Herzogenrath - „Save me!“: Paten-Projekt für Flüchtlinge

„Save me!“: Paten-Projekt für Flüchtlinge

Von: Beatrix Oprée
Letzte Aktualisierung:
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Hoffnung auf eine sichere Zukunft: Herzogenrath will helfen, Flüchtlingen das Leben zu erleichtern.

Herzogenrath. „Täglich fliehen 5000 Menschen aus Syrien. Wenn Deutschland jetzt ein Kontingent von 5000 Flüchtlingen unbürokratisch aufnimmt, entspricht das gerade einmal einem solchen Tag …“ Beate Kuhn, Projektkoordinatorin bei den Falken, gerät ins Grübeln, wenn sie an Zahlen und Fakten alleine rund um den Bürgerkrieg in Syrien denkt.

Und an die vielen anderen Krisenherde in der Welt. „Man muss handeln“, sagt sie. Und da man den Krieg nicht einfach abschalten kann, wenigstens ein gutes Klima in den Ländern schaffen, in denen die Vertriebenen Zuflucht finden können.

Alles das steckt hinter der Bürgeranregung zur Teilnahme am Projekt „Save me – Herzogenrath sagt Ja zur Aufnahme von Flüchtlingen“, die die Merksteiner Falken bereits vor fast zwei Jahren gestellt hatten und die im Dezember 2011 im Stadtrat positiv beschieden wurde. Es geht um die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen, die aus humanitären Gründen in Deutschland bleiben sollen.

Berichte über Praxiserfahrungen

Auch der Integrationsrat wurde für die Umsetzung gewonnen. Aufgrund der sich zuspitzenden Ereignisse in Syrien hat „Save-me“ eine besondere Bedeutung erlangt. Das Programm ist gekoppelt an das ehrenamtliche Engagement von Paten aus der Bevölkerung. Was damit alles verbunden ist, darüber informiert eine Veranstaltung, zu der Bürgermeister Christoph von den Driesch am Mittwoch, 18. September, 18 Uhr, ins FrauenKomm.Gleis1 im Eurodebahnhof, Bahnhofstraße 15, einlädt.

Ingeborg Heck-Böckler, „einer der wichtigen Köpfe der Save-me-Kampagne in Aachen“, wie Beate Kuhn erläutert, wird zunächst von Aktionen und Erfahrungen berichten und dabei aufzeigen, wie jeder einzelne einen Beitrag zu einer gelungenen Willkommenskultur leisten könne. Im Anschluss stehen Heck-Böckler, Kuhn, Vertreter der Stadtverwaltung und Paten aus Aachen den Interessenten für weitere Fragen zur Verfügung.

„Es hilft sehr, wenn eine Bevölkerung signalisiert, dass Flüchtlinge willkommen sind. Das ist unser Kernanliegen“, sagt Beate Kuhn. Pate zu sein, so verdeutlicht sie, sei immer mit dem verbunden, was der Einzelne geben könne oder zu geben bereit sei. „Viele wollen wissen, ob es finanzielle Konsequenzen gibt“, sagt Kuhn. Das sei natürlich nicht der Fall, betont sie. Vielmehr gehe es um die Alltagsbewältigung kriegsgebeutelter Menschen in einem für sie fremden Land.

Beate Kuhn appelliert: „Jeder kann helfen. Jeder kann einbringen, was er möchte. Es werden keine Paten gesucht, die alles können müssen!“ Und: Keinesfalls muss man sich über einen bestimmten Zeitraum hinweg verpflichten. Pate bei „Save me“ zu sein, sei weder mit Finanzen oder einem bestimmten Zeitkontingent verbunden.

„Realistisch rechnet die Stadt Herzogenrath mit nicht mehr als zwei Familien nach diesem Programm“, erläutert Birgit Froese-Kindermann, Erste Beigeordnete und Sozialdezernentin, auf Anfrage. „Die Erwachsenen stehen sofort dem Arbeitsmarkt zur Verfügung und müssen umgehend alle Schritte durchlaufen, die für eine Integration der jeweiligen Familie oder Einzelperson nötig sind.“

Patensysteme seien für die Arbeit mit Flüchtlingen immer sinnvoll, „in diesem Fall, wo schnelle Hilfe zur Eingliederung schon nach dem Programmziel erwünscht ist, jedoch unabdingbar“.

Die Infoveranstaltung soll dafür werben, dass sich Paten mit vielen unterschiedlichen Talenten für die Arbeit mit den Ankömmlingen interessieren. Froese-Kindermann: „Benötigt werden Unterstützung bei Behördengängen, Erklärungen des Schulsystems, Kennenlernen der Umgebung, des Ärztesystems, der Lebensmittelangebote, des ÖPNV und der Kultur.“

Auch indirekte Patenschaften könnten übernommen werden mit dem Angebot, besondere Anliegen in die Politik weiterzutragen oder an Vereine und Organisationen. Froese-Kindermann erläutert: „So kann zum Beispiel jemand mit Verbindung zu Wohnungsgesellschaften die Bemühungen unterstützen, für die Ankömmlinge eine Unterkunft auf dem freien Wohnungsmarkt zu finden, indem dafür geworben wird.“

Die Beigeordnete verweist zudem auf die guten Erfahrungen in der Stadt mit Patensystemen: „Herzogenrath hat bereits selbst erfolgreich das Patensystem EFaS aufgebaut für Arbeit in Familien mit Jugendlichen und Kindern sowie Seniorinnen und Senioren. Dieses und andere Beispiele, etwa aus Nachbarstädten, können auf die Arbeit mit neu aus fremden Ländern ankommenden Flüchtlingen übertragen werden. Derzeit arbeitet auch die Evangelische Flüchtlingshilfe unterstützend mit.“

Birgit Froese-Kindermann betont zudem: „Herzogenrath wollte damals wie heute signalisieren, dass unsere Stadt bereit ist für die Aufnahme von Flüchtlingen, also auch für Fremdenfreundlichkeit, geeignete Aufnahmebedingungen und vorurteilsfreies Entgegenkommen steht. Da ist unsere Veranstaltung ein Baustein im Konzept.“ Das Land stehe keiner Flüchtlingsflut gegenüber, sondern gemäß Aufnahmekriterien Menschen, „die hier integriert werden sollen, um später gegebenenfalls in ihrem Heimatland wieder Aufbauarbeit leisten zu können“.

Infos auch auf der Homepage

Wer die Veranstaltung am 18. September im FrauenKomm nicht besuchen kann, aber Interesse an Mithilfe hat, kann sich bei der Stadt Herzogenrath oder bei den Organisationen, die sich zur Mitarbeit bereit erklären, melden. Auf der städtischen Homepage werden die Infos eingestellt.

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