Roda-Schule: Stolperstein gegen NS-Vernichtungspolitik

Von: js
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Erinnerung an die NS-Vernichtungsideologie: Der fünfzehnjährige Roda-Schüler Tobias hat sich gewünscht, bei der Verlegung des Stolpersteines zum Gedenken an Wilhelm Schwenderling helfen zu dürfen. Foto: Johannes Schaffeldt

Herzogenrath. Vom nationalsozialistischen Regime als „schwachsinnig“ pathologisiert, ihren Familien und der gewohnten Umgebung entrissen, gequält und ermordet. Tausende Kinder fielen der Vernichtungspolitik Nazi-Deutschlands zum Opfer und wurden von der Gesellschaft weitgehend vergessen. An das Schicksal des Herzogenrathers Wilhelm Schwenderling wurde jetzt mit einem Stolperstein erinnert.

Gerade acht Jahre alt wurde der aus einer Bergarbeiterfamilie stammende Wilhelm von seiner Familie getrennt. Nach einem Aufenthalt in einem Kinderheim in Mönchengladbach-Hardt wurde Wilhelm nach Österreich gebracht, wo er schließlich an einer Giftspritze sterben sollte.

Den Eltern wurde, wie üblich bei solchen Morden, mitgeteilt, er sei an Herzversagen verstorben. Dabei ist Wilhelm der Vorstellung zum Opfer gefallen, dass für Menschen wie ihn in der deutschen Gesellschaft kein Platz sei. In der faschistischen Gedankenwelt waren Menschen, die physisch oder psychisch nicht einer bestimmten Norm entsprachen, nicht mehr wert zu leben.

Recherchiert und aufbereitet

Mit dieser Vernichtungspolitik haben sich Schüler der Roda-Schule in einem langen Unterrichtsblock eingehend beschäftigt. Als Lehrer Michael Gibbels die Aktion der Stolpersteine im Rahmen dieser Beschäftigung mit dem NS-Regime erwähnte, erwuchs bei den Schülern der Wunsch Teil des Projektes zu werden. So wurde das fast vergessene Schicksal von Wilhelm Schwenderling recherchiert und aufbereitet.

Ein Teil dieser Geschichte wurde von der sechzehnjährigen Lea während der Veranstaltung verlesen. Am Rande der Veranstaltung erzählt sie, wie wichtig sie es finde sich mit dieser Zeit auseinanderzusetzen und dass die individuelle Geschichte sie sehr erfahrbar gemacht habe. Eindringlich wurde von Lehrer Gibbels zu Denken gegeben, dass Wilhelm heute wohl ein Mitschüler von ihnen sei.

Intensiv war der Tag auch für Wilhelm Schwenderlings namensgleichen Neffen. Für ihn wurde ein lange verdrängtes Stück eigener Familiengeschichte ans Licht gebracht.

Schweigen durchbrochen

Das Schweigen des Vaters, dessen Bruder Wilhelm war, konnte so durchbrochen werden. Wohin menschenverachtende Einstellungen führten, könne anhand des Schicksal seines Onkels wirksam aufgezeigt werden und als Mahnung für die Gegenwart dienen. Ähnlich argumentierten Herzogenraths Bürgermeister Christoph von den Driesch und Vertreter des Arbeitskreises „Wege des Vergessens“ mit Blick auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen, denen es entgegenzutreten gelte.

Der Arbeitskreis ist für die Stolpersteinverlegungen für die Herzogenrather Opfer des Nationalsozialismus verantwortlich. Der Stein für Wilhelm Schwenderling ist der vierundzwanzigste im Stadtgebiet. Die Schüler der Roda-Schule werden sich um diesen Stein weiter kümmern und haben eine Patenschaft für ihn übernommen.

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