Schüler lotsen Schüler über die Straße

Von: Conny Stenzel-Zenner
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Übergang abgeschirmt: Cornelia Steffes-Walter, Lehrerin am Gymnasium Würselen (2.v.l.), betreut mit einer Kollegin bis zu 50 Schülerlotsen pro Jahr. Foto: Conny Stenzel-Zenner

Würselen. Alle vier Wochen klingelt der Wecker eine Woche lang eine halbe Stunde früher. Dann stehen Sonia, Sarah, Juline, Jana und die vielen anderen Schülerlotsen auf, damit sie pünktlich um halb acht dort den Übergang für Fußgänger sichern, wo keine hauptamtlichen Lotsen von der Stadt Würselen eingesetzt werden.

Dazu arbeiten Stadt, Polizei, das Städtische Gymnasium und die Realschule seit einigen Jahren zusammen. Zum Schuljahresbeginn melden sich die Schüler, die in der Regel ab dem 7. Schuljahr eingesetzt werden, freiwillig. Warum? „Weil wir helfen wollen. Wenn sich morgens der Verkehr durch die Straßen schiebt, dann ist es einfach wichtig, dass Lotsen die Autofahrer darauf aufmerksam machen, dass Schüler die Straße queren wollen.

Ein Anreiz am Ende des Schuljahres ist, dass wir als Dankeschön ins Phantasialand eingeladen werden“, sagen die Mädchen, die zum Beginn des Schuljahres gar nicht wissen, was sie bis zu diesem Besuch erleben werden.

„Schüler, die sich als Schülerlotse engagieren, übernehmen Verantwortung und sind bereit, sich auch über den Fachunterricht hinaus für ihre Mitschüler und für soziale Belange einzusetzen“, sagt Cornelia Steffes-Walter, Lehrerin des Städtischen Gymnasiums, die gemeinsam mit einer Kollegin bis zu 50 Schülerlotsen im Jahr einteilt, Warnwesten und jeweils die Winter- oder die Sommerkelle zurücknimmt und an die nächsten Lotsen verteilt.

Die Erfahrung zeige, dass die Lotsen oft in vielen Bereichen des Schullebens aktiv seien und eine hohe Sozialkompetenz zeigen würden. „Sie zeichnen sich aus durch Belastbarkeit und Einsatzfreude, besonders auch im Hinblick darauf, dass die Schultage durch G 8 und im Ganztagsbetrieb länger geworden sind und durch den Dienst an der Kreuzung noch etwas zeitiger beginnt“, lobt Steffes-Walther.

Die Kreuzungen, die von der Stadt mit Schülerlotsen geplant sind, sind Bahnhof-/Nordstraße, Neuhauser/Klosterstraße, Haaler Straße am Kreisverkehr, untere Kaiserstraße, Neuhauser Straße/ Markt sowie Tittelsstraße. Ein Lotse steht zudem an der Sebastianusstraße.

„Diese Schüler ergänzen unsere 14 Schulhelfer und die drei Springer, die wir im Einsatz haben und die nach geltendem Tarifvertrag mit entsprechenden Arbeitsverträgen entlohnt werden“, sagt Bernd Schaffrath, Pressesprecher der Stadt Würselen.

Die Schülerlotsen sind günstiger. Sie werden mit geliehenen gelben Warnwesten mit Signalstreifen ausgestattet und bekommen jeweils vor Lotsenbeginn eine Kelle. „Die Sommerkelle ist leichter als die Winterkelle, die entweder aus Plastik oder Holz ist“, beschreibt Jana ihr Dienstutensil. Die Winterkelle dagegen ist schwer, weil in ihrem Inneren Batterien sind, die die Kelle leuchten lassen, was der dunklen Jahreszeit geschuldet ist.

Bevor die Schüler lotsen dürfen, kommt Polizeihauptkommissar Udo Eibert zum Einsatz, der die Schüler unterrichtet. „Die Schüler werden verkehrsrechtlich in zwei Schulstunden ausgebildet, in Theorie und Praxis“, sagt Udo Eibert, der die Lotsen unangekündigt gemeinsam mit den jeweiligen Lehrern des Gymnasiums und der Realschule auf Anwesenheit und Pünktlichkeit überprüft. Selten hat er Grund zur Beanstandung, denn die Schüler nehmen ihren Dienst ernst.

Auch bei Hagel und Schnee

Auch bei Regen, Hagel, Schnee, bei Glatteis und Temperaturen unter null Grad. Da kommen die Schülerlotsen durchnässt nach ihrem Dienst in den Unterricht und drücken sechs oder acht Stunden die Schulbank. „Es liegt in der Verantwortung der Eltern, bei Schmuddelwetter im Winter ihre Kinder nicht zum Dienst zu schicken. Dann leiten wir einteilenden Lehrer den Ausfall an die Stadt weiter“, sagt Lehrerin Steffes-Walther.

Aber das scheinen manche Eltern gar nicht zu wissen. So kommt es im Herbst und Winter häufig vor, dass die Schüler nass in die Schule kommen, denn das Lotsen mit einem Regenschirm ist gar nicht möglich. „Es gibt keine Lotsen mit Schirm“, sagt Jana, die wie ihre Freundinnen noch nie auf die Idee kam, einen mitzunehmen.

Warum stellt die Stadt den Lotsen keine Regencapes und Regenhosen zur Verfügung? „Diese Frage ist noch nie an uns herangetragen worden“, erklärt Werner Birmanns, Beigeordneter der Stadt, der nichts von durchnässten Schülern weiß. „Jetzt mache ich mich kundig, was es kostet, wenn wir Regenhosen und Regenjacken anschaffen, und dann wird das beraten“, erklärt der Beigeordnete, der auf den Haushalt 2016 hofft. „2015 haben wir dafür kein Geld mehr.“

Für die eingesetzten Schüler gibt es am Ende eines jeden Schuljahrs eine Urkunde, die das ehrenamtliche Engagement als Schülerlotse würdigt. Danach sind andere an der Reihe – aber „Wiederholungstäter“ sind möglich.

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