Schüler befassen sich mit Diskriminierung

Von: js
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Schüler der Gustav-Heinemann-Gesamtschule „demonstrieren“ gegen Rassismus und Antisemitismus. Die Demo auf dem Schulhof ist teil eines Projekts, an dem sie gearbeitet haben. Foto: Johannes Schaffeldt
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Janina Löbbert (hinten) und Kim Kopetzki schneiden Interviews, die sie in der Alsdorfer Innenstadt mit Passanten geführt haben.

Alsdorf. Hoch konzentriert sitzen Kim Kopetzki und Janina Löbbert vor dem Computer und schneiden Szene für Szene ihre Interviews aus der Alsdorfer Innenstadt. Auch der Rest ihrer Gruppe schaut ab und an von der eigenen Arbeit auf. Auf der Leinwand sind gerade drei von ihnen zu sehen, an der Seite ragt das Mikrofon ins Bild.

Dann ein Rauschen im Ton, ein Versprecher oder ein merkwürdiger Gesichtsausdruck und alle müssen lachen. In das Bearbeitungsprogramm für ihren Film haben sich die Schülerinnen schnell eingefunden und setzen mit wenigen Klicks routiniert die Szenen zusammen und entfernen Verunglücktes. „Irgendwann werd ich noch Youtube-Star“ lacht eine. Sie alle arbeiten das erste Mal an einem eigenen Film.

Dreißig Schüler beteiligt

Dreißig Schüler aus den zehnten Klassen der Gustav-Heinemann-Gesamtschule haben sich vor den Herbstferien mit Geschichte und Gegenwart von Antisemitismus, Rassismus und anderen Diskriminierungsformen auseinandergesetzt und erstellen nun in drei Kleingruppen eigene Filme zum Thema. Lehrerin Sibel Yilanci erzählt, dass das Verarbeiten eigener Ideen im Film einen bleibenden Eindruck bei den Schülern hinterlasse.

Sie ist begeistert: Manchmal müsse sie sich stoppen, um nicht zu viele ihrer eigenen Ideen einzubringen. Stattdessen will sie ja das Feld ganz den Schülern überlassen. Aus den Schülern werden Multiplikatoren und Experten zum Thema Diskriminierung. Im Unterricht werden die entstandenen Filme weiter behandelt und die Teilnehmenden können ihr Wissen an ihre Mitschüler weitergeben. So hat die ganze Schule etwas davon.

Eine Szene im Klassenzimmer. Zwei Schüler unterhalten sich während des Unterrichts über das Wochenende und ziehen über eine Mitschülerin her, bewerfen sie schließlich mit Papierbällen. Sie wehrt sich lautstark und wird vom Lehrer der Klasse verwiesen.

Ortswechsel in die Pausenhalle. Vor der Schülerin bauen sich die beiden anderen Schüler auf, greifen nach ihrem Smartphone und nehmen es ihr weg. Szenen, die so auch im Alltag jeder Schule passieren können. Beim Anschauen dieser Szenen stellen sich neue Fragen. „Woher kommt Mobbing?“ oder „Helfen Strafen gegen Mobbing?“ Sorge haben die Schüler zudem, dass die Lehrer vom Mobbing in der Schule nichts mitbekommen.

Maßnahmen bei Mobbing

Hier schaltet sich Schulleiter Martin May in die Diskussion ein. Was die Schüler meinten, wie das Schulpersonal am Besten davon erfahre? „Wenn wir es mitteilen“ – May nimmt die Schüler mit in die Pflicht. Eine direkte und sehr erfolgreiche Sanktionsmaßnahme wäre der sogenannte Trainingsraum. So kämen nur fünf Prozent in ihrer Schullaufbahn erneut her. In der Regel bekämen Nicht-Betroffene danach von dem Verfahren nichts mehr mit, aber es gehe weiter mit Gesprächen mit den Beteiligten und auch den Eltern.

Die Schule habe allerdings nur noch wenig Einfluss auf das, was sich außerhalb der Schule, vor allem in den Sozialen Medien abspiele. May bestärkt seine Schüler darin, sich zu engagieren und auch selbst gegen jede Art von Diskriminierung einzutreten.

Nicht umsonst ist die GHG eine „Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage.“ Sie hält ihre Schüler zu couragiertem Handeln an und setzt sich, so Sibel Yilanci, stark gegen Diskriminierung ein. Nicht zuletzt deswegen sei der Verein Bildungs-Bausteine schon im vergangenen Jahr an die Schule herangetreten. Yilanci ist ein wenig stolz darauf, eine von drei Schulen in Nordrhein-Westfalen zu sein, die mit dem Verein kooperieren. Das Projekt „Verknüpfungen. Antisemitismus in der pluralen Gesellschaft“ ist zunächst auf fünf Jahre angelegt.

In ihm werden verschiedene antisemitismus- und rassismuskritische Konzepte, Methoden und Materialien mit den Schulen erprobt und entwickelt. Hierbei sollen Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Antisemitismus, Rassismus und anderen menschenverachtenden Einstellungen und ihre zahlreichen Verknüpfungen in Geschichte und Gegenwart aufgespürt und aufgezeigt werden.

Aus der Gegenwart jüdischen Lebens in Alsdorf ist nicht viel zu erfahren. „Voll krass, warum wissen wir nichts über die jüdische Geschichte in Alsdorf?“ In der Stadt treffen die Schüler nur noch auf Spuren davon. Mit Kamera und Mikrofon sind sie losgezogen, diese aufzuspüren.

Vor allem sind es die Stolpersteine und der Gedenkstein am Luisenplatz, die sie finden. Vielen Alsdorfern fällt zum Thema Juden in Alsdorf höchsten Nationalsozialismus und Deportation ein. „Lass uns zu einer Demo aufrufen gegen das Vergessen!“, meint einer. So stehen dann viele Schüler des Projekttages mit selbstgestalteten Schildern auf dem Schulhof und protestieren lautstark gegen Rassismus und Antisemitismus.

Natürlich wird auch das mitgeschnitten und in einen der Filme aufgenommen. Couragiertes Handeln kann auch das Demonstrieren sein.

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