Rosa Schillings: Nazis unerschrocken die Stirn geboten

Von: ehg
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Eine Aktion wider das Vergessen und zur Erinnerung an ein Opfer des Nationalsozialismus: Gunter Demnig verlegte einen Stolperstein für Rosa Schillings vor dem Haus Kaiserstraße 9 In Würselen. Fotos (2): Wolfgang Sevenich Foto: Wolfgang Sevenich
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Der Stolperstein erinnert an Rosa Schillings (Bild), deren Enkelin Gabriele Lübke zudem eine Rosa niederlegte.

Würselen. Auf Initiative des Jüdisch-Christlichen Arbeitskreises hat der Kölner Künstler Gunter Demnig in Erinnerung an die am 2. Mai 1941 von Nazischergen im Konzentrationslager Hadamar (Limburg) ermordete Rosa Schillings vor dem Haus Kaiserstraße 9 einen „Stolperstein“ verlegt.

Den Lebens- und Leidensweg ihrer Großmutter, einer unbeugsamen Frau, die sich bis zuletzt gegen das Naziregime und die Behandlung in einer Heilanstalt auflehnte, schilderte in bewegten und bewegenden Worten Enkelin Gabriele Lübke (Schmallenberg).

Und legte an ihrem „Grabmal“ – Pfarrer Rainer Gattys sowie stellvertretender Bürgermeister Winfried Hahn und Erster und Technischer Beigeordneter Till von Hoegen nahmen teil – eine rote Rose nieder. Herzlich bedankte sich der Sprecher des Arbeitskreises, Rolf Rüland, bei allen, welche die Realisierung der denkwürdigen Aktion unterstützt haben.

Gebürtige Würselenerin

Rosa Schillings wurde am 18. März 1899 als Rosa Antonette Hubertine Droste in Würselen geboren. Ihr Vater war Kaufmann und besaß ein Geschäft an der Kaiserstraße 9. In diesem Haus lebte auch Rosa mit ihren drei Brüdern. Am 2. Februar 1925 heiratete sie Johann Josef (Jean) Schillings aus Bardenberg. Ihre Tochter Inge wurde 1925 und ihr Sohn Gregor 1926 geboren.

Ein Jahr später übernahm Rosas Ehemann die technische Leitung eines Bergwerks auf Borneo (damals: niederländische Kolonie). Da sie ihre kranke Mutter pflegte, blieb Rosa vorerst in Deutschland. Nachdem diese verstorben war, siedelte Rosa im Februar 1929 mit ihren Kindern nach Borneo über. Ehemann Jean hatte inzwischen ein Haus auf der Insel erworben und entsprechendes Personal eingestellt.

Rosas Leidensgeschichte begann, als es im Februar 1930 zu einem Aufstand der Arbeiter des Bergwerks kam und ihr Ehemann dabei erstochen wurde. Die Großmutter beerdigte den ermordeten Ehemann auf Borneo und kehrte mit ihren Kindern zurück nach Deutschland. Sie richtete für sich und ihre Kinder eine Wohnung in Würselen ein. Ihre an Malaria erkrankte Tochter Inge starb im November 1931 an dieser Krankheit.

In dieser Zeit begannen Rosas Depressionen. Es folgten in Abständen immer wieder Aufenthalte in verschiedenen Heilanstalten. Im März 1936 wurde sie in die Heilanstalt Galkhausen eingewiesen. Die Diagnose lautete „paranoide Schizophrenie“. Es erfolgte die Anordnung der Sterilisation. In den ersten Wochen in Galkhausen war Rosa, so die Enkelin, sehr ängstlich und zurückhaltend gewesen. Auf diese Zeit sei die Rebellion gefolgt. Insbesondere habe sie sich massiv gegen das Nazi-Regime geäußert.

Für sie sei Hitler ein „Schweinehund“ gewesen, der seine Leute mit „Kraft durch Freude“ eingefangen habe. Die kranke Großmutter sah sich als „Ausbeutungsobjekt“ und wollte deshalb nicht teilnehmen am täglichen Leben der Anstalt. Aus der von Gabriele Lübke analysierten Krankenakte wurde auch ein Teil ihres körperlichen Zustands ersichtlich. „Ihr Goldzahn wurde ihr herausgebrochen. Und sie hatte Striemen am ganzen Körper.“ Ihr Gesicht habe sie selbst als Fratze bezeichnet.

Die Eintragungen in die Krankenakte werden ab 1939 immer weniger. „Für die Ärzte und das Pflegepersonal war Rosa nur noch eine rebellische und aufsässige Patientin, deren Willen sie bis zuletzt nicht brechen konnten“, berichtete die Enkelin. Am 19. Januar 1941 äußerte die geschundene Frau gegenüber dem Arzt: „Ich habe die Ehrenrechte der ganzen Welt. Ich bin als Staatsanwältin angestellt, um selbst aufzuklären, warum ich gemordet worden bin. Ich bin ohne Sinnen gestorben.“

Fast 75 Jahre später wird Rosas Gesicht in Filmen von Vaniv Schwartz, einem israelischen Filmemacher, als Anklägerin für die grausamen Morde der „T4-Aktion“ verwendet (Bezeichnung für die systematische Ermordung von über 70.000 Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen in den 1940er Jahren). In ihnen wurde das Wirklichkeit, was Rosa Schillings gegenüber dem Arzt kund getan hatte. Am 2. Mai 1941 findet sich der letzte Eintrag in der Krankenakte: „Heute auf Anordnung des Herrn Reichsverteidigungskommissars in eine andere Anstalt verlegt.“

An diesem 2. Mai wurde sie nach Hadamar gebracht und noch am selben Tag ermordet. Sie starb den Tod in der Gaskammer. Da ihre Asche in alle Himmelsrichtungen verstreut worden ist, verstand die Enkelin den durch Gunther Demnig an einem tristen Sommermorgen verlegten Stolperstein als Grabmal für die ermordete tapfere Würselenerin. Die Enkelin verwies auf den sehenswerten Dokumentarfilm.

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