Ruhestand nach 44 Lehrkraft-Jahren: Das Schulmuseum wird weiter gepflegt

Von: Yannick Longerich
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Die Arbeit als Pädagogin ist ihr Lebenswerk: Auch wenn Hedwig Ahrens nach über 15 Jahren als Schulleiterin an der Grundschule Kohlscheid-Mitte in den Ruhestand geht – ihr Wirken wird nicht nur im von ihr geschaffenen „Schulmuseum“ in Erinnerung bleiben. Foto: Yannick Longerich

Herzogenrath. In 44 Jahren als Lehrkraft hat Hedwig Ahrens schon viel gesehen. Generationen von Schülern, unzählige Bildungsreformen seitens der Politik, ein stetig im Wandel befindliches Lehrmedium – von der Schiefertafel zum Smartboard. Nach 16 Jahren im Amt der Schulleiterin und insgesamt 31 Jahren als Lehrkraft an der Grundschule Kohlscheid-Mitte geht Hedwig Ahrens nun in den verdienten Ruhestand.

Ihren engen Bezug zum kleinen Dorf am Rande des Wurmtals erlangte Ahrens schon früh durch ihren Vater, ein gebürtiger Kohlscheider. 1973 fand sie nach erfolgreichem Studium ihre erste Anstellung in Kohlscheid-Mitte. Als sie 1994 für drei Jahre ans Kohlscheider Kämpchen und später für weitere fünf Jahre nach Bergrath wechselte, blieb der Bezug zur „alten Heimat“ immer frisch.

Zu dieser Zeit war der Schulleiterposten im Kohlscheider Zentrum lange Zeit vakant. Ein Problem für die Kohlscheider Verantwortlichen auf der einen Seite, ein buchstäblicher „Wink des Schicksal“ für Ahrens auf der anderen. Neben ihrer persönlichen Erfahrung spielte auch die räumliche Nähe zu ihrer eigenen Heimat in Aachen-Horbach eine gewichtige Rolle. Aus einem schwer lösbaren Problem wurde eine absolute Erfolgsstory für die Grundschule Kohlscheid-Mitte.

Ressource Lehrer am Limit

Sowohl als Lehrerin, als auch als Rektorin sei sie über die Jahre ruhiger und nachdenklicher geworden, sagt Ahrens. In Zeiten unruhiger Schulpolitik ermutigt sie ihre Kollegen unentwegt, auch einmal abseits des sogenannten „Mainstreams“ zu denken. „Alte Lehrmethoden sind in ihrer Grundform niemals als veraltet anzusehen. Vielmehr muss sich ein fortwährender und auf die einzelnen Bedürfnisse abgestimmter Modifizierungsprozess einstellen“, erläutert Ahrens.

Die Ressource Lehrer sei laut Ahrens am Limit. Aus der über Jahrzehnte gut funktionierenden Eltern-Lehrer-Koalition sei in den vergangenen Jahren ein „Kriegsschauplatz bizarrer Kleinkriege“ geworden – oftmals zu lasten der Schüler. Die „Autoritätsperson“ Lehrer müsse auch weiterhin bestand haben, damit Werte wie Ehrlichkeit und Zielstrebigkeit, aber auch Respekt in Kooperation mit dem Elternhaus vermittelt werden können. Als Gegner beispielsweise der „Neuen Medien“ sieht sich Ahrens keinesfalls.

Vielmehr würde Nachdenklichkeit auf diesem Gebiet vielfach sofort als Abscheu gedeutet. Eine fatale Fehlentwicklung, meint Ahrens. Sie selbst setzte sich vor Jahren intensiv für die Einrichtung eines Computer-Lernraums an ihrer Schule ein. Bezogen auf den ständig in den Medien präsenten Inklusionsgedanken ermutigt Ahrens ihre Kollegen, auch kritische Literatur zu beachten, um den eigenen Horizont zu erweitern.

Ihr „Vermächtnis“ hat die scheidende Rektorin buchstäblich auch materiell hinterlassen. Einst fing sie an, für ein Schuljubiläum antike Schulutensilien auf Flohmärkten und Entrümpelungen zu kaufen. Daraus entstand über die Jahre ihr selbstfinanziertes „Schulmuseum“, gespickt mit Bänken, Tafeln, Karten und Projektoren aus längst vergangenen Schulzeiten. Dieser für Schüler frei zugängliche Raum soll auch unabhängig von Ahrens Ruhestand weiter gepflegt und erweitert werden. Ganz nach dem Motto von Hedwig Ahrens: „Schule ist immer ein Ort, der Kinder verändert.“

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