Sabine Verheyen: Wachsender Nationalismus eine Gefahr für Europa

Von: ehg
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Informativ:Der Geschichtskreis der Pfarre St. Sebastian Würselen hatte die Europaabgeordnete Sabine Verheyen zu Gast. Sie sprach über das Thema „Die Deutschen und ihre Nachbarn“. Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. „Europa – gestern und heute“ war ein Vortrag überschrieben, den Sabine Verheyen (CDU), die seit 2009 Mitglied des Europäischen Parlaments ist und zuvor zehn Jahre lang das Amt der Bürgermeisterin in der Stadt Aachen bekleidete, im Rahmen der Reihe „Die Deutschen und ihre Nachbarn“ engagiert im Pfarrheim hielt.

Die Europaabgeordnete war Gast der Heimatvereine Euchen und Würselen sowie des Geschichtskreises St. Sebastian, dessen Mitglied Monika Bergrath neben ihr über 40 interessierte Besucher begrüßte. Sie erinnerte dabei an zwei Jahrestage, die derzeit begangen werden: 60 Jahre Verträge von Rom und 25 Jahre Verträge von Maastricht. Als Schülerin habe sie die EU als Europäische Wirtschaftsgemeinschaft erlebt, während im Fernsehen die EWG-Quizshow gelaufen sei. Monika Bergrath war fest davon überzeugt, dass auch heute noch nicht nur einer – wie bei Hans-Joachim Kuhlenkampff –, sondern die Menschen aller Mitgliedsstaaten trotz aller Verschiedenheiten gewinnen können.

Für Sabine Verheyen war diese Erkenntnis eine Steilvorlage. Sie bedauerte, dass es die EWG-Sendung, eine Mischung aus Unterhaltung und Informationen über Europa, nicht mehr im Fernsehen gibt. Vielmehr monierte sie, dass in der Öffentlichkeit allzu oft die negativen Erscheinungen in den Mittelpunkt der Veröffentlichungen gestellt werden. Die EU übernehme eine Menge von Aufgaben, die die Einzelstaaten schon lange nicht mehr alleine bewältigen könnten. „Die EU ist der Garant für Sicherheit und Freiheit“, betonte die Abgeordnete. Die Gründerväter dieser Gemeinschaft, Robert Schuman (Frankreich), Alcide De Gasperi (Italien) und Konrad Adenauer (Deutschland), die sich in Kriegszeiten noch gegenseitig bekämpft und die furchtbaren Ereignisse miterlebt hatten, hätten eingesehen, dass nur gemeinsam die Vergangenheit überwunden werden konnte.

Aus eigener Anschauung heraus schilderte die Europäerin die Zustände im Dreiländereck mit Grenzkontrollen und Schmuggel. Heute seien Arbeitsplätze, Urlaubsreisen, Studienaustausche und eine einheitliche Währung über die Grenzen hinweg selbstverständliche Normalität. Um Verständnis warb sie bei der Lösung von manchen Problemen ob ihrer Komplexität. Die Entscheidungsfindungen gestalteten sich deshalb so schwierig, weil die Einzelinteressen der Mitgliedsstaaten Berücksichtigung finden müssten. Einerseits wirke die ganze Welt auf die Europäische Union ein, andererseits gebe es im Innenverhältnisse viele unterschiedliche Positionen. Den Austritt der Briten, den Brexit, verglich Verheyen mit einer Ehescheidung mit weitreichenden Konsequenzen. Dabei gehe es auch um langfristig eingegangene Verpflichtungen, die erst im Laufe einer Menschheitsgeneration abgewickelt werden könnten. Die Aachener Europa-Politikern sparte kein Thema aus und beleuchtete die Entwicklung der heute 28 Mitgliedsländer umfassenden Völkergemeinschaft auf dem Hintergrund ihrer gegensätzlichen, aber auch gemeinsamen Geschichte. Die derzeitige Situation mit einem wachsenden Nationalbewusstsein in den Mitgliedsstaaten bezeichnete sie als eine große Gefahr für Europa.

Gemäß dem Leitspruch „Klein in kleinen Dingen, aber groß in großen Dingen“ sollte von den Parlamenten die Union weiter entwickelt werden. Dass ständig an den Stellschrauben gedreht werden müsse, das belegten die schwierigen Vertragsabschlüsse in der Vergangenheit. Verheyen lieferte reichlich Stoff für eine lebhafte Diskussion bis hin zum Drama der Wiederwahl des polnischen Ratspräsidenten Donald Tusk.

Hubert Wickerath, der Leiter des Geschichtskreises, bedankte sich bei Sabine Verheyen für die interessanten Darlegungen rund um die EU und bei den Besuchern für das große Interesse an der Politik in Brüssel und Straßburg.

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