Würselen - „Schutzhütte”: Kindern einen Zufluchtsort bieten

„Schutzhütte”: Kindern einen Zufluchtsort bieten

Von: eli
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Gemeinsam anpacken: (v.l. hint
Gemeinsam anpacken: (v.l. hintere Reihe) Iris Durajini, Richard Pütz, Reiner Herbst, (v.l. vorne) Josef Kunze, Ulla Benens und Bettina Pütz engagieren sich für Kinder und Jugendliche. Foto: Zander

Würselen. Ein Unbekannter verfolgt ein Kind, ein Handy wird an der Bushaltestelle geklaut, eine Gruppe von Jugendlichen triezt einen Teenager. Es sind Situationen, wie sie täglich passieren können.

Möglichen Opfern will der Verein „Aachener Schutzhütte” Rückzugsorte bieten. Der Name ist Programm: „Schutzhütten” sollen Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geben, sich in einer Notsituation dort zurückziehen zu können. Geschäfte, Arztpraxen, Restaurants - Einrichtungen, in denen mehrere Erwachsene tätig sind, können als solche fungieren.

Ob auf dem Schulweg oder am Nachmittag in der Stadt, bei einem Überfall, einer Bedrohung oder „nur” einem Sturz mit dem Skateboard - Ziel ist es, Kindern in Not ein Stück Sicherheit zu bieten und verlässliche Ansprechpersonen. „Jeder ist angehalten zu helfen”, betont der 2. Vorsitzende Reiner Herbst.

„Was wir machen, ist eigentlich nichts Besonderes”, gibt sich der Vorstand bescheiden. Es ist ein Anstoß zu Zivilcourage. „Wir erwarten keine Helden”, betont Vorsitzender Dr. Josef Kunze, „sondern Leute, die einfach den Mund aufmachen.” Im Grunde wollen die Initiatoren Atmosphäre schaffen, die früher in Dorfgemeinschaften selbstverständlich war.

Seit zwei Jahren organisiert der 2010 gegründete Verein das Vorhaben, spricht Inhaber und Geschäftsleute an. „Die Resonanz ist durchweg positiv”, freut sich Reiner Herbst.

Unterstützung erfährt der Verein durch den Präsidenten des Europaparlaments Martin Schulz, der die Schirmherrschaft übernommen hat. „Gewalt und Missbrauch von Kindern ist ein tägliches Thema in unserer Gesellschaft. Deshalb sind wir aufgerufen, Zivilcourage zu zeigen und unsere Kinder in jeder Weise vor körperlicher und seelischer Gewalt zu schützen”, schreibt der Würselener in einem Grußwort.

Nun wird am Freitag, 17. August, in Würselen die erste „Schutzhütte” eröffnet in der Buchhandlung Schillings an der Kaiserstraße 78. Noch am gleichen Nachmittag wird eine Apotheke in Aachen-Laurensberg ebenfalls zur „Schutzhütte” erklärt.

Sie werden durch einen Aufkleber gekennzeichnet. Da der Verein ehrenamtlich arbeitet, ist eine flächendeckende Erschließung erst nach und nach möglich. „Wir entfachen kleine Feuer und hoffen, dass daraus ein Flächenbrand entsteht”, skizziert Reiner Herbst.

Zug um Zug wird ebenfalls die Aufklärungsarbeit in den Schulen intensiviert. „Die Schüler müssen informiert werden, wo sie solche Schutzhütten finden können”, erklärt Schriftführerin Ulla Benens. Die Erarbeitung eines sichereren Schulwegs mit den Lehrern ist ein weiteres Ziel.
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