Sabine Bode liest aus ihrem Buch „Die Vergessene Generation“

Von: Christoph Hahn
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Regt zum Nachdenken an: Sabine Bode liest in Kohlscheid aus ihrem Werk „Die vergessene Generation – Kriegskinder brechen ihr Schweigen“ im Lukas-Gemeindezentrum Kohlscheid. Foto: Wolfgang Sevenich

Herzogenrath. Es ist kein leichtes Thema und keines, zu dem jeder Befragte sofort eine Meinung äußert. „Die vergessene Generation – Kriegskinder brechen ihr Schweigen“, so der Titel eines Buches von Sabine Bode. Die Autorin . Sabine Bode war jetzt in Kohlscheid im evangelischen Lukas-Gemeindezentrum an der Lutherstraße zu Gast. Dabei las sie aus ihrem 2004 im Verlag Klett-Cotta erschienenen Werk und diskutierte mit ihren Zuhörern darüber.

Viele ältere Männer und Frauen waren gekommen, Herzogenrather und andere Besucher, in deren Leben sich der Krieg in irgendeiner Form eingeschrieben hatte. Aber nicht nur sie saßen auf den Stühlen im Gemeindezentrum: Nicht gerade wenige Gesichter verrieten, dass hier eine(r) jüngeren Alters saß, der sich am Schweigen der Väter oder ihrer Verherrlichung des Vergangenen gerieben hatte.

Ein stilles Thema, eines, das ohne laute Töne auskommt, das aber den Nachgeborenen und Mitgliedern der Erlebnisgeneration gleichermaßen auf Nägeln brennt – und das Bezüge in die Gegenwart aufweist, wie Pfarrer Frank Ungerathen in seiner Begrüßungsansprache hervorhob: „Einige stöhnen über einige Million Flüchtlinge – nach dem Krieg hatten wir in Deutschland 12,5 Millionen“, betonte der Pastor und ließ dabei nicht außer Acht, was seine Sicht der Dinge maßgeblich beeinflusst hat: „Die Bücher von Sabine Bode haben mir dabei sehr geholfen.“

Sabine Bode selbst verknüpfte ebenfalls die in ihrem Buch zusammengefassten Erfahrungen mit der aktuellen politischen Entwicklungen: „Vielleicht ist die Flüchtlingskrise genau das, was uns gut tut – weil sie uns zu uns zum Abschied von reflexhaften Glaubenssätzen zwingt.“

Dieser Abschied vom Vertrauten führe bei Menschen aus der Kriegskinder-Generation zu (Über-)Reaktion bis hin zur Beteiligung an Pegida-Demonstrationen: „Veränderte Lebensbedingungen können sie extrem unter Stress setzen.“ Eindimensionales Denken ist jedoch nicht gerade die Sache der Verfasserin, und so zog sie in ihrem Vortrag nicht nur Verbindungslinien zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Gefragt sei auch das Feingefühl der Jüngeren den Älteren gegenüber: „Wenn man in der eigenen Familie das Leid nicht empfinden kann, dann stimmt etwas nicht.“ Trotzdem: Das Anfragen gehen die im langen Schweigen versiegelten Traumata aus der Zeit von Krieg, Flucht und Vertreibung nimmt die Journalistin nicht seine Berechtigung. Sie führt sie zusammen, nötigt jeder Seite Respekt vor der anderen ab – auch ein Beitrag zur Sicherung des Friedens in der Gesellschaft.

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