Ringstraße: Defekter Verteilerkasten gefährdet die Anwohner

Von: Sigfried Malinowski
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Schon Jahre steht dieser Verte
Schon Jahre steht dieser Verteilerkasten auf Jürgen Buczkowskis Grundstück. Er sieht darin ein großes Gefahrenpotenzial. Foto: Sigi Malinowski

Baesweiler. Eigentlich wohnen Jürgen Buczkowski und seine Familie ganz idyllisch. In einem Reihenhaus in Baesweilers Siedlung West, mit Garten, netten Nachbarn und einer Umgebung, die als sehr ruhig und gepflegt zu bezeichnen ist. Dennoch kann der Familienvater und Opa in vielen Nächten nicht schlafen.

Er schaltet nicht ab. Zu sehr sorgt ihn die Unversehrtheit seiner mit im Hause wohnenden vier Enkel. Und auch um die anderen Kinder in der Nachbarschaft macht sich der zweifache Vater Sorgen. Denn sie sind nach Buczkowskis Auffassung gefährdet. Und der „Ausgangspunkt” dafür steht - oder verrottet vielmehr - auf seinem Grundstück.

Jeden Morgen, wenn er aus dem Fenster schaut, jeden Abend, wenn er von der Arbeit kommt, allzeit sieht er diesen „Schandfleck” mit hohem Gefahrenpotenzial. So empfindet das jedenfalls der 52-jährige Fachangestellte. Direkt vor seiner Eingangstür, etwa vier Meter zur Straße entfernt, steht ein in Schräglage geratener, zerstörter Verteilerkasten. Aus Hartplastik. Am Fuß zerbrochen, hoch brennbar, die darin verborgenen Stromkabel sind frei zugänglich.

Dieser Kasten speist, einschließlich des Buczkowski-Haushaltes, 23 weitere Empfänger mit Kabelfernsehen. Der Kasten gehört dem Unternehmen Unity Media (UM). Mit dem tauscht sich Jürgen Buczkowski seit Monaten nur noch über ein Anwaltsbüro aus. Denn unabhängig von der Gesundheitsgefährdung (Buczkowski: „Dieser Kasten ist für jedes Kind frei zugänglich. Dort kann man sich 220-Volt-Stromschläge holen”), geht ihm die ganze Geschichte mächtig auf den Zeiger.

2004 hatte er das Haus an der Ringstraße gekauft und damit auch den Kasten vor seiner Tür „erworben”. Der Vorbesitzer hatte ihm erklärt, er dulde den - damals noch intakten - Kasten und könne dafür kostenlos Kabelfernsehen schauen. Das übernahm der neue Hausbesitzer so, ohne eine schriftliche Vereinbarung mit UM einzugehen.

Doch „seit gut drei Jahren” entdeckte Buczkowski „Beschädigungen an dem Ding”. Er machte Fotos, rief bei UM an, schrieb das Unternehmen an, aber die Reaktion stellte ihn nicht zufrieden. „Zwischendurch ist mal ein Monteur gekommen, hat vielleicht auch mal eine kleine Reparatur vorgenommen”, aber das Problem blieb bestehen. „Dieser Kasten ist eine große Gefahr für die Kinder, er wird mit Strom aus meinem Keller gespeist”, hatte Buczkowski zwischenzeitlich sogar Pflanzkübel darum gesetzt, „damit da keiner gegen fährt”. Über die Jahre festigte sich der Eindruck, „da passiert seitens des verantwortlichen Unternehmens nichts”.

Im Mai dieses Jahres war das Maß voll. Nach einem Sturm stellten sich weitere Beschädigungen des Kastens ein. „Jeder konnte an den Strom kommen”, beschäftigte Buczkowski weniger ein möglicher Klau, als vielmehr gesundheitliche Gefährdungen und die Gefahr eines Brandes in seinem Haus durch einen möglichen Kurzschluss.

Er ging, auch in Absprache mit seinen Nachbarn hin, und schaltete den Strom ab. Das erklärte er seinen Nachbarn persönlich, die dafür weitgehend Verständnis entwickelten und ihn nicht als „bösen Nachbarn” ansehen. Nun kam ein Monteur, bastelte wieder daran herum, aber Buczkowski war es leid. Er schrieb UM, den Kasten nicht mehr zu wollen. Er sei mit der Duldung nicht mehr einverstanden und drohte UM eine Klage an, wenn der Kasten nicht entfernt wird. Diese Klage ist zwischenzeitlich erhoben worden.

Das Unternehmen reagierte seinerseits per Anwalt und beharrt auf das Duldungsrecht. „Die Begründungen, die uns Unity Media seitens meiner Befürchtungen um die Gesundheit der Kinder entgegnete, haben mich hochgradig geärgert”, schrieb UM unter anderem, dass Kinder bei Regen nicht draußen spielen würden und deshalb die Gefahr von Stromschlägen auch nicht gegeben sei. Am 21. November kommt es zur ersten gerichtlichen Runde. Zu einem Gütetermin.

Dass Jürgen Buczkowski kein Starrkopf ist, lässt sich auch daran erkennen, dass „ich ja schon zufrieden wäre, wenn der Kasten näher an die Garagen versetzt würde. Das ist gut drei Meter vom jetzigen Standort entfernt und die Stromversorgung wäre auch gesichert.” Er ist bereit, einen Kompromiss zu tragen. Aber: „Bislang sind die auf nichts eingegangen und berufen sich auf ihr Recht”. Nun ist Buczkowski gespannt, wie die Richter das auslegen.
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