Nordkreis - Schülerlotsen sorgen an der B57 für Sicherheit

Schülerlotsen sorgen an der B57 für Sicherheit

Von: Tobias Röber
Letzte Aktualisierung:
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Alle aufgepasst: Anja Juchems schaut genau hin, bevor sie die Kinder und Jugendlichen über die stark befahrene B57 in Würselen gehen lässt. Foto: Tobias Röber

Nordkreis. Dunkelheit, Kälte, Wind und dazu noch Regen: Beim momentanen Wetter gehen die wenigsten gerne früh morgens aus dem Haus. Und schon gar nicht mit einem Lächeln.

Bei Anja Juchems und Theo Klinkenberg sieht das anders aus. Von Montag bis Freitag stehen sie jeden Morgen bereit - pünktlich ab 7.25 Uhr.

Eingepackt in leuchtend gelben Uniformen mit Warnkellen in den Händen, ist das Duo bestens gerüstet. Die beiden treten stets mit guter Laune auf, begegnen Jung und Alt mit einem freundlichen Lächeln, und jedem, der an ihnen vorbeigeht, wünschen sie „Guten Morgen”.

Die 39-Jährige und ihr 70-jähriger Kollege sind Schülerlotsen an einer der gefährlichsten Stellen im Nordkreis: Der B57 in Würselen. Genau genommen sorgen sie auf Höhe der Grevenberger Straße nahe dem Städtischen Gymnasium für Sicherheit. Theo Klinkenberg ist seit drei Jahren Schülerlotse. „Mein Bruder ist Lotse in Schweilbach. Durch ihn bin ich dazu gekommen”, sagt er.

Zunächst begleitete der Rentner Jungen und Mädchen in Scherberg über die Straße, seit einiger Zeit ist er nun für den Übergang an der B57 zuständig. Und weil dieser so heikel ist, steht er nicht alleine dort, sondern winkt gemeinsam mit Anja Juchems die Schulanfänger über die Bundesstraße. „Bei einer Kollegin gab es an dieser Stelle mal einen Unfall. Seitdem stehen hier zwei Lotsen”, sagt Klinkenberg.

Unfälle hat er glücklicherweise noch nicht erleben müssen, auch seine junge Kollegin nicht. Wohl aber brenzlige Situationen. Klinkenberg erinnert sich: „Ein Junge lief letztens über die Straße, ohne zu warten, bis wir den Verkehr gestoppt hatten. Er wäre fast unter einen Bus geraten.” Genau aus diesem Grund ärgert sich der 70-Jährige, wenn - meistens Jugendliche - ein paar Meter neben dem Übergang auf eigene Faust die Straße überqueren.

Noch mehr ärgert sich das Duo aber über rücksichtslose Autofahrer. Wenn Theo Klinkenberg von denen erzählt, verschwindet sogar der sonst so sympathische Gesichtsausdruck. „Es kommt recht oft vor, dass Autos anhalten, die Fahrer das Fenster herunterdrehen und uns beschimpfen”, klagt er an. Manche machen die Lotsen sogar für die häufigen Staus verantwortlich. Anja Juchems aber weiß das besser: „Mein Mann fährt jeden Morgen hier lang. Staus entstehen an dieser Straße auch, wenn wir noch gar nicht da sind.”

Und aus welchem Grund tun sich die Lotsen die Arbeit an? Zwar werden sie entlohnt, aber leben kann man von dem Job auf 400-Euro-Basis sicher nicht. „Ich war früher im Baugewerbe tätig und viel an der frischen Luft. Deswegen wollte ich wieder raus”, sagt Theo Klinkenberg. Anja Juchems hat zwei Kinder großgezogen.

„Ich wollte nicht länger zu Hause sein. Ich habe gerne mit Kindern zu tun. Das ist das Tolle an dieser Aufgabe”, erklärt die 39-Jährige. Und die vielen schönen Momente, in denen Kinder einfach mal stehen bleiben und mit den beiden plaudern oder wenn sie unerwartet ein kleines Weihnachtsgeschenk zugesteckt bekommen, machen die Aufgabe zu etwas Besonderem.

Zu ihrer Freude gibt es aber nicht nur nörgelnde Autofahrer, sondern auch viele zufriedene Kinder, Eltern und Großeltern. „Ich finde die beiden nett”, strahlt zum Beispiel Larissa Schoenen. Die Neunjährige überquert die Straße jeden Tag auf dem Weg zur Grundschule. Für die Grundschüler sind Anja Juchems und Theo Klinkenberg auch hauptsächlich da, begleiten aber die Haupt- und Realschüler sowie Gymnasiasten ebenso gerne.

Aber zurück zu Larissa. Und ihrer Oma, die heilfroh ist, ihre Enkeltochter in guten Händen zu wissen. Auf die Frage, was sie zum Einsatz der Lotsen sage, reckt sie den Daumen in die Höhe und verfällt in eine Lobeshymne: „Wenn ich den beiden sage, dass ich Larissa ein paar Minuten später abhole, etwa weil ich noch beim Arzt bin, passen sie so lange auf. So bin ich einfach viel beruhigter.”

Die beiden Lotsen - und wohl auch ihre vielen Kollegen im Nordkreis - hören solches Lob gerne. Denn so stehen sie ein wenig lieber jeden Morgen draußen, in der Dunkelheit, bei niedrigen Temperaturen, in Wind und Regen.
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