Römisches Flair bei Start der Via Belgica

Von: Stefan Schaum
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Schlechtes Wetter, aber schicke Garderobe: In voller Kampfmontur marschierte eine römische Kohorte zur Eröffnung auf. Foto: Stefan Schaum

Baesweiler. Mit viel gutem Willen konnte man den grauen Wolkenbergen auch eine heitere Note abgewinnen, wie Baesweilers Technischer Beigeordneter Peter Strauch bewies. „Dieses Regenwetter war seinerzeit schon der Grund, warum die Römer nicht gern in Germania stationiert waren“, sagte er bei der Eröffnung des Baesweiler Abschnitts der Via Belgica am Samstag.

Beim offiziellen Festakt an der neuen Mansio bot ein großes Zelt den Gästen zwar einigermaßen Schutz – doch der Kunst- und Handwerkermarkt wenige Meter weiter im Carl-Alexander-Park wurde zur gleichen Zeit beinahe weggespült.

Mögen die äußeren Bedingungen wenig einladend gewesen sein, gab es dennoch guten Grund zum Feiern. Denn mit Eröffnung der Mansio ist der Baesweiler Abschnitt der Via Belgica, der vorbei am Carl-Alexander-Park in Richtung Beggendorf und weiter nach Aldenhoven führt, offiziell verankert im „Erlebnisraum Römerstraße“, der in den kommenden Jahren noch an Bedeutung gewinnen soll.

An die Anfänge erinnerte Dr. Nora Andrikoupoulou vom Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege. „Vor fast zehn Jahren liefen hier erstmals Archäologen durch die Felder, um routinemäßig zu prüfen, ob die angedachte Erweiterung des Gewerbegebietes womöglich archäologische Relikte gefährdet.“ Überraschendes Ergebnis der Forschung vor Ort: Genau das tut sie! „Am Ende unserer Untersuchung stand fest, dass an dieser Stelle in römischer Zeit eine 850 Meter lange Siedlung an der Via Belgica von Köln nach Boulogne-sur-Mer bestanden hat.“ Geradezu „im Entdeckerrausch“ habe man sich damals befunden, „wir waren völlig elektrisiert, denn ein römisches Dorf finden wir auch nicht alle Tage.“ Zugleich habe sie sich ein wenig gefürchtet, wie sie schmunzelnd einräumte. „Denn wie überbringt man einer Stadt bloß die Nachricht, dass sie zwar ein römisches Dorf gewonnen, aber ein Gewerbegebiet verloren hat?“

Eine unbegründete Furcht, wie sich herausstellte. „Wir haben zwar ein paar für das Gewerbegebiet gedachte Hektar streichen müssen, aber wir haben rasch erkannt, dass man aus der Not eine Tugend machen kann und aus römischer Vergangenheit etwas Zukunftsweisenden“, sagte Peter Strauch. Und das Gewerbegebiet konnte – mit verlagerter Achse – letztlich ebenfalls wachsen.

Im Verbund hatten Baesweiler und Übach-Palenberg damals unter dem Titel „Archäologische Zone Baesweiler/Übach-Palenberg“ bei der Euregionale 2008 eingereicht. Das wurde sehr schnell größer und entwickelte eine Eigendynamik, die bis heute 19 Kommunen zum „Erlebnisraum Römerstraße“ zusammenbrachte. Eine von sieben „Mansiones“ steht nun zu Füßen der Baesweiler Bergehalde, kurz vor der Boschelner Ortseinfahrt. 200.000 Euro – zu 80 Prozent als EU-Projekt gefördert – hatte die Umgestaltung des Platzes gekostet, an dem Pkw-Stellplätze auch den Umstieg auf das Fahrrad ermöglichen sollen. „Vor allem mit dem Rad lässt sich die Route wunderbar erkunden“, sagte Bürgermeister Dr. Willi Linkens. Eine Beschilderung soll in den kommenden Monaten angebracht werden, sagte Nora Andrikoupoulou. „Die Kommunen können diesen Erlebnisraum sicher auch unter touristischen Aspekte sehr gut vermarkten.“

Die Eröffnung wurde von einer römischen Kohorte begleitet. Mitglieder des auf die Darstellung römischen Lebens spezialisierten Vereins „Cohors I Germanorum“ waren aus dem Raum Hannover abgereist. Ihre Zelte mussten sie früher als geplant abbrechen. Das auch für Sonntag geplante Römerlager musste wie der Kunsthandwerkermarkt aufgrund der Wetterprognose bereits am Samstagabend beendet werden.

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