Rundgang: Bewegende Geschichten erhellen die Stadthistorie

Von: ehg
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Rundgang: Ausgangspunkt war die Kirche St. Sebastian. Das markante Bauwerk am Markt wird in der Düvelstadt auch gerne als „Würselener Dom“ bezeichnet. Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. Unter dem Titel „Bewegte Geschichte(n) – Schritt für Schritt zu mehr Gesundheit“ wird ab sofort in Würselen ein ebenso gesundheitsfördernder wie lehrreicher Rundweg angeboten. Mitglieder des Heimatvereins Würselen und Schüler des Fachseminars Altenpflege der Städteregion Aachen haben ihn gemeinsam erarbeitet.

Die Initiative ging vom Gesundheitsamt der Städteregion Aachen aus. Nach drei Rundwegen in Aachen-Ost ist es der vierte Rundweg, der erstellt wurde. Auf rund zwei Kilometern gibt es in Würselen sechs „Wendepunkte“, an denen der Spaziergänger zum einen etwas über die Geschichte seiner Heimatstadt lernen kann, aber auch ganz persönliche Geschichten erzählt werden.

Der erste Wendepunkt

Ursprünglich sollte der Rundweg am 1. Juli zum ersten Mal begangen werden, musste aber wegen der vorherrschenden Hitzeperiode abgesagt werden. Am wohl letzten hochsommerlichen Tag des Jahres 2015 erfolgte er jetzt bei Temperaturen um die 30 Grad. Die Leiterin des Fachseminars Altenpflege, Marion Pöppinghaus, freute es, dennoch rund 50 mit Strohhut und Sonnenschirm ausstaffierte Interessenten im Schatten des „Doms“, dem ersten Wendepunkt, begrüßen zu können, nicht zuletzt Vize-Bürgermeister Winfried Hahn und den Ex-Fußballprofi von Alemannia Aachen, Jupp Martinelli, dessen Sohn am Ravelsberg sesshaft geworden ist.

Überreicht wurde ihnen eine kleine Broschüre, in denen Mitglieder des Vereins ihr Wissen und ihre Erinnerungen an historische Stätten in der Innenstadt unter „Würselen – damals und heute“ zu Papier gebracht haben. Sie laden herzlich ein, sowohl den Körper als auch den Geist bei der Erkundung des weitgehend barrierefreien Rundgangs in Bewegung zu setzen.

Geschichten um das „Büdchen“

In seiner Erinnerung sei der „Dom“ früher düster und vom roten Schein des „ewigen Lichts“ geprägt gewesen, lenkt der Vorsitzende des Heimatvereins, Heinz Blankenheim, den Blick auf das gewaltige Gebäude, in dem er zur ersten heiligen Kommunion – auch „Kengerkommunion“ genannt – ging. Sein ältester heute noch existierender Teil ist der Turm, an dem im 18. Jahrhundert zunächst das dreiteilige Langschiff und Anfang des 20. Jahrhunderts – exakt vor 110 Jahren – das Querschiff angebaut wurde.

Vorbei geht es auf dem Markt an dem Haus, in dem einst der Bürgermeister „residierte“, zur „Alten Haltestelle“. Dieter Thiel erzählt seine kleine Geschichte um das „Büdchen“, in dem es neben Fahrkarten für den Schienenbus nach Aachen und Jülich auch Süßigkeiten und nicht zuletzt die „Bravo“ zu kaufen gab. Ebenfalls „Spuren“ hinterlassen hat die Eisdiele, wo der Eisverkäufer den Löffel ableckte, wenn er die Sorte wechselte. Das Schrankenwärterhäuschen und die Schranken leben auch nur noch in der Erinnerung fort.

Zum Spielen traf sich Heinz Blankenheim in seiner Jugendzeit im heutigen Stadtgarten, „der zu dieser Zeit noch überwiegend aus Feldern, Wiesen und Schutthalden bestand. Dass er dort seine erste Zigarette geraucht habe, gestand er offen. Der Jungenspielbrunnen von dem Aachener Bildhauer Bonifatius Stirnberg auf dem unteren Morlaixplatz ruft Fred Klöcker auf den Plan. Er durfte als echter Wöschelter mit neun Jahren zum ersten Mal als Pritschenjunge im Spiel „auftreten“.

Er lernte seine Frau beim Jungenspiel kennen, mit der er nun schon 33 Jahre verheiratet ist. Aber auch die ihn begleitenden Spaziergänger wussten ihre eigenen Geschichte um das Brauchtum in den sechs Quartieren in Alt-Würselen zu erzählen. Warum Wanderwart Martin Reuls sich nicht im Alten Rathaus an der Kaiserstraße 36 in Würselen, sondern in Aachen-Brand trauen ließ, darüber schenkt er reinen Wein ein. Das 1904 erbaute Verwaltungsgebäude wurde im April 1986 als Sitz der Verwaltung der Stadt Würselen durch das gegenüberliegende neue Rathaus am Morlaixplatz abgelöst.

Treffpunkt Lindenplatz

Schließlich erreichen die Spaziergänger den Lindenplatz. Obwohl in Scherberg geboren, traf sich Fred Klöcker dort mit seinen Freunden. Das wundert nicht, zumal er von 1969 bis 1976 von der D- bis zur A-Jugend bei Rhenania das Tor hütete. Die Bedeutung des zentral gelegenen Platzes ergab sich damals wie heute eher durch die angrenzende Bebauung. Nicht zuletzt befinden sich dort Reste eines Gebäudes, das von 1856 bis 1925 einen jüdischen Betsaal und eine jüdische Schule beherbergte. Die denkmalgeschützten Mauern wurden beim Neubau eines Tagespflegehauses darin integriert. Das „Stadion“ der Rhenania wurde 1921 fertiggestellt und ist heute noch Spielstätte dieses Traditionsvereins.

Infos und Termine

Weitere Informationen zum Rundgang „Würselen – damals und heute“ gibt es beim Fachseminar für Altenpflege der Stadtregion Aachen, Mauerfeldchen 29, in Würselen (Telefon 0241/51980 und beim Heimatverein Würselen. Termine für geführte Rundgänge sind dem jeweiligen Programm des Heimatvereins zu entnehmen.

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