Würselen - Schule: Laptop-Projekt „Lemmon“ sorgt für saure Mienen

Schule: Laptop-Projekt „Lemmon“ sorgt für saure Mienen

Von: Georg Pinzek
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„Lemmon“ wurde einst bejubelt: Nicht nur von Schülern, sondern auch von der Politik. Foto: Georg Pinzek

Würselen. Eine Zitrone ziert das Logo des Projekts „Lemmon“. Zitronen sind seit jeher Symbol des Lebens, zur Abwehr allen Zaubers und Bösen. Offensichtlich hat aber der Talisman bei dem Würselener Vorzeigeprojekt „Lernen mit modernen Medien – online“ versagt. Der Bildungsausschuss sollte sich eigentlich in dieser Woche mit einem Sachstandsbericht befassen. Auf Initiative der CDU wurde das Thema aber vertagt.

 In einer Sondersitzung sollen sich die Beteiligten mit dem brisanten Thema ausführlich befassen. Die Schulpolitik reklamiert in Sachen „Lemmon“ also Beratungsbedarf – mal wieder.

Vom Netz genommen wurde zwischenzeitlich der Online-Auftritt der ambitionierten „bildungspolitischen Offensive der Stadt Würselen“. Stattdessen werden Internetnutzer auf die städtische Seite umgeleitet: Dort heißt es: „Auf diesen Seiten erfahren Sie in Kürze alles Wissenswerte rund um das Projekt ,Lemmon‘. Sollten Sie zwischenzeitlich eine Frage haben, schreiben Sie uns doch einfach!“ Die Pressestelle im Rathaus ist Ansprechpartner.

Miese Noten verteilt

Ein Rückblick: Überregionales Medienecho begleitete das Projekt gleich zum Auftakt. Denn hohe Erwartungen sind seinerzeit geweckt worden. Unter Jubel von Schülern wurden die ersten 400 Rechner für das Schuljahr 2009/2010 öffentlichkeitswirksam ausgehändigt. Sogar die damalige amtierende Schulministerin Barbara Sommer (CDU) zeigte bei einem Besuch in Würselen Interesse an dem Projekt. Insgesamt wollte Würselen fast 2,5 Millionen Euro in den Ausbau der mobilen IT-Infrastruktur investieren. Eltern, die ihre Kinder in Laptop-Klassen anmeldeten, mussten obendrein einen nicht unerheblichen Beitrag leisten: 1237 Euro kosten die transportablen Rechner, die auch mit 48 monatlichen Leasingraten von knapp 30 Euro abgestottert werden können. Die Stadt präsentierte sich: „Würselen. Um Notebook-Klassen besser.“

Schüler, Eltern und Lehrer gaben „Lemmon“ aber schlechte Noten. Eine Mutter bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung: „Von Anfang an hat ,Lemmon‘ an allen Ecken und Enden gehakt. Beispielsweise sind die Akkus so schlecht, dass die ,mobilen‘ Geräte nur mit Stromkabel zu benutzen sind. Schwer und sperrig sind die ganz offensichtlich nicht zeitgemäßen Laptops. Von wegen die Schulbücher können zu Hause bleiben, die müssen wegen des sehr überschaubaren Einsatzes der Laptops auch noch in den Schultaschen mitgeschleppt werden.“ Fällige Reparaturen der Laptops hätten oft lange gedauert. Nur selten seien die Geräte im Fachunterricht zum Einsatz gekommen. „So einige Lehrer können mit der Technik gar nichts anfangen“, beschreibt die Mutter ein weiteres Manko. Für die Laptops sei auch damit geworben worden, dass sie zudem privat genutzt werden können. Doch die dafür vorgesehene Speicherkapazität sei viel zu klein. „Da wurde uns versprochen, wenn ein Schüler krank ist, dann kann er den Unterricht von zu Hause aus verfolgen. Das hat auch nicht funktioniert. Selbst die WLAN-Verbindung in der Schule ist einfach schlecht“, berichtet die Mutter. Die Mängelliste könnte sie weiter fortsetzen . . .

Reparaturstau

Unsere Zeitung berichtete darüber immer wieder: „Lemmon stößt weiter sauer auf“, „Das System hat Schwachstellen“ oder „Lemmon läuft – nach den Ferien besser“ usw.. Vor etwa einem Jahr steckten besonders am Städtischen Gymnasium und der Realschule etliche der 600 seit Projektbeginn ausgelieferten Laptops im Reparaturstau. Nichtsdestotrotz wollten die Schulen dem ehrgeizigen Projekt weiterhin Chancen geben. Die Projektbeauftragten im Rathaus mussten eine Menge Hausaufgaben erledigen. Zwischenzeitlich wurde auch der Projektpartner gewechselt. Die Regio IT kümmert sich seit wenigen Monaten um „Lemmon“.

Zu kleiner Arbeitsspeicher

Im Sachstandsbericht der Stadtverwaltung heißt es dazu: Nach der Sitzung im November 2012 sei die Betankung mit einem neuen System in der Realschule vorgenommen. Die Regio IT habe jedoch erneut enorme technische Fehler festgestellt, die die Lauffähigkeit des Systems beeinträchtigt haben, und habe in Absprache mit der Schule und dem Schulträger die Betankung der elternfinanzierten Geräte abgebrochen. Weiter heißt es: „Ein Problem stellte zum Beispiel der 1-GB-Arbeitsspeicher der alten Geräte dar.

Mit diesem geringen Arbeitsspeicher konnte Windows 7 nicht einwandfrei auf den Geräten installiert werden.“ Nun sollen die Geräte (für die Eltern kostenlos) mit 4-GB-Arbeitsspeichermodulen aufgerüstet werden. Überdies kommt es aber nach Angaben der Verwaltung „in dem komplexen WLAN-System des Lemmon-Projektes dennoch immer wieder zu unvorhergesehenen Fehlermeldungen und Problemen“.

Nach Angaben der Regio IT sollte in diesem virtuellen System die gesamte Software nicht auf den Rechnern selbst, sondern ausschließlich auf dem Server der Schule installiert sein. Wegen der Funktionsunfähigkeit werde nunmehr doch ein neues System auf den Rechnern selbst installiert. Dabei kalkulieren die IT-Experten für die Betankung der Geräte sowohl an der Realschule als auch am Gymnasium jeweils bis zu zwei Wochen. Danach würden die Geräte der Grundschulen, der Hauptschule und der Albert-Schweitzer-Schule mit dem neuen System betankt und dem Schulwunsch entsprechend konfiguriert.

Nun regt sich in den Reihen der CDU, die das Projekt seinerzeit mit Nachdruck angeschoben hatte, großer Unmut. So stehe für die Christdemokraten die Frage im Raum: „Ob die Verwaltung und die mit der Umsetzung beauftragten Firmen überhaupt in der Lage sind, ein Projekt dieser Größenordnung vernünftig durchzuführen?“

CDU-Stadtverbandsvorsitzender Hans-Josef Bülles ist sauer: „Wir haben beschlossen, dass die Kinder unserer Stadt die bestmögliche Ausbildung und die bestmögliche Ausstattung erhalten. Wir erwarten, dass Verwaltung und beauftragte Unternehmen nunmehr umgehend die Mängel des Systems beheben und die Vorgaben erfüllen. Ansonsten werden auch juristische Konsequenzen zu prüfen sein.“

Die Weichen gestellt

Gottfried Kern, Mitglied der CDU im Bildungsausschuss, meint: „Die Politik kann lediglich die Weichen für solch ein Projekt stellen und das hat sie auch getan. Die Umsetzung liegt in städtischer Hand und wird hier ohne das nötige Controlling durchgeführt.“

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