Schachteam stürmt in die Bundesliga

Von: mabie
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Herzogenrath. Still ist es im Pfarrsaal der Marienkirche. Und das, obwohl sich hier etwas mehr als eine Handvoll junger Männer tummelt. Hochkonzentriert ist die Schachjugend des SV Herzogenrath hier zugange, und Ruhe von daher Pflicht.

Dabei könnten es die jungen Herren ruhig krachen lassen, schließlich haben sie nach zwei langen Jahren etwas Herausragendes geschafft: den Aufstieg in die Jugend-Bundesliga. „Wir sind als Favorit in die Saison gestartet“, sagt ein selbstbewusster Nils Henrotte, Nummer zwei der Mannschaft und Jugendwart des Schachverbands Aachen. Nach einer „guten Saison ohne Patzer“ stand am Ende schließlich der Erfolg mit dem erfüllten Wunsch des Aufstiegs.

Sein Gegenüber Erik Schreyer freut sich, dass er im Jugendbereich seine beste Saison spielen konnte. „Wir hatten immer recht eindeutige Siege“, unterstreicht er, der am ersten Brett spielt und damit als Bester der Star des Teams sein könnte. „Aber wir hatten auch den großen Vorteil, dass wir eine sehr ausgeglichene Mannschaft haben, wir sind durchgehend gut aufgestellt“, schiebt Schreyer nach.

Teamgeist ist wohl eines der Geheimnisse des Erfolgs dieser Schachmannschaft, die mit den weiteren Spielern (nach der Reihenfolge am Brett) Ermal Hoti, Milan Jerinic, Fabian Horbach, Alexander Radler, Marc Horbach und Dennis Ledwon den anderen Mannschaften in der NRW-Liga keine Chance ließ. „Wenn sich die Leute untereinander verstehen, dann bilden auch acht Individualisten ein Team“, findet Jugendwart Oliver Schreyer.

Schreyer ist seit zwölf Jahren im Amt, bislang ist dies der höchste Erfolg eines Teams des in der Größe relativ überschaubaren SV Herzogenrath. „Das Verhältnis von Vereinsgröße zu Erfolg muss man schon suchen“, lächelt er. Gleichzeitig weiß er aber auch darum, wie viel Trainingsarbeit, Geduld, Abstimmung und freiwilligen Einsatz so eine Leistung fordert. Denn ohne Menschen wie ihn, die beispielsweise fünfstündige Autotouren hin und zurück ins Münsterland unternehmen, wäre Schachsport auf diesem Level auch nicht möglich.

„Teilweise sind wir länger gefahren als wir gespielt haben“, bringt Nils Henrotte lächelnd die Qualität des Teams auf den Punkt. „Dabei war ich schon manchmal enttäuscht von der Qualität unserer Gegner“, schiebt er noch nach. Ermal Hoti findet schließlich, dass die Mannschaft – trotz der knappen Aufstellung mit nur zwei Ersatzspielern – hervorragende Leistungen gezeigt habe.

Die auch körperlichen Anstrengungen solcher Turniereinsätze werden von den Jungs indes gut und locker weggesteckt. Im Pfarrsaal, der den Schachcracks als Trainingsraum dient, gibt es nicht nur genügend Raum für Bretter und Spielpläne. Auch die Verpflegung ist bestens, damit die Hirne der jungen Schachsportler immer bestens versorgt sind. „Nach einer Turnierpartie, die bis zu sechs Stunden dauern kann, hat man genauso viel Substanzverlust wie nach körperlichem Sport“, weiß Oliver Schreyer aus Erfahrung. Auch deshalb sind die meisten Spitzenschachsportler gut durchtrainiert. „Unter den Topleuten gibt es keinen, der nicht auch ein guter Sportler ist“, betont Schreyer.

Dass die Herzogenrather Schachspieler körperlich fit sind, ist die eine Sache. Und genügend Konzentration und mentale Stärke, um sich mit schachtypischen Vorgehensweisen wie dem Spielen mehrerer Züge im Kopf zu widmen, haben sie ohnehin. „Es spielt sich alles im Kopf ab“, sagt Schreyer.

Wer einmal Mäuschen spielen darf beim Training im Pfarrsaal, bekommt schnell einen Eindruck davon. Während Oliver Schreyer ruhig und gelassen mit den jüngeren Spielern Taktiken und Spielzüge immer wieder durchgeht, damit diese lernen, wie Schach letztlich funktioniert, sind die älteren dabei, alles flott umzusetzen.

Die mittlerweile elektronischen Uhren für die den Spielern nur begrenzt zur Verfügung stehende Bedenkzeit klicken bei jedem Druck aufs Knöpfchen leise. Und die Züge, wenn sie einmal in den Köpfen der Spieler mit allen möglichen Reaktionen des Gegners durchgespielt sind, werden dann extrem schnell ausgeführt.

So kommt es oft vor, dass zu Beginn einer Partie auf die Eröffnung eine von längeren Denkpausen begleitete Phase folgt, die gegen Ende wieder eine für den Laien wenig nachvollziehbare Eile nach sich ziehen kann. „Das geschieht aber ganz bewusst, schließlich muss sich ein Schachspieler immer darüber im Klaren sein, was sein Zug für den Spielverlauf bedeutet“, ergänzt Schreyer.

Nicht wenige Spieler sind daher auch begnadete Mathematiker. Schließlich geht es mehr oder weniger darum, den Gegner und seine Antworten zu berechnen, bevor man selbst etwas macht. Anspruchsvoll ist es also, das „Spiel der Könige“, vielleicht ist auch das ein Grund, warum auch erfolgreichen Vereine wie der SV Herzogenrath etwas der Nachwuchs fehlt. „Jeder, der gerne Schach spielt, ist hier gut aufgehoben“, ergänzt der Jugendwart.

Während das Saisonziel erreicht ist und auch die offizielle Gratulation von Herzogenraths Bürgermeister Christoph von den Driesch schon vor dem letzten Meisterschaftsspiel einging, bleibt noch offen, wie es mit der Mannschaft weitergeht. „Das Saisonziel ist jedenfalls erreicht“, lässt Nils Henrotte wissen.

Und so genießen die jungen Männer die erlösenden Momente nach dem Ende der Partie und freuen sich schon auf den nächsten Zug.

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