Saniye Kol ist Wegweiserin für Migranten

Von: Stefan Schaum
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Saniye Kol will es Besuchern im Haus Setterich leicht machen, zu ihr zu kommen. Foto: Schaum

Baesweiler. Zwei Dinge hat Saniye Kol ziemlich schnell festgestellt. Dort, wo sie arbeitet, wird sie gebraucht. Und schon deshalb macht ihr die Aufgabe viel Spaß. Dass das so sein würde, war zu Beginn der Integrationsagentur im Haus Setterich nicht unbedingt absehbar.

„Ich wusste ja nicht einmal, ob die Menschen überhaupt zu mir kommen wollen“, sagt die türkischstämmige Sozialarbeiterin. Sie tun es. Und sie bietet sich ihnen gerne als Wegweiserin an. In Setterich ist die Integrationsagentur im April gestartet. Das Land Nordrhein-Westfalen fördert solche Einrichtungen in Kooperation mit freien Trägern seit 2007. An der Emil-Mayrisch-Straße ist das Deutsche Rote Kreuz der Kooperationspartner, in dessen Stadtteilbüro Saniye Kol genau am richtigen Platz sei. Sie ist sozusagen die Agentur in Person. Und mag der Titel „Integrationsagentur“ noch so sperrig und sehr deutsch sein – sie bringt das Ganze mit einer warmen, herzlichen Art schnell auf eine persönliche Ebene. „Bei mir laufen etliche Fäden zusammen und hier gibt es Ansprechpartner für ganz viele Dinge.“

Gibt es Probleme bei der Erziehung? Das Jugendamt der Städteregion Aachen ist mit einer Außensprechstunde im Haus Setterich vertreten, ebenso ein sozialpsychiatrischer Dienst. Geht es um die Weiterbildung? Auch dazu finden sich Kooperationspartner vor Ort. Kol: „Ich will Menschen mit Migrationshintergrund gar nicht so sehr beraten. Ich will ihnen lieber zeigen, wie und wo sie sich selbst Tipps holen können.“ Orientierung bieten in einem womöglich noch ungewohnten Lebensumfeld – darum geht es ihr. „Manchen Migranten sind die deutschen Strukturen auch nach Jahren in diesem Land noch fremd. Die haben teilweise Hemmungen, sich überhaupt aus einem bestimmten Umfeld herauszuwagen.“

Wenn die Menschen erst mal bei ihr anklopfen, haben sie den wichtigsten Teil des Wegs schon hinter sich. „Viele müssen erst eine Hemmschwelle überwinden, bevor sie Hilfe in Anspruch nehmen.“ Die sei in ihrem Fall zum Glück nicht ganz so hoch. „Dieses Haus wird ja von ganz vielen Menschen besucht. Und die können mich bei Bedarf immer ansprechen.“ Dass es vor allem Frauen sind, die das tun, freut sie. „Die fühlen sich hier offenbar gut aufgehoben und genießen die geschützte Atmosphäre, die das Haus ihnen bietet.“ Nicht selten resultiert aus Gesprächen dauerhaftes Engagement. Saniye Kol sagt den Besucherinnen gern, wie sie sich im Haus Setterich und andernorts kulturell engagieren können. „Es hat sich eine Gruppe gefunden, die gemeinsam Feste auf die Beine stellen will“. Auch ein guter Ansatz für Integration. Anderes ist schwieriger. „Altersvorsorge ist ein Thema, das bei Migranten kaum angekommen ist“, sagt Kol. Deshalb will sie einen Runden Tisch starten und mit Menschen aus der Nachbarschaft über das Älterwerden in Deutschland sprechen.

„Die fühlen sich angenommen“

Auch bürgerschaftliches Engagement möchte sie voranbringen. „Wer hier lebt, soll sich einbringen“, sagt sie. Sie ist zuversichtlich, dass sie manches bewegen kann. Die bisherigen Gespräche ermuntern sie da sehr. „Viele Menschen haben mir gesagt, wie froh sie darüber sind, dass es so eine Agentur jetzt hier gibt. Die fühlen sich dadurch hierzulande noch einmal ganz anders angenommen.“

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