Peter Pütz am nächsten Tag Hildegard Hüring vom Arbeitskreis Asyl überreichte.

Der nächste Gast in „Schwarz auf Weiß“ ist Dienstag, 17. November, der Abt der Benediktinerabtei Kornelimünster, Friedhelm Tissen. Ralf Pütz moderiert.

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