Saint Gobain: Firma feiert Jubiläum, Gewerkschafter kämpfen

Von: Beatrix Oprée
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Verhandlungsposition in Sachen Entgelttarifvertrag bekräftigen: Vor dem Saint-Gobain-Werkstor wollen die Gewerkschafter stehen. Foto: Bienwald

Herzogenrath. „Wir wollen die Feierlichkeiten zum 350-jährigen Bestehen von Saint-Gobain nutzen, um für unsere Position zu werben und um den Arbeitgeber zu einem vernünftigen Angebot zu bewegen.“ So hätten Gewerkschafter der IGBCE am vergangenen Samstag beim Tag der offenen Tür für die Mitarbeiter vor dem Werk in Stolberg gestanden und Buttons an die Mitarbeiter verteilt.

Am Samstag wollen sie das im größten Saint-Gobain-Werk in der Region, in Herzogenrath, Glasstraße 1, „wiederholen und bekräftigen“. Es sollen zudem noch Aktionen in Köln-Porz am 19. September und in Mannheim am 26. September folgen, wie Jörg Erkens, IGBCE-Gewerkschaftssekretär, mitteilt.

Denn bei Saint-Gobain Glass Deutschland und Saint-Gobain Sekurit Deutschland wird zur Zeit der Entgelttarifvertrag verhandelt. Während der Konzern in Herzogenrath aus Anlass des runden Geburtstags zum ersten gemeinsamen Mitarbeiterfest einlädt, wollen die gewerkschaftlichen Vertrauensleute vor dem Werkstor ihrer Forderung nach einem „vernünftigen Tarifabschluss“ Nachdruck verleihen, wie Erkens betont. Für ihn ist klar: „Wer ordentlich feiert, muss auch ordentliche Löhne zahlen.“

Doch in bisher drei Verhandlungsrunden sei es noch zu keiner Einigung mit der Arbeitgeberseite gekommen.

Erkens legt die Situation aus Sicht der Gewerkschaft auf Nachfrage unserer Zeitung dar: „Die Unternehmen Saint-Gobain Glass Deutschland GmbH und Saint-Gobain Sekurit Deutschland GmbH sowie die Zweigniederlassung der Compagnie de Saint-Gobain Aachen haben einen gemeinsamen Haustarifvertrag, den die IGBCE für ihre Mitglieder mit dem Bundesverband der Arbeitgeber der Glasindustrie (BVAG) verhandelt.

Der letzte Entgelttarifvertrag hatte eine Laufzeit bis zum 31. Mai 2015 und wurde von uns fristgerecht gekündigt.“ Die Tarifkommission – bestehend aus ehrenamtlichen Mitgliedern aus den Betrieben und dem hauptamtlichen Verhandlungsführer Markus Kraft, Abteilung Tarifpolitik der IGBCE in Hannover –, so erläutert Erkens, habe für die laufende Tarifrunde folgende Forderung beschlossen: Erhöhung der Vergütungen und Ausbildungsvergütungen um fünf Prozent für zwölf Monate; Erhöhung der Vergütungen und Ausbildungsvergütungen um 3,5 Prozent für weitere sieben Monate; zudem eine Entlastung in Form von Freizeit für die Kollegen, die im Schichtsystem arbeiten.

Nach der dritten Verhandlungsrunde jedoch sehe das Angebot der Arbeitgeber wie folgt aus: Erhöhung der Vergütungen und Ausbildungsvergütungen um 2,1 Prozent für zwölf Monate ab 1. Juni 2015; Erhöhung der Vergütungen und Ausbildungsvergütungen um 1,0 Prozent für weitere zwölf Monate ab 1. Juni 2016. Und:

Wenn das operative Ergebnis der Saint-Gobain Glass Deutschland GmbH zum 31. Dezember 2015 kleiner als zehn Millionen Euro sei, sollen die Mitarbeiter der GmbH ihre Tariferhöhung für 2015 in Form von Stunden zu Lasten ihres Freizeitkontos an Saint-Gobain zurückgeben. Erkens: „Besonders die Differenzierung der Kollegen von Saint-Gobain Glass und die damit verbundene Tariferhöhung unter Rückzahlungsvorbehalt sind für uns als Gewerkschaft nicht verhandelbar – diesem Angebot haben wir eine klare Absage erteilt!“

Die nächste Tarifrunde sei für den 19. Oktober geplant.

2200 Mitarbeiter betroffen

Erkens: „Sollte es da nicht zum Abschluss kommen, werden wir Saint-Gobain bei der Eröffnung der neuen Verwaltung in Aachen auf der Krefelder Straße am 23. Oktober auf unsere Art gratulieren!“

Insgesamt sind rund 2200 Menschen von Saint-Gobain an den Standorten Herzogenrath, Aachen, Stolberg, Köln-Porz und Mannheim von den Verhandlungen betroffen. Schwerpunkt sei Herzogenrath mit rund 1000 und Stolberg mit rund 450 Mitarbeitern.

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