Schallschutzwälle für die L223 sind fest eingeplant

Von: mabie
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An der Ecke Schmiedstraße/Jüderstraße, wo sich beim ehemaligen Restaurant „Vier Jahreszeiten“ der Verkehr über eine Kreuzung quetscht, soll bald Ruhe herrschen: Denn die neue Trasse verläuft nördlich von diesem Knotenpunkt über die noch grüne Wiese. Foto: Markus Bienwald
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Sogar von draußen schauten noch Interessierte zu: Proppenvoll war es bei der Vorstellung der Planungen für den neuen Abschnitt der L 223 in Niederbardenberg.

Herzogenrath. Wie lange es dauern kann, bis eine Wunschstraße endlich gebaut wird, zeigt nicht nur der Blick auf die Ortsumgehung Setterich. Dort dauerte es 23 Jahre seit den ersten Planungen bis zum symbolischen Spatenstich.

„Wir kämpfen seit Ende der 1990er Jahre für den Neubau der L 223“, berichtete Alfred Lange, Sprecher der Bürgerinitiative in Niederbardenberg zum Neubau der Landstraße am Freitagabend bei einer Bürgerversammlung.

Andrang im Sportlerheim

Proppenvoll war es im kleinen Sportlerheim vom FC Accordia Niederbardenberg, selbst an den großen Fensterscheiben drückten sich Interessierte beim Blick auf die Pläne noch die Nasen platt. Und mindestens so voll wie der Raum, waren die kleinen Büchlein, die sich manche Besucher des Abends mitgebracht haben. Darin standen nicht nur Fragen, wie sich beispielsweise der Trassenverlauf darstellen wird.

Darin fanden sich auch Forderungen manch aktueller Landeigentümer, die sich gleich nach möglichen Grundstückspreisen oder Entschädigungen erkundigten. Dass es dafür zu früh war, und dass die von der Initiative geplante Veranstaltung dafür die falsche Plattform war, wurde schnell deutlich. Klar war aber, dass nach der Wartezeit seit der Offenlegung der Planungen die nach langem Hin und Her und mit einem Entscheid des Verwaltungsgerichts Aachen nun erlangte Rechtskraft nicht mehr rückgängig gemacht wird.

„Es geht jetzt in die Umsetzung“, sagte Bürgermeister Christoph von den Driesch bei der Vorstellung des vom Landesbetrieb Straßen.NRW betriebenen Projekts.

Einsprüche sind im jetzigen Stadium nicht mehr möglich, dabei hatten die Einwände von zwei Anliegern Anfang der 2000er-Jahre für die Verzögerung des Neubaus gesorgt. Überdeutlich war zu spüren, dass sich die Anlieger der viel befahrenen Straße, über die im Schnitt zwischen 15.000 und 18.000 Pkw, Lkw und Krafträdern täglich rollen, sich auf den Neubau freuen. Künftig, erklärte der Bürgermeister, könnte sich durch den anstehenden Ausbau beim Glasproduzenten Saint Gobain der Frachtverkehr auf dieser Verkehrsader noch verstärken.

Lärm, Abgase und Dreck

In verschiedenen Wortbeiträgen wurde deutlich, dass die Belastungen durch Lärm, Schnellfahrer, aber auch die Parksituationen an einer der Hauptstrecken von und nach Herzogenrath echte Probleme schaffen. „Bei mir darf niemand parken, und der Paketdienst will am liebsten die Sachen aus dem Fenster werfen“, sagte eine Anwohnerin. Andere klagten über den Lärm, Abgase und Dreck, ganz abgesehen von den Gefahren von immer wieder zu schnellen Verkehrsteilnehmern.

Abhilfe soll die vier Kilometer lange Neubautrasse schaffen, die noch auf dem Würselener Stadtgebiet beginnt, und bis zum Anschluss an das Schulzentrum in Herzogenrath reicht. Sie führt nicht in gerader Linie nach Herzogenrath-Mitte, sondern nimmt wie die jetzige Streckenführung eine leicht geschwungene Linienführung. In Bereichen ohne Wohnbebauung in direkter Nachbarschaft liegt sie dabei auf dem Niveau der bestehenden Trasse, an anderen Stellen mäandert sie links oder rechts der aktuellen Linie ohne Erhöhungen oder Taleinschnitte.

Neu sind drei Kreisverkehrsplätze, die bestehende Ampelanlagen wie am früheren Restaurant „Vier Jahreszeiten“, dem Anschluss nach Bardenberg oder am Schulzentrum für mehr Verkehrsfluss sorgen sollen. Neu ist auch das Tempo: 70 Stundenkilometer sollen außerhalb der Kreuzungsbereiche erlaubt sein. Und neu ist ebenfalls der nach Norm berechnete Schallschutz: 59 Dezibel über Tag und 49 Dezibel nachts sind im Mittel erlaubt, Ausreißer sind einkalkuliert.

Dennoch sollen die Menschen in den Siedlungsbereichen mit bis zu zwei Meter hohen Schallschutzwällen vor zu viel Verkehrslärm geschützt werden. Dabei sorgten die vom Gesetz vorgeschriebenen Ausgleichsmaßnahmen für Naturbelange mit Baumpflanzungen oder Wiesen für Unmut bei den jetzigen Grundinhabern.

„Das Stück für die Straße verkaufe ich ihnen gerne, das Stück für die Wiese aber nicht, das ist doch schade ums Ackerland“, meinte eine Besucherin. Dass diese Punkte nicht mehr diskutabel sind, sondern die Planungen so kommen, wie sie schon 2011 fertig geplant waren, ließ sie dabei außer Acht.

Das Gros der Besucher zeigte sich zufrieden mit den Planungen, auch wenn noch unklar zu sein scheint, ob es auch in Zukunft eine Hundewiese im überplanten Gebiet geben wird. Baubeginn ist frühestens zum Jahreswechsel 2017/18, zuvor muss kalkuliert, die Baukosten gesichert werden und der politische Wille stimmen.

Um den machte sich Bürgermeister Christoph von den Driesch keine Sorgen: „Das ist politisch unstrittig“. Dies würde auch einer Umsetzung der 2011 mit Baukosten von etwa 7,6 Millionen Euro kalkulierten Strecke in die Karten spielen, setze das Land doch erfahrungsgemäß lieber Wunschstrecken um, wie von den Driesch ergänzte.

Die höchste Priorität

Doch die Finanzierung ist trotz der Einstufung in die höchste Kategorie seitens des Landes NRW noch nicht gesichert. Ob sich diese Priorisierung noch ändert, hängt auch von den Entscheidungen der künftigen Landesregierung ab, die im Mai gewählt wird.

Dass die Strecke, die aktuell nach Angaben bei der Versammlung am Freitag wohl mit unter zehn Millionen Euro umgesetzt werden kann, aber ein Segen für die Anwohner ist, war bei den meisten unstrittig. Und dass die Bürgerinitiative in Niederbardenberg damit auch eine Ausnahme darstellt, dürfte auch klar sein. „Denn es gibt viele Initiativen gegen Straßen, aber nur ganz wenige Initiativen für Straßen“, schloss Bürgermeister von den Driesch.

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