Nordkreis - Schülerin geht morgens in die Schule und nachmittags zur Uni

Schülerin geht morgens in die Schule und nachmittags zur Uni

Von: Anja Klingbeil
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Studentin und Schülerin: Annika Schmitz studiert seit drei Jahren Englisch und bereitet sich am Heilig-Geist-Gymnasium auf ihr Abitur vor. Foto: Anja Klingbeil

Nordkreis. Manche ihrer Mitschüler haben sie für verrückt erklärt. Andere wollten gleicht mit auf eine Studentenparty. Annika Schmitz war gerade mal 13 Jahre alt, als sie zum ersten Mal einen Hörsaal der RWTH Aachen betrat. Das ist mittlerweile drei Jahre her.

Nun steht Annika Schmitz kurz vor ihrer Zwischenprüfung in Englisch. Nebenher bereitet sie sich auf ihr Abitur vor. Die 16-Jährige besucht das Würselener Heilig-Geist-Gymnasium.

Von dem Programm „Studieren vor dem Abitur” hat sie aus der Zeitung erfahren. „Mir war gleich klar, dass ich das machen wollte”, erinnert sie sich. Mit Unterstützung ihrer Mutter hat sie sich alle wichtigen Unterlagen zusammengesucht und an der Universität angemeldet.

„Bei der Einführungsveranstaltung für die Erstsemester habe ich noch gedacht: Ich bin total verloren. Ich kannte mich überhaupt nicht aus, wusste nicht, wie das mit dem Scheinemachen geht. Aber den anderen Erstsemestern erging es da nicht besser.”

Vielen ihrer Kommilitonen ist es nicht einmal aufgefallen, dass Annika um einige Jahre jünger ist. „Man muss schon die Fähigkeit besitzen, diesen Altersunterschied zu überwinden”, sagt sie.

Vielleicht ist ihr das auch deshalb so gut gelungen, glaubt Annika, weil sie zwei ältere Brüder - 29 und 30 Jahre - hat.

„Uni macht einfach Spaß”

Am Anfang ist ihr das Studium sogar leichter gefallen als die Schule. „Uni macht einfach Spaß. Weil man sich seinen Stundenplan selbst zusammenstellen kann und zu den Kursen geht, die man sich selber aussucht”, erzählt Annika.

Anstrengend ist das natürlich. Es bleibt neben Studium und Schule einfach weniger Zeit für Freunde und Hobbys. Montags etwa muss Annika um 6 Uhr morgens aus dem Bett. Dann geht es zur Schule.

Von dort nahtlos weiter nach Aachen zur RWTH. Die Vorlesungen gehen bis 22 Uhr. „Aber der Kurs, den ich abends habe, ist wirklich super interessant. Da geht es um südafrikanische Geschichte. Das interessiert mich einfach.”

Gegen 23 Uhr ist sie dann Zuhause. Ein langer, anstrengender Tag. „Natürlich ist es nicht immer einfach, das alles zu organisieren, sich die Zeit einzuteilen. Aber es ist manchmal so, dass das Studium eine Entlastung von der Schule ist und umgekehrt. Und das Studium neben der Schule ist eine Möglichkeit, die nicht wieder kommt.”

Englisch spricht die gebürtige Eschweilerin seit ihrem dritten Lebensjahr. Kein Wunder also, dass sie auf ihrem Schulzeugnis glatte 15 Punkte (1+) stehen hat.

Doch eigentlich wollte sie Chemie studieren. „Leider passte das mit den Schulstunden nicht. Deshalb habe ich mich dann für Englisch auf Lehramt entschieden.”

Eigenständiges Lernen, das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden, eigene Entscheidungen zu treffen, Selbstständigkeit - es sind viele Vorteile, die Annika aus ihrer Studienerfahrung für sich mitnimmt.

„Ich denke schon, dass ich weiter bin, als die anderen Schüler in meiner Klasse. Die haben schon ab und an falsche Vorstellungen vom Studentenleben.”

Aber ansonsten sei sie eine Schülerin wie jede andere auch. „Und hier an der Universität bin ich eben eine Studentin wie jede andere auch.”

Auf persönlicher Ebene habe sie das Studium sehr viel weiter gebracht. „Die Schule ist im Gegensatz zur Uni ein Mikrokosmos. An der Universität trifft man viele unterschiedliche und offene Menschen. Lernt Studenten aus anderen Ländern kennen. Mittlerweile besteht ein Drittel meines Freundeskreises aus Kommilitonen.

„Für mich hat es keine bessere Entscheidung gegeben, als das zu machen”, sagt Annika nach drei Jahren Studienerfahrung.

Wenn sie im nächsten Jahr ihr Abitur macht - übrigens mit 17 Jahren, denn sie hat die achte Klasse übersprungen -, dann will sie allerdings erstmal ein Jahr Pause einlegen. Durch die Welt reisen, andere Länder kennen lernen. „Ich liebe es einfach, Neues zu entdecken.” Danach will sie Maschinenbau studieren.

Und dann kann sie endlich auch auf die Studentenpartys, auf die sie heute noch nicht darf. „Das ist halt der Nachteil. Erst wenn ich 18 bin, kann ich nachts spontan auf eine Party gehen.”
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