Alsdorf - Schüler bekommen die Heimathistorie von Zeitzeugen erzählt

Schüler bekommen die Heimathistorie von Zeitzeugen erzählt

Von: ust
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Jahrzehntelang prägte der Bergbau die Stadt Alsdorf: Die historische Aufnahme zeigt das Anna-Areal im Jahre 1961. Foto: Wolfgang Sevenich

Alsdorf. Es war ein Novum – und dabei so ein naheliegendes. Schüler des Geschichtskurses von Jasmin Engel am Alsdorfer Gymnasium fragten, Zeitzeugen antworteten. Das „Netzwerk erlebte Geschichte“ setzt sich aus dem Verein Pro Energeticon , dem Bergbaumuseumsverein und dem Geschichtsverein zusammen. Für das Netzwerk standen den Schülern Rudolf Bast, Fritz Ebbert, Dieter Macko und Erwin Dreschers Rede und Antwort, moderiert von der Museumspädagogin Brigitte Richter.

Und die Fragen waren zahlreich und vielfältig: Wie man zur Ausbildung im Bergbau kam? Dieter Macko schmunzelte. „Damals konnten sich viele Familien nicht leisten, alle Kinder aufs Gymnasium zu schicken. Und die Ausbildung beim EBV war hoch angesehen. Die Industrie im Raum Aachen war begeistert von den Facharbeitern, die dort ausgebildet worden waren. Der EBV sicherte jedem, der eine Ausbildung abschloss, die Übernahme zu.“ Rudolf Bast unterstrich, dass im Bergbau gute Löhne gezahlt wurden. „Kohle verdienen“, heißt es daher nicht zuletzt.

Er berichtete den Schülern weiter vom Pestalozzimodell, im Rahmen dessen der EBV die Familien anhielt, junge Arbeiter beispielsweise aus Nordhessen aufzunehmen. Siedlungshäuserreihen wurden eigens dafür konzipiert. „Der Bergbau hat ja im Unterschied zu anderen Industrien die Notwendigkeit, Arbeitskräfte zum Arbeitsort schaffen zu müssen, der Bergbau kann sich nicht beliebig dort ansiedeln, wo viele Arbeitskräfte zur Verfügung stehen“, hob Brigitte Richter hervor. Das tägliche Leben eines Bergmanns interessierte die jungen Leute als nächstes. „Wir hatten die Früh, die Mittags- und die Nachtschicht, von sechs bis 14, von 14 bis 22 und von 22 bis sechs Uhr“, schilderte Fritz Ebbert.

Eine starke Gemeinschaft

Es handelte sich in der Tat ausschließlich um Bergmänner, für Frauen wäre die Arbeit damals nicht möglich gewesen, stimmten die Zeitzeugen gegenseitig zu. Den Abbauhammer über Stunden über Kopf zu schwingen, und zwar in einem Streb bei rund 40 Grad Hitze, wo auf 250 Metern Länge 70 bis 80 Leute arbeiteten, da wären Frauen undenkbar gewesen. Untereinander, so schilderte Macko, war die Kameradschaft top, denn unter Tage waren die Männer aufeinander angewiesen. Auch als Gastarbeiter aus anderen Ländern dazustießen, gab es zwar neue Erfahrungen, an die sich alle gewöhnen mussten. So ließen die muslimischen Arbeiter in der Dusche ihre Unterbekleidung an, während die Spanier insbesondere sprachliche Verständigungsprobleme hatten. Trotzdem war allen klar, dass man nur gemeinsam etwas erreichen und voneinander abhängig war. Zum Thema Frauen im Bergbau schloss Dieter Macko ab: „Mit der heutigen Technik wäre es problemlos möglich, Frauen zu beschäftigen.“

Die Arbeitskleidung kam als nächstes ins Gespräch. „Anfangs nutzen die Bergmänner die abgetragene Straßenkleidung. Doch als synthetische Stoffe in Mode kamen, war es aus damit, denn Synthetik neigt zu elektrostatischer Aufladung und damit Funkengefahr.“ Bei dem unter Tage vorhandenen entzündlichen Methangas extrem gefährlich! Brigitte Richter berichtete von alten Bildern, die die Bergleute bei 90 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit mit Helm, Gürtel und Turnhose bekleidet zeigen, also ohne Hemd. „Das war üblich und manchmal gar nicht anders erträglich“, ergänzte Macko.

Es waren bereits viele Fragen besprochen, als die Schüler zu dem Punkt kamen: „Würden Sie sich heute wieder für Ihren Beruf entscheiden?“ Ihre Gesprächspartner nahmen die Frage jeweils persönlich auf. So bekräftigte Rudolf Bast, dass er sich immer wieder für den Lehrerberuf entscheiden würde. Dieter Macko würde aus heutiger Sicht erst einmal eine weiterführende Schule besuchen, was ihm damals nicht möglich war. Erwin Dreschers betonte, dass er es wieder so machen würde wie seinerzeit, auf der Suche nach dem schwarzen Gold.

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