„Rodarock“: Sogar aus Australien reisen die Fans an

Von: Markus Bienwald
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Nicht bloß auf der Bühne, auch mitten unter den Fans waren die Bands wie hier „Through Enemy Lines“ aktiv. Foto: Markus Bienwald
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Was Spaß beim Rodarock bedeutet, demonstrierten unterdessen David Schischke, Paul Daubenspeck, Jonas Mingers und Paul Schmitz (v.l.) sehr eindrucksvoll. Foto: Markus Bienwald
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Drei Köpfe, ohne die es Rodarock so nicht geben würde: (v.l.) André Gonstalla, Nadine Schwartz und Burkhard Koerver.

Nordkreis. Metal? Das ist doch die knallharte Musikrichtung mit Sängern, die für Otto Normalhörer eher schreiend denn musizierend daherkommen? Das stimmte natürlich auch bei der jüngsten Auflage des „Rodarock“ auf dem früheren Freibadgelände an der Bergerstraße mitten in Herzogenrath.

Aber Metaller sind auch Menschen, sehr nette sogar, die bei Veranstaltern immer wieder mit offenen Armen empfangen werden. „Das hier ist das friedlichste Festival“, sagt Burkhard Koerver, der gemeinsam mit seinem Kollegen André Gonstalla und Nadine Schwartz von der Stadtverwaltung Herzogenrath das Festival organisiert hat. „Da passiert nix“, bestätigt Nadine Schwartz. Und selbst wenn es einmal nach zu viel Körpereinsatz beim Tanzen Blessuren geben sollte, wird alles einvernehmlich geregelt. Das klingt familiär, freundlich und lädt dazu ein, sich mal mit den Leuten zu unterhalten, die so ein Festival besuchen.

Einzigartig in der Region

Paul Daubenspeck, Jonas Mingers, David Schischke und Paul Schmitz sind nur vier der rund 750 Gäste, die den ganzen Samstag über für Stimmung im Herzen von Roda sorgten. Wobei Paul und Jonas auch die andere Seite kennen, die auf der Bühne nämlich. „Wir sind hier auch schon zweimal mit unserer Band ‚Release Us‘ aufgetreten“, erzählt Daubenspeck. „In diesem Jahr sind wir nicht dabei, weil uns der Schlagzeuger fehlt“, ergänzt Jonas. Mit David und dem zweiten Paul der Gruppe, Paul Schmitz, die zwar nicht zur Band gehören, sich aber augenzwinkernd als „Fangirls“ bezeichnen, haben sie dennoch ihren Spaß beim wohl einzigen Ein-Tages-Metal-Festival, das in der Region geblieben ist.

„Es ist ein großes Treffen, viele nette Menschen sind hier“, weiß David Schischke zu berichten. Entsprechend entspannt, ja trotz der teils heftigen, schnellen und mit harten Gesangseinlagen befrachteten Musik entschleunigend wirkt der Tag bei den Metallern. Da wird ganz lässig in einem ähnlich einem Amphitheater angelegten Hügel zur Bühne hinunter abgehangen, wobei sich die stattlichen Besucherzahlen auf dem weitläufigen Gelände nicht bemerkbar machen. Da wird etwas oben auf dem Hügel gegessen, da wird getrunken und gelacht.

„Und bei den Bands hat es sich eingebürgert, dass alle zu Beginn ihres Auftrittes darum bitten, doch nach unten zur Bühne zu kommen“, sagt Paul Schmitz. „Wer das nicht macht, wird ausgebuht, ganz freundlich natürlich“, wirft Jonas Mingers hinterher.

Man kennt sich eben beim Rodarock, das macht es nicht nur der Security, sondern auch den ausschließlich freiwilligen Einsatzkräften vor Ort ganz leicht. „Ich hatte zwar schon Bedenken, weil der SuS oben auf dem Sportplatz zeitgleich seine Saisoneröffnung feiert“, erzählt Nadine Schwartz. Aber das sei alles kein Problem gewesen, die Rasensportler begrüßten sogar die musikalische Untermalung.

Und in Sachen Bands fuhr das Festival in Herzogenrath ganz groß auf. Headliner und absoluter Star des Tages dürften die „Deeznuts“ gewesen sein, die sogar aus dem fernen Australien nach Roda anreisten. Aber auch die weiteren Bands – „To the Rats and Wolves“, „Exist Immortal“, „I Scream for Icecream“, „The Oklahoma Kid“, „I.W.S.“, „Left the Suffering Behind“, „Devastor“, „Will of Ligeia“ und „We are Anchors“ – brachten nicht nur Bewegung in die Massen, sie sorgten auch dafür, dass die Fans mit ihrer Lieblingsmusik friedlich feiern konnten.

Und wer immer noch daran zweifelte, dass durchweg in Schwarz gekleidete Menschen hier dem Spaß an der Musik, und nicht irgendwelchen obskuren oder auch illegalen politischen Aktivitäten frönten, den durfte beispielsweise der Auftritt von „Through Enemy Lines“ überzeugt haben. „Ein Anti-Nazi-Song alleine ist nicht genug“, sagte beispielsweise deren Sänger Chris zwischen den Nummern, und kurz darauf stimmte das Quintett eine Ramones-Coverversion mit deutlich gegen Pegida-Gedanken gerichtetem Inhalt an. Und wenn auch der andernorts bemühte pädagogische Zeigefinger hier gerne mal der ausgestreckte Mittelfinger sein darf, aggressiv wurde niemand.

Das passte natürlich bestens ins Bild, dass diese Auflage von Rodarock eine Blaupause für künftige Wiederholungen sein wird. „Lärmschutzgutachten, Sicherheitsvorkehrungen und alle Leute, die mitmachen, alles das ist nun fest geregelt“, freut sich André Gonstalla. Und dass die ganzen Leute, die hier ehrenamtlich unterwegs sind, sei es von den Städtischen Jugendeinrichtungen, vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) und vom Technischen Hilfswerk (THW), immer wieder sofort „Ja“ sagen, wenn es darum geht, Rodarock an den Start zu bringen, ist für Nadine Schwartz auch ein mehr als gutes Zeichen.

Das einzige, was die Crew nicht planen kann, das Wetter, zeigte sich am Samstag dann auch noch von seiner allerbesten Seite. „Wenn die Leute Sonnencreme kaufen müssen, ist doch alles perfekt“, freute sich Nadine Schwartz.

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