Rotstift bedroht Präventionsarbeit

Von: Andrea Thomas
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Wichtiges Thema in fachkundiger Runde: Eva-Maria Voigt-Küppers (MdL) informierte über den Kinder- und Jugendförderplan. Foto: Andrea Thomas

Nordkreis. In Kinder, Jugendliche und ihre Bildung auch außerhalb der Schule zu investieren. Dass das nötig ist, ist in den Kommunen unstrittig. Allein: Es klemmt, wie so oft, am Geld. Hier unterstützt das Land NRW Jugendämter, Verbände, Initiativen und Einrichtungen vor Ort über den Kinder- und Jugendförderplan.

Der liegt nun ganz neu für die Jahre 2011 bis 2015 vor. Der Fachbereich Politische Bildung der VHS Nordkreis hatte dies aufgegriffen und die Landtagsabgeordnete Eva-Maria Voigt-Küppers (SPD) zum Informations- und Erfahrungsaustausch mit Vertretern aus Politik, Jugendämtern und Jugendeinrichtungen nach Alsdorf eingeladen.

Eva-Maria Voigt-Küppers skizzierte die Eckpunkte des Förderplans. Der sieht vor, dass 65 Prozent der Mittel in Projekte und 35 Prozent in institutionelle Förderung fließen sollen. Das sei insbesondere mit den Verbänden heftig diskutiert worden, so die SPD-Politikerin, die in ihrer Heimatstadt Würselen den Jugendhilfeausschuss leitet. Die hatten den hohen Bürokratieaufwand kritisiert. Andererseits soll dieser Ansatz verhindern, dass Geld für die Kinder- und Jugendförderung in den Etats der zumeist klammen Kommunen hängen bleibt.

Auch die anwesenden Vertreter der Jugendämter und Einrichtungen (überwiegend aus Alsdorf und Würselen) diktierten der Abgeordneten da noch Nachbesserungsvorschläge ins Notizbuch. So ist den Einrichtungen wichtig, dass ihre Basisfinanzierung gesichert ist, mit Projekten alleine sei ihre Arbeit nicht umsetzbar. Für die Kommunen mache es wegen hoher Bagatellgrenzen oft gar keinen Sinn, Projektmittel zu beantragen, so ein weiterer Einwand.

Besonderes Augenmerk richtet der neue Förderplan auf die Prävention, für die zusätzliche Mittel bereitgestellt werden. „Jeden Euro, den ich in die Vorbeugung stecke, brauche ich hinterher nicht für die Reparatur”, erklärte Expertin Eva-Maria Voigt-Küppers. Langfristig spare man damit Geld für Jugendhilfemaßnahmen wie eine teure Heimunterbringung, aber vor allem erspare man jungen Menschen negative Erfahrungen und Leid. Ein Punkt, an dem in der Runde Einstimmigkeit herrschte.

Knackpunkt ist: Präventionsarbeit fällt unter freiwillige Leistungen, weshalb hier in den Kommunen Gefahr durch den Rotstift droht. Für die Abgeordnete ein generelles Problem: „Die Unterscheidung in freiwillig und pflichtig ist überholt. Hier müssen wir über das Gesamtsystem nachdenken.” Ansätze dazu gebe es im NRW-Innenministerium, was die Anwesenden begrüßten.

„Wollen wir hoffen, dass der Innenminister da dranbleibt”, kommentierte Alsdorfs Jugenddezernent Stephan Spaltner.

Der Kinder- und Jugendförderplan ist ein zentrales Instrument der Jugendpolitik. Aus diesem Förderprogramm werden zum Beispiel Jugendzentren, die Arbeit der Jugendverbände und der kulturellen Jugendarbeit sowie Beratungsstellen, Jugendwerkstätten oder Projekte für schulmüde Jugendliche unterstützt. Daneben werden Projekte zu verschiedenen Schwerpunkten gefördert, wie internationale Austauschmaßnahmen oder Kultur- und Medienprojekte.

Erstmals waren im Vorfeld auch Jugendliche selbst im Rahmen von drei Regionalkonferenzen an der Entwicklung beteiligt. Bis zum Jahr 2015 sind jährlich 100 Millionen Euro für den Kinder- und Jugendförderplan eingeplant.
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