Schüler machen Körper zu Kunstwerken

Von: Stefan Schaum
Letzte Aktualisierung:
9871923.jpg
Abgewandt oder maskiert: Bei ihren Körperinstallationen „Bodys in space“ erkennt man die Gesichter der Schüler nie. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Ihre Gesichter erkennt man nie. Die werden entweder mit Masken verhüllt, von Kapuzen bedeckt oder schlicht vom Betrachter abgewandt. Überhaupt sieht man vor allem recht viele Rücken, wenn die Schüler sich zur lebendigen Installation formieren.

Wenn sie ihre Köper übereinander stapeln oder ineinander verknoten. „Bodies in space“ nennt sich das Ganze und soll nicht bloß originell aussehen. Es geht auch darum, zueinander zu finden. Denn was den kreativen Austausch betrifft, nähern sich die Jugendlichen aus der französischen Gemeinde Lattes in der Nähe von Montpellier und die Schüler der Alsdorfer Gustav-Heinemann-Gesamtschule, einander erst seit wenigen Monaten an.

Dazu gehört es bislang auch, sich bei den Begegnungen als Körperskulpturen zu inszenieren, wie jetzt beim Besuch der französischen Delegation in Alsdorf erneut geschehen. Kunst im Miteinander wollen sie machen – und bei dieser Ausdrucksform wird das besonders wörtlich genommen. Wie kann man mehr miteinander hantieren, als mit Körpern, die gemeinsame Sache machen?

Im Juni 2014 fand in dem Projekt, das auf Alsdorfer Seite von der Lehrerin und Kulturagentin Hilke Buck betreut wird, der erste Kontakt statt. Auf den Weg gebracht hatte das Ganze das Deutsch-französische Bildungswerk in Kooperation mit der Kunstschule Bleiberger Fabrik in Aachen. Seinerzeit waren die Alsdorfer Teenager zu Besuch in Montpellier. Mit einem eigenen Filmbeitrag.

Weil es in der französischen Region einen jährlichen Filmwettbewerb gibt, bei dem Schüler eigene Beiträge einreichen, hatten auch die Besucher einen mitgebracht. In dem Film hatten sie die Diskriminierung zum Thema gemacht, beziehungsweise deren Gegenteil gezeigt: Einen offenen, friedlichen, unbefangenen Umgang miteinander.

Wenn man so will, ist der auch Thema der gesamten deutsch-französischen kreativen Begegnungsreihe. „Hier geht es darum, dass die Jugendlichen für sich den Begriff Europa mit Leben füllen und weit über die Grenzen hinausblicken“, beschreibt Gesamtschulleiter Martin May den Hintergrund. Dieses Projekt begrüßte beim Empfang der jungen Franzosen in der Schule auch Alsdorfs Schuldezernent Stephan Spaltner. „Es ist einfach wichtig, dass junge Leute sich austauschen und zu Freunden werden. Schließlich sind sie es, die Europa entdecken und gestalten werden.“

Ein zweites, gemeinsames Filmprojekt wurde beim jüngsten Besuch auf den Weg gebracht. Mit einem Thema, das die Regionen eint: dem Pferd. In der französischen Region um Montepellier hat Pferdezucht eine lange Tradition, und Aachen kann stolz auf sein CHIO-Turnier verweisen.

Welche Sprache im Film gesprochen wird – oder ob überhaupt Worte fallen werden – wird sich noch zeigen. Bei den Begegnungen spielen Sprachbarrieren jedenfalls keine Rolle. Die Verständigung klappt. Mit Worten und Gesten, mit dem Herzen – und nicht zuletzt mit der Kunst der Körper. Da wundert es nicht, dass eine Einstellung für den Film bereits gefunden ist: Eine Körperinstallation auf einem Aachener Reiterhof ist schon im Kasten.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert