Schuldenfalle: Übergangsphasen sind oft problematisch

Von: Leandra Kubiak
Letzte Aktualisierung:
10309775.jpg
Kann im Falle einer Überschuldung weiterhelfen: Eine Schuldnerberatung. Wer Leistungen, zum Beispiel vom Jobcenter, bezieht, kann einen Beratungsgutschein erhalten. Foto: dpa
10308055.jpg
Wieder schuldenfrei zu sein: Elke Steffens-Sprecher hilft ihren Klienten dabei, dieses Ziel zu erreichen. Foto: Leandra Kubiak

Nordkreis. Arbeitslosigkeit, befristete Arbeitsverhältnisse und Niedrigeinkünfte zählen zu den Hauptgründen für eine Überschuldung. Mit der bundesweiten Aktionswoche der Schuldnerberatung hat die Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände auf die Ursachen von Überschuldung aufmerksam gemacht.

Mit der Aktion, die vom 15. bis zum 19. Juni unter dem Titel „Arm und überschuldet – trotz Arbeit“ lief, hat die Arbeitsgemeinschaft ihre Forderungen dargelegt. Dazu zählt in erster Linie die Forderung nach einem Anspruch auf Schuldnerberatung für Erwerbstätige – denn in Folge einer Entscheidung des Bundessozialgerichts ziehen sich die Kommunen zunehmend aus der Förderung Erwerbstätiger zurück.

Die Problematik kennt auch Elke Steffens-Sprecher. Sie ist Schuldner- und Insolvenzberaterin beim Diakonischen Werk im Kirchenkreis Aachen und arbeitet in der Beratungsstelle in Alsdorf. Häufig kämen Menschen in die Beratungsstelle, die zwar berufstätig seien, aber ein sehr geringes Einkommen hätten und deshalb überschuldet seien, sagt Steffens-Sprecher. Die Schuldnerberatung müsse in solch einem Fall von den Betroffenen selbst bezahlt werden. „Die Möglichkeit zur Refinanzierung fehlt hier natürlich in der Regel“, erläutert Steffens-Sprecher.

Erwerbstätige müssen zahlen

Und genau dieser Zustand sei ein Problem. Die Kommunen sollten sich mehr in der Verantwortung sehen, die Kosten der Schuldnerberatung für Erwerbstätige zu übernehmen, findet Steffens-Sprecher. Denn derzeit zahlten sie nichts.

Anders sieht das bei Menschen aus, die Leistungen vom Jobcenter, dem Sozialamt oder der Agentur für Arbeit beziehen. Diese erhalten bei ihrem Ansprechpartner einen sogenannten Beratungsgutschein, den sie in einer Beratungsstelle einlösen können.

Erfreulich sei – und das ist eine Besonderheit in der Städteregion –, dass überschuldete Menschen, die vom Leistungsbezug in die Erwerbstätigkeit übergehen, den Beratungsgutschein weiterhin benutzen können, erklärt Steffens-Sprecher. Das sei wichtig, damit die Beratung erfolgreich zum Abschluss gebracht werden könne.

Viele ihrer Klienten haben keine abgeschlossene Schulausbildung, sagt Steffens-Sprecher. Die Konsequenz sei, dass sie in Zeitverträge mit niedrigen Einkünften geraten. „Durch befristete Verträge gibt es einen häufigen Wechsel zwischen Berufstätigkeit und Arbeitslosigkeit“, erklärt die Sozialarbeiterin. „Und gerade diese Übergangsphasen sind schwierig – da entstehen oft Schulden.“

Ein Problem bestehe zum Beispiel darin, die Miete pünktlich zu bezahlen – in einem Monat, in dem man keinen Lohn bekommt. „Ratsam ist es immer, den Vermieter möglichst früh darauf anzusprechen und gemeinsam eine Vereinbarung zu treffen“, erklärt Steffens-Sprecher.

Das sei meist besser, als möglichst lange damit hinterm Berg zu halten. Gründe für Schulden seien neben befristeteten Verträgen und geringen Löhnen häufig auch eine Trennung oder Scheidung, weiß die Beraterin. „Einige Klienten erzählen mir aber auch, dass sie nicht in der Lage sind, mit ihrem Geld zu planen.“

So oder so: In aller Regel laufe die Beratung auf die Einleitung eines Insolvenzverfahrens hinaus, sagt Steffens-Sprecher. Wie lange es dauert, bis ein solches Verfahren eingeleitet wird, sei unterschiedlich. „Meist wird dieses Ziel aber nach spätestens einem Jahr erreicht.“

In der Beratungsstelle an der Otto-Wels-Straße 2b werden übrigens nicht nur Schuldner- und Insolvenzberatungen angeboten, sondern auch Schwangerschafts- und Suchtberatungen. Auch im Falle häuslicher Gewalt kann man sich an die Beratungsstelle wenden.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert