Schließung der OT Herzogenrath-Mitte unbedingt verhindern

Von: Beatrix Oprée
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Finden es bei Angelika Ostlender und Ernst Varnhorn in der OT „super“: (v.l.) Dennis Thelen, Sascha Joel Avemann, Kyra van den Dommhoff und Kimberly Kickartz. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. Die Unruhe war bereits groß, als die Pfarre St. Gertrud wegen eines wachsenden und daher nicht mehr tragbaren strukturellen Finanzdefizits ihren Vertrag mit der Stadt Herzogenrath zum Betrieb der Offenen Tür (OT) kündigte. Mitte April war das, mit Wirkung zum 31. Dezember.

„Die Zuschüsse aus kommunalen und Kirchensteuermitteln sind seit geraumer Zeit für den Betrieb der OT nicht mehr auskömmlich“, hieß es in dem Kündigungsschreiben.

Was wird aus der offenen Jugendarbeit im Stadtteil Mitte?, fragten sich daraufhin nicht nur die rund 100 aufgeschreckten Kids, die den Treff an der Schütz-von-Rode-Straße zurzeit täglich besuchen. Insgesamt erreicht die OT rund 400 Kinder und Jugendliche.

Jetzt gibt es neue Irritationen: Denn die Stadt Herzogenrath plant nun ihrerseits, ergänzend den Vertrag für die Kleine offene Tür (KOT) „4You“ in der Pfarre St. Josef Straß zum 31. Dezember zu kündigen.

Die Zielrichtung: ein neues Konzept für einen in Folge gemeinsam zu betrachtenden Sozialraum Herzogenrath-Mitte/Straß. Formal macht dies Sinn, denn beide Pfarren gehören dem Kirchengemeindeverband (KGV) Herzogenrath/Merkstein an, der offiziell in beiden Fällen auch Vertragspartner der Stadt ist. Und auch bei anderen Planungen, etwa in Sachen Kita oder Schule werde Straß zum Stadtteil Mitte hinzugerechnet, wie Andreas Heine, Fachbereichsleiter Jugend und Bildung, erläutert.

Mit Kündigung nicht gerechnet

Mit diesem städtischen Vorstoß allerdings hatten die Verantwortlichen in Straß nicht gerechnet. „Wir waren schockiert, als die Stadt uns das jetzt mitgeteilt hat“, sagt Bernhard Ruhl, Beauftragter für die KOT „4You“ in St. Josef. „Eine Chance, unsere Jugendarbeit neu aufzustellen, hätten wir gerne gehabt.“

Einvernehmlich hatte sich das Straßer Pastoralteam zu Beginn des Jahres von der bisherigen KOT-Leiterin getrennt, diese trat dann früher als erwartet eine neue Stelle an. „Wir wollten nicht mehr nur Kinder, sondern auch wieder Jugendliche ansprechen“, sagt Ruhl. „Das war zuletzt nicht mehr gelungen, ist für uns aber sehr wichtig.“ So wurde die Stelle neu ausgeschrieben, allerdings auf 62 Prozent reduziert und zunächst bis 31. Dezember 2015 befristet. Dann hätte sich, wie jedes Jahr seit Vertragsabschluss im Oktober 2010, die Kooperation mit der Stadt automatisch um ein Jahr verlängern sollen. Hätte ...

Doch nun möchte die Stadt die Vorzeichen neu setzen. Zum Hintergrund: Im September 2014 hatte der Jugendhilfeausschuss der Pfarre St. Gertrud noch eine Erhöhung der Zuschüsse für ihre OT gewährt, um jeweils 2000 Euro für die Jahre 2014 und 2015. Möglich war dies damals trotz Haushaltssicherungskonzept noch durch Einsparungen an anderer Stelle im freiwilligen Aufgabenbereich.

„Jetzt gibt es hier aber keinerlei Spielraum mehr, nicht mal zehn Euro könnten wir drauflegen“, sagt Andreas Heine. Bekanntlich hatte St. Gertrud jetzt aber noch auf eine zusätzliche städtische Zuschusserhöhung gehofft, und das Bistum machte diese zur Voraussetzung für eine weitere Mittelaufstockung seinerseits. Ein Dilemma.

Die städtische Zuschusserhöhung für St. Gertrud vom September 2014 war an die Auflagen gekoppelt, dass die St. Gertrud ihren Trägeranteil um 5000 Euro erhöht, ebenso das Bistum um mindestens 2000 Euro. Zudem müsse der Träger bereit sein, eine Leistungsvereinbarung zur Gestaltung der inhaltlichen Arbeit auf der Grundlage des Kinder- und Jugendförderplanes zu unterzeichnen. Und natürlich Überlegungen anstellen, „wie durch Ausgabenreduzierung und Einnahmeoptimierung die Kosten in Zukunft gesenkt werden können“.

Darüber hinaus hatte der Jugendhilfeausschuss schon seinerzeit die Verwaltung beauftragt, das Angebot der Offenen Jugendarbeit im Stadtteil Herzogenrath-Mitte (damals noch ohne Straß) auszuschreiben und über die Trägerschaft für ein solches Angebot zum 1. Januar 2016 neu zu entscheiden. Dazu sollte der am 30. März 2007 geschlossene und seither jährlich verlängerte Vertrag mit St. Gertrud vorsorglich gekündigt werden.

Von Letzterem hatte die Verwaltung bislang aber abgesehen, unter anderem da sich die pädagogischen Mitarbeiter der OT St. Gertrud „konstruktiv und aktiv an dem aktuellen Prozess zur Erstellung des neuen Kinder- und Jugendförderplanes“ beteiligt hätten, wie es in der Vorlage für den Jugendhilfeausschuss am Dienstag heißt.

Eindeutig stellt die Verwaltung auch fest: „Sowohl die Vertreter des Fachbereichs kirchliche Jugendarbeit im Bistum Aachen als auch die Verwaltung haben eine Reflektion des Angebots der offenen Kinder- und Jugendarbeit in Trägerschaft der katholischen Kirche auf den Gesamtbereich des KGV beziehungsweise den Sozialraum Herzogenrath-Mitte einschließlich Straß empfohlen.“

Schon im März verdeutlicht

„Diese Linie wollen wir nun weiterverfolgen“, sagt auch Bernd Krott, Bereichsleiter Jugend. Und so war es den Verantwortlichen beider Pfarren sowie des Bistums und des KGV bei einem Sondierungsgespräch Mitte März auch schon verdeutlicht worden.

Klar ist für die Verwaltung: Im Stadtteil Mitte besteht nach wie vor der Bedarf an Offener Jugendarbeit, eine kurzfristige Schließung der OT soll „unbedingt verhindert“ werden.

Die beiden Vertreter des Jugendamtes betonen: Mit den bisher zur Verfügung stehenden Mitteln von 204.000 Euro – so die Gesamthöhe der Zuschüsse von Stadt, Land und Bistum für beide Pfarren ohne deren Eigenanteil – „müsste es möglich sein, ein zufriedenstellendes Konzept für beide Pfarren zu entwickeln“.

Noch keine Einigung

Doch ein gemeinsamer Sozialraum bedingt auch eine Kooperation der beiden Pfarren. Aber hier ist es auch nach einem weiteren internen Gespräch noch nicht zu einer Einigung gekommen ...

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