Nordkreis - Schwangerenberatung droht das Aus

Schwangerenberatung droht das Aus

Von: Holger Bubel
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Die Zahl beratungsbedürftiger junger Schwangerer steigt. Foto: stock/HRSchulz

Nordkreis. Hebamme Birgit Capellmann hatte schon so etwas munkeln hören und nutzte daraufhin die Einwohnerfragestunde im jüngsten Jugendhilfeausschuss der Stadt Alsdorf, um Klarheit zu schaffen: „Stimmt es, dass die vom Diakonischen Werk angebotene Evangelische Beratungsstelle für Schwangerschaft und Schwangerschaftskonflikte (EVA) zum 1. Juli 2014 schließen soll?“

Unruhe herrscht bei Hebammen, Frauenärzten und anderen Hilfsorganisationen, die eng mit der beratungsstelle EVA zusammenarbeiten. Diese kann ihnen auch Marion Timm, vom geschäftsführenden Vorstand des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Aachen nicht nehmen: „Wünschenswert ist etwas anderes. Aber es stimmt. Nach jetzigem Stand müssen wir die Beratungsstelle für den Nordkreis nächstes Jahr auflösen“, sagt sie auf Anfrage.

Finanzielle Vorgaben und der Auftrag zu Einsparungen machten diesen unerwünschten Schritt notwendig. „Wir sind gehalten, bis zum Jahr 2016 Stellen einzusparen“, sagt Marion Timm. Aber, signalisiert sie auch, sie sei zu Gesprächen bereit, in denen die Kommunen des Nordkreises die finanzielle Absicherung von EVA auf Jahre verbindlich zusagten. Auch im Sinne der Mitarbeiterin, Sozialpädagogin Cornelia Sahlmen, die über viele Jahre ein funktionierendes und auf Vertrauen basierendes Hilfsnetzwerk aufgebaut habe.

Ein Gespräch mit Vertretern der Diakonie und kommunalen Entscheidungsträgern soll am morgigen Mittwoch im Alsdorfer Rathaus stattfinden, bestätigt Dezernent Stephan Spaltner: „Wir wissen, wie wichtig die Arbeit dieser Beratungsstelle ist. Das haben uns die Hebammen, die eng mit EVA zusammenarbeiten, noch einmal ganz deutlich gemacht.“

So eben auch Birgit Capellmann: „EVA ist der Sockel, die Basis, auf der weiterführende Beratungsangebote aufbauen. In der Beratungsstelle an der Otto-Wels-Straße werden Schwangere in schwierigen Lebenssituationen aufgefangen und weitergeleitet“, sagt Birgit Capellmann und spricht aus ihrer Erfahrung und den Erkenntnissen von Frauenärzten und Einrichtungen von einem steigenden Beratungs- und Hilfebedarf: So sei die Zahl der ganz jungen schwangeren Frauen unter 20 weiter steigend, auch die Trennungsrate besonders junger Paare steige zunehmend an.

„Viele Frauen wissen in solchen Situationen dann nicht mehr weiter. Sie fühlen sich alleine gelassen mit ihrer Schwangerschaft.“ Hier helfe besonders das niederschwellige Angebot von EVA. Die jahrelange Erfahrung von Cornelia Sahlmen habe dann schon zahlreichen Schwangeren geholfen. Die Sozialpädagogin wisse gleich, wo der Schuh drückt und wer weiterhilft.

Besonders Frauen mit Migrationshintergrund – hier sei besonders in Alsdorf die Zahl hoch – sind auf Hilfe angewiesen, etwa beim Ausfüllen von Anträgen und Formularen zur finanziellen und materiellen Unterstützung. „Wir Hebammen und die Ärzte können das nicht auffangen“ sagt Birgit Capellmann.

Rückendeckung zum Erhalt der evangelischen Beratungsstelle gibt es sogar von der katholischen Kirche: „Zielgruppe des Angebots sind benachteiligte Frauen. Cornelia Sahlmen bringt diese Frauen in Hilfsmaßnahmen, die sie ansonsten niemals in Anspruch nehmen würden“, sagt Eva Druschke vom Projekt „Frauen stärken in Erwerbsarbeit“ der KAB der Diözese Aachen. „Wenn die Beratungsstelle wegfällt, dann braucht man auch erst gar nicht mit den Begrüßungspaketen anzukommen. Das ist dann auch wenig hilfreich“, ist sie nicht begeistert von den Absichten der Diakonie. „Zumal“, mahnt sie an, „mit ABBBA ja ein richtiger Schritt zum niederschwelligen Hilfsangebot gemacht wurde.“ In Anlehnung an diese Angebote dürfe eine Schwangerschaftskionfliktberatung nicht einfach so ersatzlos gestrichen werden.

Über 300 Unterschriften

Wie viele Hebammen, Frauenärzte und Mitarbeiter sozialer Einrichtungen auch, hat Eva Druschke Unterschriften zum Erhalt der EVA gesammelt. Weit über 300 sind es. Diese will sie mit mehreren Frauen als „kleine Motivation“ dem Dezernenten Stephan Spaltner vor dem Gespräch mit der Diakonie am Mittwochmorgen übergeben.

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