Würselen - Schule und Konfession: Neuer Leiter für KGS Broichweiden?

Schule und Konfession: Neuer Leiter für KGS Broichweiden?

Von: Verena Müller
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Nicht nur eine Glaubensfrage: Eltern der Katholischen Grundschule Broichweiden können in den kommenden Tagen entscheiden, ob die Schule konfessionslos werden soll oder nicht. Hinter dem Antrag steht das Bemühen um einen auch künftig besetzten Schulleiterposten. Foto: vm
Hans-Dieter Gehlen
Hans-Dieter Gehlen, Schulpflegschaftsvorsitzender: Er würde eine Umwandlung begrüßen. Foto: vm

Würselen. Die Tür von Astrid Pagnia steht jedem offen. Auch ohne Voranmeldung hat sie immer ein offenes Ohr. Kaum vorzustellen, dass die nette Schulleiterin der Katholischen Grundschule Broichweiden und Gemeinschaftsgrundschule Linden-Neusen irgendwann nicht mehr an ihrem Schreibtisch sitzen soll. Aber mit dem Gedanken müssen sich Lehrer, Eltern und Kinder anfreunden.

In anderthalb Jahren wird Astrid Pagnia pensioniert. Und ob ihr Schreibtisch dann nahtlos wiederbesetzt werden kann, ist mit einem großen Fragezeichen versehen. Grundschulleiter sind Mangelware. Laut NRW-Schulministerium scheiden in diesem Jahr rund 400 aus. Wer also qualifiziert und ambitioniert ist, kann sich die Stellen im Grunde aussuchen.

In diesem Wettbewerb könnte die Verbundschule im Nachteil sein, befürchtet der Schulpflegschaftsvorsitzende Hans-Dieter Gehlen. Dabei gibt es schon einen „geheimen“ Kandidaten für die Nachfolge. Aber mit der falschen Konfession. Denn: Wer das „katholisch“ im Namen trägt, muss es auch im Kopf haben. Sprich: Der Schulleiter muss zwingend katholisch sein. Der Kandidat – oder die Kandidatin – ist aber evangelisch.

Unabhängig von dieser konkreten Personalie stellt das Bekenntnis eine Einschränkung des potenziellen Bewerberkreises dar, da gibt es wenig schönzureden. Deshalb haben 30 Eltern bei der Stadt Würselen den Antrag gestellt, den Hauptstandort ebenfalls in eine Gemeinschaftsgrundschule umzuwandeln. Ab dem Donnerstag können Eltern an drei Terminen dafür votieren. Kommen 50 Prozent zusammen, kann die Umwandlung bereits zum nächsten Schuljahr erfolgen.

Was die Erfolgschancen anbelangt, äußert sich Gehlen vorsichtig. „Die Abstimmung innerhalb der Schulpflegschaft ist knapp für die Antragstellung zum jetzigen Zeitpunkt ausgefallen. Vielleicht wäre ein späterer Zeitpunkt strategisch besser.“

Der Leidensdruck ist derzeit noch nicht hoch, noch ist die Stelle besetzt. Zwar könnte man an jedem Jahresanfang einen neuen Antrag stellen, es würde aber eine Übergangszeit entstehen, in der beispielsweise evangelische Bewerber nicht berücksichtigt werden, sprich: Die Schule liefe Gefahr, im Schuljahr 2018/19 ohne Schulleitung zu starten.

Gehlen – Würselener Unternehmer, Katholik, Vater von drei Kindern – weiß, dass manche Eltern skeptisch sind. Wird kein Adventskranz mehr aufgehängt? Werden Schulgottesdienste gestrichen? Sinkt das Niveau der Schule?

Befürchtungen, die zum Teil der GdG-Rat (Gemeinschaft der Gemeinden) teilt – oder nährt. Zu einer möglichen Umwandlung der Grundschule nimmt er wie folgt Stellung: Es sei „erforderlich“, dass zwei der sieben Schulstandorte in Würselen katholisch bleiben – neben Broichweiden die Sebastianusschule in Mitte.

Eine Reduzierung könne dazu führen, „dass die verbleibende KGS einem verstärkten Andrang katholischer Kinder nicht mehr gerecht werden kann.“ Außerdem „befürchtet der GdG-Rat, dass den Kindern mittelfristig die katholischen Traditionen und Glaubensinhalte nicht mehr verpflichtend vermittelt werden können“.

Weder der GdG-Rat noch das Bistum haben im Umwandlungsverfahren Mitsprache- oder Weisungsrechte. Auch finanzielle Abhängigkeiten gibt es nicht. Träger der KGS ist die Stadt Würselen.

Gehlen legt eine Tabelle vor, „Unterschiede und Gemeinsamkeiten einer KGS Broichweiden und einer GGS Broichweiden“: Aus der Teilnahmepflicht am katholischen Religionsunterricht würde eine Wahlmöglichkeit. Nach wie vor würden regelmäßige Gottesdienste angeboten (Einschulung, St. Martin, Weihnachten, Ostern, Verabschiedung der Viertklässler), eine Teilnahmepflicht besteht auch zum jetzigen Zeitpunkt nicht.

Lehrerstellen könnten sofort konfessionsungebunden ausgeschrieben werden (bisher dürfen sich zuerst nur katholische Lehrer bewerben, bleibt die Stelle unbesetzt, folgt eine zweite Ausschreibung ohne Konfessionsbindung).

Eine Bevorzugung katholischer Kinder bei Überbelegung fiele weg, neue Kriterien wären Wohnortnähe, Geschwisterkinder und besondere Härtefälle. Die Vermittlung christlicher Werte ist für alle Grundschulen in NRW verbindlich vorgeschrieben. Darunter fallen: Ehrfurcht vor Gott, Achtung der Würde des Menschen und soziales Handeln.

Und Gehlen betont: „Es geht nicht darum, alles Religiöse rauszudrängen oder etwas zu zerstören, was man sich gemeinsam mit der Kirche vor Ort aufgebaut hat.“ Er glaubt, dass das Verhältnis zur Pfarrei St. Sebastian gut und in den Gemeinden St. Lucia und St. Nikolaus mit viel Herzblut geprägt ist und baut darauf, dass das auch so bleibt. „Mir ist daran gelegen, dass die Schule nicht in ein paar Jahren ohne Schulleiter dasteht – auch wenn das meine drei Kinder dann schon längst nicht mehr betrifft“, sagt Gehlen.

177 Schüler sind an der KGS angemeldet. Stimmberechtigt sind Eltern mit einer Stimme je Kind (Ausweis mitbringen!). Die Abstimmung findet statt am Donnerstag, 9. März, 8 bis 13 Uhr und 14 bis 17.30 Uhr sowie Montag, 13. März, 8 bis 13 Uhr und 14 bis 15.30 Uhr – im Rathaus, Morlaixplatz 1, Zimmer 136 und Freitag, 10. März, 7.45 bis 15.30 Uhr, Aula der KGS Schulstraße, Schulstraße 10-12 in Würselen.

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