Nordkreis - Sarrazin hält an Thesen fest, die Genossen am Parteibuch

Sarrazin hält an Thesen fest, die Genossen am Parteibuch

Von: Holger Bubel
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Umstrittene Thesen: Die Genoss
Umstrittene Thesen: Die Genossen im Nordkreis können sich mit den Äußerungen von Thilo Sarrazin (SPD), der nicht aus der Partei ausgeschlossen wurde, nicht anfreunden. Foto: Maja Hitij/dapd

Nordkreis. Ein wenig scheinen sich die Wogen um den „Genossen auf Bewährung”, Thilo Sarrazin, gelegt zu haben. Die SPD-Führungsriege verzichtete auf ein Parteiausschlussverfahren bei gleichzeitigem Besserungsgelöbnis des „Angeklagten”, der mit seinen fragwürdigen Thesen zu Bildung, Migration oder gar Genetik für helle Aufregung bei Parteien, Verbänden und Bürgern gesorgt hatte.

Parteiaustritte hat es bundesweit bis in die kleinsten Ortsvereine gegeben. Auch im Nordkreis? Wir fragten nach bei den vier SPD-Stadtverbandsvorsitzenden.

Hans-Peter Thelen, Vorsitzender des SPD-Stadtverbands Alsdorf: „Es hat keine Parteiaustritte gegeben. Die Entscheidung der Parteispitze, Thilo Sarrazin nicht auszuschließen, ist gefallen und ist damit von uns akzeptiert. Eine Parteiaustrittsdiskussion werden wir vor diesem Hintergrund nicht weiter führen. Wir in Alsdorf betrachten eher die pragmatische Seite, reden nicht über die Thesen Sarrazins, sondern überlegen, wie wir Integration vor Ort vorantreiben können, und zwar von beiden Seiten aus, von uns aus und von den Mitbürgern mit Migrationshintergrund.”

Dr. Karl Josef Strank vom SPD-Ortsverein in der Stadt Baesweiler weiß die umstrittenen Thesen Sarrazins auch als Biologe einzuschätzen: „Sarrazin hat da in die Klamottenkiste der Vorurteile gegriffen, die dazu noch absoluter Blödsinn sind. Seine Äußerungen kann ich als SPD-Mitglied und als Wissenschaftler nicht gut heißen. Sarrazin glaubt, er wäre noch SPD, ist es aber schon lange nicht mehr. Seinem Bekenntnis muss man jetzt Glauben schenken. Solidarität gehört schließlich zur sozialdemokratischen Denkweise. So kann ich auch den Verzicht von Frau Nahles und Herrn Gabriel auf einen Parteiausschluss einstufen. Aber ich glaube nicht, dass damit das Ganze ausgestanden ist. Parteiaustritte hatten wir aber glücklicherweise keine bei uns in Baesweiler.”

Robert Savelsberg vom Stadtverband Herzogenrath geht ebenfalls hart ins Gericht mit dem Verfechter provokanter Thesen: „Herr Sarrazin ist ja schon früher mit seinen Äußerungen auffällig geworden. Ich denke da an seine Einschätzung zu den Hartz IV-Sätzen. Aber ein Parteiausschluss ist Sache der Gremien und nicht der Ortsvereine. Auch wenn sehr kontrovers darüber diskutiert wird. Was mich persönlich aber richtig aufregt ist, dass Herr Sarrazin sich seine Meinung auch noch vergolden lässt. Wenn er das Geld aus dem Buchverkauf und der Auftritte wenigstens sozialen Zwecken zukommen lassen würde, aber davon ist mir nichts bekannt. Von Austritten aus der Partei wegen Sarrazin in Herzogenrath ist mir aber nichts bekannt.”

„Heftiger Unmut”

Diskutiert wurde auch in Würselen, wie Stadtverbandsvorsitzender Robert Dumke bestätigt: „Wir sind nach wie vor mit Sarrazins Äußerungen nicht glücklich. Bei manchem Mitglied herrscht heftiger Unmut, auch wenn es deswegen keine Austritte aus der Partei gegeben hat. In einer demokratischen Partei muss man aber auch damit umgehen können, wenn einem eine Meinung - wie die Sarrazins - nicht gefällt. Ein Parteiaustrittsverfahren wäre ein juristisches Verfahren gewesen, vielleicht ja der leichtere Weg. Aber der leichte Weg ist nicht zwangsläufig der bessere. Bei uns ist Sarrazin besser aufgehoben, als wenn er mit Leuten, die seine Meinung immer teilen, eine rechtsgerichtete Partei gründet. Denn in anderen politischen Lagern gibt es Menschen, die durchaus Gefallen an seinen Thesen haben”, sagt der Würselener SPD-Chef.
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