Alsdorf/Würselen - Schulsozialarbeit geht trotz leerer Stadtkassen weiter

Schulsozialarbeit geht trotz leerer Stadtkassen weiter

Von: Karl Stüber und Georg Pinzek
Letzte Aktualisierung:

Alsdorf/Würselen. Die zuletzt auf Grund der auslaufenden Förderung der Bundesregierung stark gefährdete Schulsozialarbeit an Alsdorfer und Würselener Bildungsstätten wird fortgeführt. Aber: Die Finanzierung wird wohl nur bis 2017 gesichert sein.

Dabei orientiert sich der Schulträger Stadt Alsdorf mit seinem finanziellen Anteil an der befristeten Förderung des Landes NRW, das im letzten Moment für den Bund eingesprungen ist. Dies beinhaltet der Empfehlungsbeschluss des Jugendhilfeausschusses, dem allerdings der Stadtrat am heutigen Donnerstagabend noch folgen muss (Beginn der Sitzung um 18 Uhr im Rathaus). Gespannt folgten mehrere Schulsozialarbeiter der Debatte im Fachausschuss.

Nicht für alle von ihnen bedeutet dies eine Verlängerung ihres Arbeitsverhältnisses. Jugendamtsleiter Herbert Heinrichs stellte klar, dass die derzeit 7,5 Stellen für Schulsozialarbeiter in Alsdorf so nicht gehalten werden können und es nun darum geht, zumindest den ursprünglichen Stand von 4,7 Stellen zu halten, was auch Schuldezernent Stefan Spaltner beschrieb. Die Aufstockung von 4,7 auf 7,5 Stellen ist laut Heinrichs in der zweiten Jahreshälfte 2014 nur möglich gewesen, weil noch verfügbare Mittel nicht verfallen sollten. Das ist laut Heinrichs den befristet beschäftigten Schulsozialarbeitern auch klar gewesen.

Nicht mehrheitsfähig

Intensiv setzte sich Friedel Wirtz (Grüne) nicht nur für den Erhalt der Stellen für Schulsozialarbeiter, sondern auch deren Aufstockung ein. Eigentlich, so Wirtz, müssten pro Schule ein weiblicher und ein männlicher Schulsozialarbeiter eingesetzt werden, um die Schüler angemessen zu betreuen. Das erwies sich als nicht mehrheitsfähig angesichts der Finanzlage der Kommune. Letztlich geht es um jährlich insgesamt exakt 237.510 Euro pro Jahr, um die 4,7 Stellen für Schulsozialarbeiter in Alsdorf zu finanzieren. Dezernent Spaltner berichtete von einer mündlich, aber demzufolge noch nicht genau und verbindlich erfolgten Auskunft, dass aus dem Fördertopf der Landesregierung rund 110.000 Euro via Städteregion Aachen in Alsdorf landen.

Spaltner: „Die endgültige Summe steht noch nicht fest!“ Unklar blieb, welchen Anteil nun die Förderung des Landes an den Ausgaben für Schulsozialarbeiter ausmacht. Sandra Niedermaier (SPD) merkte an, dass besagte 110.000 Euro „nur“ knapp 50 Prozent der Gesamtsumme ausmachten, das Land aber 70 Prozent Förderung zugesagt habe.

Wie hoch ist denn nun der Verwaltungsaufwand? 10 oder 20 Prozent? Das soll bis zur Ratssitzung am Donnerstag geklärt sein, versprach Spaltner. Es könne nicht sein, dass Geld für Verwaltungsaufwand bei der das Geld durchreichenden Städteregion Aachen hängen bleibe, so Niedermaier. Dezernent Spaltner stellte klar, dass die Stadt Alsdorf mit dem „Verwaltungsaufwand“ den Verein für allgemeine und berufliche Ausbildung (VabW) beauftragt hat. Zum guten Schluss forderte der Jugendhilfeausschuss Bund und Land auf, „Schulsozialarbeit als staatliche Aufgabe anzuerkennen und entsprechend zu fördern“.

Wie wichtig auch die Stadt Würselen die Schulsozialarbeit einstuft, zeigt die Bereitschaft der finanziell gebeutelten Kommune, die ausbleibenden Mittel des Bundes im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepakets sogar selbst aufbringen zu wollen. Die Genehmigung einer Eilentscheidung stand auf der Tagesordnung des Haupt- und Finanzausschusses. Um 2,7 Stellen bis zum Endes des Schuljahres 2014/15 sicherzustellen, sollten 85 000 Euro in den Etat 2015 aufgenommen werden. Ausdrücklich begrüßt wurde jetzt im Rathaus die Entscheidung der rot-grünen Landesregierung, die Schulsozialarbeit mit 48 Millionen Euro für 2015 bis 2017 zu bezuschussen. Damit können die Kommunen rund 70 Prozent der Kosten decken.

Bürgermeister Arno Nelles informierte, dass in Folge dessen Würselen nach überschlägigen Berechnungen lediglich noch rund 20 000 Euro aufzubringen hätte. Über den Verteilungsschlüssel sei bereits in der städteregionalen Bürgermeisterkonferenz diskutiert worden. Genauer Zahlen würden noch ermittelt. Nelles freute sich über die positive Entwicklung, die sicherlich auch der Intervention der Kommunen aus der Städteregion zu verdanken sei.

In Würselen werden die 2,7 Stellen von vier Sozialarbeitern besetzt. Eine Schulsozialarbeiterin ist an der Realschule eingesetzt, die übrigen drei Schulsozialarbeiter sind an den Grundschulen tätig. Die Verwaltung hatte im Vorfeld der Eilentscheidung die Bedeutung der Sozialarbeit für Schulen und Jugendhilfe unterstrichen: „Die Schulsozialarbeit nimmt eine wichtige Brückenfunktion an der Nahtstelle von Bildung und familiäre Erziehung ein und trägt spürbar zum Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen bei.“

Eva-Maria Voigt-Küppers, SPD-Landtagsabgeordnete und Stadtverordnete erklärte: „Das Land springt ein, weil der Bund die zeitlich begrenzte Unterstützung dieser immens wichtigen Arbeit nicht verlängert hat. Der Konflikt um die Zuständigkeit mit dem Bund endet allerdings damit nicht. Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass der Bund spätestens ab 2018 die Leistungen wieder übernimmt.“

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