Ruhestand für Günter Jansen: 53 Jahre im Dienst

Von: Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
11598111.jpg
Moderne Architektur vor der Burg Alsdorf: Günter Jansen, Geschäftsführer der GSG Grund- und Stadtentwicklung GmbH Alsdorf, hält das Modell des im Bau befindlichen Kultur- und Bildungszentrum in Händen. Ende Februar geht er in Ruhestand. Foto: Karl Stüber
11598153.jpg
Günter Jansen als junger Verwaltungsmitarbeiter um 1970: Eine Ähnlichkeit zu heute ist sicherlich nicht zu leugnen.

Alsdorf. Wer mit bald 67 in Ruhestand geht und fast 53 Jahre im öffentlichen Dienst gearbeitet hat, muss schon als zarter Jugendlicher ins Arbeitsleben eingetreten sein. Günter Jansen, scheidender Geschäftsführer der GSG Grund- und Stadtentwicklung GmbH Alsdorf, ist so ein Fall, bei dem heutzutage wahrscheinlich der Kinderschutzbund Alarm schlagen würde.

Jansen trat am 1. April 1963 bei der Alsdorfer Stadtverwaltung seine Ausbildung zum Verwaltungsangestellten an – als (noch) 13-Jähriger! Das hat ihm offenbar nicht geschadet. Der angehende Ruheständler ist quietschfidel und hat auch einiges zu sagen. In seinem langen Berufsleben hat er viel erlebt und bewegt. Er gilt manchen als „Mister Kubiz“, als wichtiger Wegbereiter des größten Bauprojekts der Stadt, das rund 40 Millionen Euro teure Kultur- und Bildungszentrum auf dem Annagelände, welches im Sommer von Gymnasium und Realschule bezogen wird und mit der später zur Verfügung stehenden ehemaligen Kraftzentrale die zentrale Begegnungsstätte Alsdorfs sein wird. Die GSG hat das Vorhaben zu stemmen.

Jansen gibt die Leitung der 45 Mitarbeiter zählenden GSG mit einem Jahresetat von rund zehn Millionen Euro an einen jüngeren ab: Kämmerer Michael Havers wird „nebenbei“ die kaufmännischen Geschicke der in der Alsdorfer Burg untergebrachten GSG leiten. Kathrin Koppe zeichnet weiterhin für den technischen Bereich der Gesellschaft verantwortlich.

Dabei sollte für Jansen eigentlich alles ganz anders kommen, der am 29. Januar in einer kleinen Feierstunde offiziell verabschiedet wird. „Klein-Jansen“ hatte bereits die Aufnahmeprüfung beim Institut für Werkzeug- und Maschinenbau an der RWTH Aachen bestanden, um sich in Metallbearbeitung ausbilden zu lassen. Die Eltern hatten andere Pläne für ihn geschmiedet. Schließlich fügte er sich und fing bei der Stadtverwaltung an. Zwei weitere Jungs aus Busch wurden ihm zu Weggefährten der beruflichen Laufbahn: Klaus Mingers und Walter Jordans, „Urgesteine“ der Verwaltung, die vor wenigen Monaten in Ruhestand gingen.

Nach Abschluss der Ausbildung trat Jansen seine erste „richtige Stelle“ im Liegenschaftsamt an. Noch gut kann er sich daran erinnern, dass er hier für „Aktuelles aus dem Wurmrevier“ neue Tierarten und -gehege im Tierpark vorstellen musste. Brehms Tierleben stand ihm bei der Formulierung des Beitrags Pate.

Nach Ableisten des 18 Monate währenden Grundwehrdienstes rückte Jansen ins Sozialamt ein. Dort wurde er mit einem Thema konfrontiert, das heute wieder topaktuell ist: Zuwanderung. Konkret ging es um Aussiedler und Spätaussiedler mit deutschen Wurzeln aus einem Staat des damaligen Ostblocks. Aufnahme und Lastenausgleich waren vorrangige Aufgaben. Eine Tätigkeit, die sich nicht auf reine Verwaltungsarbeit und Formularkrieg beschränkte, sondern auch menschlich seine Kollegen und ihn stark forderte. Eine weitere soziale Herausforderung folgte: die Aufnahme von Boat-People im Jahre 1979, „als Tausende Menschen vor dem kommunistischen Vietcong flohen“, erinnert sich Jansen. „Arbeit statt Sozialhilfe“ war ein weiteres wichtiges Projekt. Schließlich wurde Jansen stellvertretender Leiter des Sozialamtes.

1986 stand eine Veränderung an. Eigentlich wollte er den Arbeitgeber wechseln, ein Angebot aus dem Verteidigungsministerium lag vor. Jansen wollte mal was Neues machen. In einem Personalgespräch ließ er sich überzeugen, in der Alsdorfer Verwaltung zu bleiben. Er wechselte in die Kämmerei. Jansen hatte sich berufsbegleitend weiter qualifiziert, an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Aachen studiert und sein Kommunaldiplom erworben.

Seine Abschlussarbeit befasste sich mit Ordnungsrecht und trägt einen auf den ersten Blick lustigen Titel: „Zulässigkeit der Verbretterung von Schaufenstern während des Kölner Karnevalszugs“. Wie stark darf eine Kommune in die Belange von Bürgern eingreifen und wovon ist dies abhängig zu machen? Eine je nach Anlass immer wiederkehrende Entscheidung – mal abgesehen davon, dass die Verbretterung von (Verwaltungs-)Köpfen auch mal ein interessantes Thema einer Abschlussarbeit wäre...

Jetzt nahm Jansens Verwaltungskarriere richtig Fahrt auf. Ein halbes Jahr später wurde er stellvertretender Leiter der Kämmerei.

Ein Jahr später, 1988, traf der Kohlebeschluss Alsdorf. Das Ende des Bergbaus im Aachener Revier, das Ende 1992 vollzogen wurde, hatte ernorme Auswirkungen und eine vollständige Neuausrichtung der Finanzwirtschaft zur Folge.

Gemäß der Devise „Spare in der Zeit, dann hast du in Der Not“ startete Alsdorf mit der niedrigsten Pro-Kopf-Verschuldung in Nordrhein-Westfalen in die heißeste Phase des Strukturwandels, wie Jansen sagt. Neue Arbeitsplätze, Qualifizierung und Fortbildung waren angesagt. Die Schlote gingen aus, dafür rauchten die Köpfe.

Der Strukturwandel ist immer noch nicht abgeschlossen. Nicht zuletzt das Großprojekt Kultur- und Bildungszentrums ist hierfür Beleg, entsteht es doch auf dem ehemaligen Anna-Betriebsgelände.

Gerne denkt Jansen an die Zeit der Wende und die Aufbauhilfe Ost zurück. Als Vorhut machte er sich in einem Wohnmobil nach Hennigsdorf (Brandenburg) auf, um beim Aufbau einer effektiven Kommunalverwaltung zu helfen. Seit 1995 ist Hennigsdorf Städtepartner. „Da hat sich mit den Jahren eine sehr schöne Freundschaft entwickelt“, sagt er.

Froh ist Jansen darüber, dass sich Alsdorf Mitte der 1990er Jahre nicht auf Derivatenhandel einließ und mit kommunalem Geld „zockte“, um möglichst viel Zinsen einzufahren. So vorsichtig war manch andere Kommune leider nicht.

Mittlerweile zum Kämmerer befördert, durfte sich Jansen zur Jahrtausendwende Euro-Beauftragter nennen und mit seinem Team den Abschied von der guten alten Mark organisieren. Und mit dem seit 2005 immer konkreter werdenden Kubiz-Projekt, der mitunter heftigen Diskussion über Sanierung oder Neubau von Gymnasium und Realschule, der Auseinandersetzung über den richtigen Weg der Finanzierung, ist der Anschluss an die Gegenwart geschafft.

Macht Jansen als Berater weiter? Nein! Fast 53 Jahre hat er fremdbestimmt gearbeitet. Jetzt will er mit seiner Frau die Freiheit genießen, Kindern und Enkeln mehr Zeit widmen. In seinem Wohnort Baesweiler wartet ein 1600 Quadratmeter großes Grundstück nebst zwei Hunden auf seine Zuwendung. Immer in Bewegung sein, wird sein Motto bleiben.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert