Roda Kindertreff: Hier packen Mütter und Väter kräftig mit an

Von: Beatrix Oprée
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Eine muntere Truppe: Begonnen hatte alles in der Villa Schmetz an der Bicherouxstraße, heute hat der Roda Kindertreff viel Platz für kreative Arbeit am längst erweiterten Neubau an der Ritzerfelder Straße. 90 Kinder im Alter werden hier betreut, davon sind 26 unter drei Jahren. Foto: B. Oprée
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Schätzen das gute Miteinander zwischen Elternschaft und Fachpersonal: Vorstand Dr. Anjali Scholten und Kita-Leiter Boris Lenzen.

Herzogenrath. Er war die erste Kindergarten-Elterninitiative im kompletten damaligen Kreis Aachen: Drei Jahrzehnte später steht der Roda Kindertreff für eine Erfolgsgesichte, an der mit ungebrochenem Engagement weiter geschrieben wird. Im Gespräch mit unserer Zeitung schildern Dr. Anjali Scholten, zweite Vorsitzende des Trägervereins, und Boris Lenzen, pädagogischer Leiter der Einrichtung, wie alles begann und welche Maximen bis heute gelten.

Was war seinerzeit überhaupt der Grund für eine Elterninitiative?

Scholten: Der Mangel an Kita-Plätzen. Mütter, die arbeiten gehen wollten, waren darauf angewiesen. Aber der einzige andere Kindergarten im Umfeld, in der Pfarre Herz-Jesu, hatte damals solch einen Andrang, dass beim Auswahlverfahren ein Punktesystem angewandt wurde, unter anderem für die katholische Konfession, aber auch für aktive Mitarbeit in der Gemeinde. Das konnten viele Familien nicht nachweisen.

Heute wird das in kirchlichen Kindergärten aber nicht mehr so gehandhabt?

Lenzen: Jein. Die „richtige“ Konfession darf zwar kein Ausschlusskriterium mehr sein, spielt aber dennoch bei einigen Einrichtungen bei der Platzvergabe eine Rolle.

So haben sich also seinerzeit die Eltern zusammengetan?

Scholten: Ja, die Vereinsgründung am 7. November 1985 war ein ebenso wichtiger wie folgenreicher Schritt. Bis heute muss unter anderem jeder Vorstandswechsel notariell belegt werden. Dr. Manfred Fleckenstein, Dr. Reinhold Offermanns und Anne Viehöver bildeten den ersten Vorstand. Ende 1985 wurde das Erdgeschoss der Schmetz-Villa an der Bicherouxstraße angemietet. Die Renovierung übernahmen die ersten Familien des Vereins. Unter Leitung von Ulla Kieven, später erste Leiterin des Roda-Kindertreffs, ging im September 1986 die erste Gruppe an den Start, schon im folgenden Oktober öffnete die zweite.

Lenzen: In den Jahren 2000 bis 2004 gab es auch eine SiT-Gruppe, zur Betreuung von Schulkindern. 2001 wurde ein Nachbargrundstück der Firma Schmetz dazu gemietet, auf dem ein Container als weiterer Gruppenraum errichtet wurde. 2002 begann der Neubau, auf einem Grundstück an der Ritzerfelder Straße, das anteilig der Stadt Herzogenrath, der Sparkasse Aachen und dem EBV gehörte. Im März 2013 folgte ein Anbau für die fünfte Gruppe, die im selben Jahr im August eröffnet wurde.

Scholten: Zusätzlich haben wir eine Vereinbarung mit St. Gobain, zehn Plätze quasi als Betriebskindergarten anzubieten, die in der Regel auch besetzt sind. St. Gobain ist sehr zufrieden, hat sogar noch größeren Bedarf, den wir aber nicht erfüllen können. Auch wenn wir eine lange Warteliste haben und in der Regel über 40 Absagen im Jahr erteilen müssen – es gibt keine Möglichkeit mehr anzubauen. Als Kita sind wir aber auch groß genug. Der familiäre Charakter würde sonst verloren gehen.

Zwei Mitglieder der ersten Stunde sind bis heute auch lokalpolitisch tätig …

Scholten: Ja, Dr. Manfred Fleckenstein, der die Mitgliedsnummer 1 trägt, und Bruno Barth. Sie sind in den vergangenen drei Jahrzehnten immer aktive Mitglieder geblieben, weswegen sie bei der Feier zum 30. Geburtstag zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden. Beide sind wichtige Impulsgeber, was die Vereinsbelange angeht, sie bringen die meiste Erfahrung mit, vor allem in Bezug auf die Formalitäten. Wir sind froh, dass wir zwei so erfahrene Mitglieder in unseren Reihen haben, auf die man sich immer verlassen kann, die immer mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Für Eltern, die sich für einen von einer Initiative getragenen Kindergarten entscheiden, ist es gewöhnlich nicht damit getan, den Nachwuchs morgens an der Pforte abzugeben?

Scholten: Definitiv nicht. Ein Elternteil muss Mitglied im Verein werden, was über den Kindergartenbeitrag hinaus einen finanziellen Aufwand von 25 Euro im Jahr bedeutet. Landesweit gesehen ist das ein eher geringer Beitrag, wie ich auch bei der Regionalkonferenz der Elterninitiativen erfahren habe. Die Eltern verpflichten sich überdies, aktiv mitzuarbeiten.

Und was kommt da auf einen zu?

Scholten: Jedes Elternteil stiftet zehn Stunden Arbeit pro Halbjahr. Wer für sein Kind einen Antrag stellt, bekommt einen entsprechenden Fragebogen, auf dem die Tätigkeitsbereiche aufgeführt sind.

Die mit der Berufstätigkeit der Eltern kompatibel sein müssen …

Scholten: Das lässt sich aber einrichten. So haben wir etwa einen Wasserdienst, der das Mineralwasser besorgt, oder den Einkaufsdienst, der sich um die Anschaffung von Putzutensilien, Toilettenpapier und was sonst noch benötigt wird, kümmert. Am beliebtesten sind die samstäglichen Gartenaktionen, auch weil hier die Kinder mitgebracht werden können. Da die Elternputztage – für die regelmäßige Grundreinigung über das Saubermachen durch anderthalb 450-Euro-Kräfte hinaus – hingegen nicht ganz so attraktiv sind, legen wir die beiden Termine jetzt zusammen. Auf Listen können die Eltern lesen, was alles zu tun ist.

Elternarbeit bei der Anmeldung zuzusagen ist das eine, sie tatsächlich zu leisten, aber das andere. Was passiert denn, wenn sich Eltern nicht einbringen?

Scholten: Wir führen einen Ordner und zeichnen die Einsätze genau ab. Das muss aus Gerechtigkeitsgründen schon so sein. Wer nicht mitmacht, zahlt eine Art „Strafe“ von 12 Euro pro zu leistender Stunde. Manche zahlen auch von vornherein gerne 120 Euro zusätzlich pro Halbjahr.

Was für Unterschiede zu anderen Kitas gibt es noch?

Scholten: Die Einstellung des Fachpersonals wird nicht nur vom Vorstand und der Leitung, sondern auch mit Vertretern des Elternbeirats vorgenommen. Wer in der Kita arbeiten will, muss eine hohe Bereitschaft mitbringen, auf die Belange der Eltern einzugehen.

Lenzen: Es ist eine sehr partnerschaftliche Zusammenarbeit. Ein klassisches Merkmal einer Elterninitiative ist das „Du“ zwischen, Eltern, Mitarbeitern und Kindern.

Und wie sieht es mit dem elterlichem Einfluss auf die pädagogische Arbeit aus?

Scholten: Den erzieherischen Aspekt überlassen wir bewusst den pädagogischen Fachkräften. Zwischen Verein und Kita wird strikt getrennt. In der Regionalkonferenz der Elterninitiativen habe ich aber gesehen, dass es durchaus Initiativen gibt, die das anders sehen. Wir aber wollen uns da nicht einmischen.

Stimmt das denn auch wirklich, Herr Lenzen?

Lenzen: Ich kann mir vorstellen, dass es für Eltern manchmal schwierig ist, zwischen der Rolle der Mutter/des Vaters und der des Vorstands zu differenzieren. Wir aber haben das Glück in der Kita, dass der Vorstand klar trennen kann. Der pädagogische Bereich liegt bei mit. Es ist auch wichtig, dass es bei Elterninitiativen eine klare Leitung gibt. Denn die Eltern sind nur für einen begrenzten Zeitraum in der Kita, ein Konzept kann sich aber nicht alle paar Jahre ändern, nur weil Eltern das wünschen. Daher ist es sehr wichtig, das man die Bereiche abgrenzt. Das klappt bei uns immer sehr gut.

Wie hat sich die Außenwirkung seit den Anfängen geändert?

Scholten: Die Wertschätzung ist gewachsen. In den ersten Jahren gab es eine gewisse Distanz unserer Einrichtung gegenüber, etwa in der Zusammenarbeit bei Aktionen wie dem Martinszug. Die Elterninitiative mit dem damaligen Personalschlüssel von drei Personen – Leiterin, Erzieherin und Praktikantin – galt als verpönt.

Das hat sich dann ja schnell geändert, und seit 2011 ist der Roda Kindertreff auch als Familienzentrum zertifiziert. Als Reaktion auf die gesellschaftliche Entwicklung?

Scholten: Wir wollten ein größeres Angebot schaffen und mit der Zeit gehen. Jetzt gibt es im Flur eine ganze Wand mit Kurs- und Gesprächsangeboten, die rege angenommen werden.

Lenzen: Als Elterninitiative haben wir aber immer schon stark mit den Eltern zusammengearbeitet, die Zertifizierung als Anlaufstelle für alle Themen rund um die Familie kam dann noch dazu. Wichtig dabei: Ein Familienzentrum ist Anlaufstelle für alle Familien im Einzugsbereich, nicht nur für die der Kindergartenkinder. Die Angebote reichen von Kinderturnen bis zur Selbstverteidigung für Frauen, von Nähkursen bis zur Beratung bei häuslicher respektive sexueller Gewalt.

Sie erwähnten bereits eine lange Warteliste. Wie sieht es denn mit den Aufnahmekriterien beim Roda Kindertreff aus?

Scholten: Neben dem bereits beschriebenen Willen zu elterlicher Mitarbeit sind noch weitere Faktoren wichtig. So führen wir mit jeder Familie ein Anmeldegespräch, berücksichtigt wird in erster Linie, ob das Kind aus dem Einzugsgebiet stammt und ob sein Geburtsdatum zur Gruppendynamik passt. Vorrang haben auch Geschwisterkinder, von denen wir sehr viele haben, den Neubaugebieten ringsum sei Dank.

Wenn Sie sich nun etwas zum Geburtstag wünschen dürften, für „den Roda“ und für die Kindergartenlandschaft allgemein, was wäre das?

Scholten: Wir haben doch schon das Sahnehäubchen auf der Geburtstagstorte: Finanziell sind wir einigermaßen gesund. Die Stadt trägt den vierprozentigen Trägeranteil der Elterninitiativen mit, so dass diese Kosten nicht auch noch von der Elternschaft gezahlt werden müssen – wie etwa in Aachen. Im Gegensatz zu vielen anderen arbeiten wir mit einem hohen Personalschlüssel, die Elternschaft ist sehr zufrieden. Was will man denn mehr?

Lenzen: Ich wünsche dem Roda Kindertreff auch weiterhin viele Eltern, die engagiert und leidenschaftlich für den Verein und damit auch für ihre Kinder da sind. Dazu Erzieher/innen die weiterhin so liebevoll und professionell für Kinder und Eltern zur Verfügung stehen. Und natürlich weiterhin viele wunderbare Kinder, die unsere Einrichtung mit Lachen und Freude füllen und in ihrer Kindergartenzeit auch wirklich noch die Möglichkeit haben, Kind zu sein. Denn dafür steht der Roda Kindertreff seit nunmehr 30 Jahren und natürlich auch weiterhin.

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