Nordkreis - Schneemassen sorgen für Kostenlawine

Schneemassen sorgen für Kostenlawine

Von: Stefan Schaum
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Das Tauwetter bringt es an den Tag: Viele Straßen im Nordkreis sind durch Schnee und Eis zu Buckelpisten geworden. Foto: Stefan Schaum

Nordkreis. Verschnaufpause? Das Wort wird auf Bauhöfen und bei Technischen Diensten im Nordkreis trotz Tauwetters niemand in den Mund nehmen. Zwar sind vielerorts von den Schneebergen der vergangenen Wochen nur weiße Fleckchen übrig geblieben, doch zu tun bleibt reichlich.

Jetzt gilt es nämlich, rasch die Straßen zu flicken, Salzlager zu füllen und sich vor allem zu fragen: Was tun, wenn der Winter noch einmal solche Schneemassen bringt?

Landwirte sind gefragt

Die Frage ist berechtigt. „Wir waren in unseren Breitengraden einfach nicht optimal auf diese Verhältnisse eingestellt. Solche Schneefälle hatten wir doch seit 40 Jahren nicht mehr”, sagt in Würselen der Erste Beigeordnete Werner Birmanns. Auch dort kamen die Räumfahrzeuge kaum nach oder in mancher Straße schlicht nicht mehr durch. „Wir werden jetzt rasch Pläne entwickeln, wie wir die Sache künftig anpacken können.” Den städtischen Fuhrpark zu erweitern, strebt er dabei nicht an. „Der Steuerzahler hat ja nichts davon, wenn da teure Fahrzeuge stehen und vielleicht ungebraucht verrotten.”

Stattdessen schweben ihm Kooperationen mit Landwirten vor, die mit ihren Traktorschaufeln helfen sollen, den Schnee zu bezwingen. Die Streuvorräte seien in Würselen zum Glück nicht zur Neige gegangen. Zwar landeten bis zum 3. Januar 191 Tonnen Streusalz und 65 Tonnen Lavaasche auf den Straßen, doch genügend Nachschub sei bereits eingetroffen.

Anders in Herzogenrath, das von der Salzknappheit kalt erwischt worden ist. „Wir hatten unsere Silos zu Beginn des Winters randvoll”, erinnert sich Ulrich Rieble, Bereichsleiter im Bauhof. 200 Tonnen später sind sie nahezu leer und Nachschub ist nicht wirklich in Sicht. „Vor zwei Tagen gab es noch mal eine Lkw-Ladung, aber das ist viel weniger als wir brauchen”. Dafür aber viel teurer. „Normalerweise zahle ich für die Tonne Streusalz netto 48 Euro. Derzeit wird auch mal bis zum Fünf- oder Sechsfachen verlangt.” Er zahlt. Weil er muss. „Das wird wohl ein richtig teurer Winter”, sagt er. Er erwägt deshalb, die Zahl der Silos an der Eygelshovener Straße aufzustocken um unabhängiger von Marktpreisen zu sein - von derzeit vier auf möglicherweise acht Silos. „Streusalz verdirbt ja nicht, das kann man gut einlagern.”

In Alsdorf hat man „zwar richtig Glück mit dem Salzhändler, der rasch und zum Festpreis nachliefert”, wie Walter Buttgereit, Kaufmännischer Leiter des Eigenbetriebs Technische Dienste, sagt. Doch die Kosten türmen sich auch dort. Denn neben Schnee schieben die 30 Mitarbeiter im Winterdienst auch gut 1250 Überstunden vor sich her. „Abfeiern” können sie die - wie auch in den übrigen Nordkreiskommunen mit ähnlich hohen Zahlen - nicht. Sonst würden Mitarbeiter womöglich im Sommer fehlen. Also werden alle Überstunden ausbezahlt. „Dieser Winter ist schon erschreckend”, sagt Buttgereit aus Sicht eines Herrn der Zahlen. Auch das Flicken der Schlaglöcher („Die Straßenschäden sind diesmal erheblich”) schlage kräftig zu Buche.

Auch Pfunde schmelzen

Stefan Ziegler nimmt die Sache mit dem Löcherstopfen immerhin sportlich. „Den Weihnachtsbraten habe ich längst wieder abtrainiert.” Seit der Schnee schmilzt, hat der Mitarbeiter des Alsdorfer Eigenbetriebs wohl an die 30 Schlaglöcher mit Kaltasphalt verfüllt. „Den haben wir jetzt immer an Bord. Wenn wir unterwegs während der normalen Arbeit ein Loch sehen, halten wir an und verfüllen es.” Gut zehn Minuten braucht es pro Füllung, haltbar ist sie - „wenn nicht ständig Lkw drüber brettern” - einige Monate lang.

Gullydeckel freiklopfen

Schweißtreibend waren auch folgende Arbeiten, die allein in Baesweiler 20 Mitarbeiter des Bauhofes beschäftigt haben: „Wir mussten etliche Gullydeckel vom Eis befreien, damit das Tauwasser rasch abfließen kann”, sagt der Erste Beigeordnete in Baesweiler, Peter Strauch. Das befürchtete Hochwasser ist dort ausgeblieben, auch in Alsdorf und Herzogenrath meldeten die Einsatzkräfte der Feuerwehr am Freitag eine insgesamt entspannte Lage. In Würselen musste die Wehr ausrücken. Am Donnerstagnachmittag wurde ein Kellerlager eines Küchenhandels am Aachener Kreuz leergepumpt. Um 23.30 Uhr wurden die Helfer in der Nacht zum Freitag an die Ravelsberger Straße gerufen. Dort waren mehrere Garagen überflutet worden.

Sporthallen in Roda wieder geöffnet

Entwarnung meldet Herzogenrath, was die Turnhallen betrifft. Vor dem Jahreswechsel waren angesichts der Schneelast auf den Dächern die Hallen des Schulzentrums und der Gesamtschule sowie die an der Casinostraße gesperrt worden.

Nach Tauwetter und erneuter Prüfung können Sportler dort nun wieder loslegen, heißt es seitens der Verwaltung.

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