Schüler verlegen Stolpersteine für frühere jüdische Mitbürger

Von: mas
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Nils Ley (r.), Konfirmand aus der evangelischen Kirchengemeinde Mariadorf-Broichweiden, verlegt zusammen mit Dana und Tobias Eisenbeis die Stolpersteine an der Hoengener Kirchstraße 92. Foto: Sigi Malinowski

Alsdorf. Zaghaft klopft Nils Ley auf die beiden Edelsteine. Der Konfirmand aus der evangelischen Kirchengemeinde Mariadorf-Broichweiden darf die beiden Stolpersteine ihrer endgültigen Bestimmung zufügen.

Und das tut der Teenager ganz sanft. Behutsam, als wenn sich tatsächlich die beiden Menschen, denen diese Erinnerung gilt, darunter befinden würden. Gemeinsam mit Tobias und Dana Eisenbeis sind die jungen Christen ausgesucht worden, die Stolpersteine vor dem ehemaligen Haus an der Hoengener Kirchstraße 92 zu verlegen. Auch den Kindern sieht man an, dass sie das Schicksal der Familie Selig und Helena Keller bewegt, auch wenn sie diese nicht gekannt haben.

Auf der Suche nach Antworten

Offenbar suchen diese jungen Menschen Antworten. Nils Ley sowie die beiden Eisenbeis-Geschwister und Aenna Plett hatten zuvor die Lebensgeschichte der Familie erzählt.

Selig Keller wurde am 8. Februar 1886 in Hoengen geboren. Seine Frau Helena Hejmans wurde am 12. April 1893 im niederländischen Groenlo geboren. Das kinderlose Ehepaar erlebte die Machtübernahme und die sofort beginnende Diskriminierung der jüdischen Menschen. Am 9. November 1938 wurde auch die Hoengener Synagoge an der Schillerstraße – dort legten Alsdorfs Bürgermeister Alfred Sonders sowie sein Stellvertreter Heinrich Plum im Beisein der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Hoengen und der Alsdorfer Feuerwehr einen Kranz nieder – verwüstet.

Am 10. November 1938 wurde Selig Keller ins Konzentrationslager Buchenwald verschleppt. Er kehrte zurück, unbekannt blieb aber, wann er Hoengen verließ. Aufzeichnungen belegen, dass sowohl Selig Keller als auch seine Frau Helena im Jahr 1942 ins KZ Theresienstadt deportiert wurden. Dort sind sie wahrscheinlich ums Leben gekommen.

Zum 31. Dezember 1945 wurde Selig Keller für tot erklärt. Dr. Stefan Saffer vom Alsdorfer Verein „Wider das Vergessen“ bezog sich in seiner Ansprache auf Zvi Kolitz Erzählung „Jossel Rackower spricht zu Gott“. Daraus zitierte Saffer unter anderem: „Vorläufig aber lebe ich noch und vor meinem Tode will ich als Lebender zu meinem Gott sprechen. Wie ein einfacher, lebendiger Mensch, der den großen aber unglückseligen Vorzug hatte, ein Jude zu sein.“

Begonnen hatte die Alsdorfer Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Reichspogromnacht mit einem beeindruckenden Gottesdienst in der evangelischen Kirche Mariadorfs. Unter Leitung von Pfarrerin Petra Hartmann hatten die Konfirmanden (Alfred Sonders: „Ich habe selten einen schöneren Gottesdienst erlebt“) die Menschen mitgenommen.

Das galt nicht nur für die Älteren, auch die junge Generation beschäftigt sich mit den Gräueln der Nazizeit.

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