Ringschluss der Euregiobahn: Nahverkehr ist kein Wunschkonzert

Von: Holger Bubel
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Interessanter Ausblick auf den
Interessanter Ausblick auf den ÖPNV im Jahr 2016: Auf dem Podium informierten und diskutierten darüber Hans Joachim Sistenich (AVV, v.l.)), Moderator Peter Steingass, Thomas Fürpeil (EVS), Michael Bienick (Pro Bahn NRW), Ralf Oswald (VCD), Bürgermeister Alfred Sonders und Gesamtschüler Rene Hommelsheim. Foto: Holger Bubel

Alsdorf. Die geballte Fachkompetenz in Sachen Öffentlicher Personen Nahverkehr (ÖPNV) fand sich beim 7. Alsdorfer Stadtgespräch, initiiert vom Förderverein Stadtmarketing und unserer Zeitung, im Foyer der Stadthalle ein.

um vor rund 100 interessierten Bürgern über die Bedeutung und Zukunft von Bus, Bahn und Verkehrsmittel und -wege in Alsdorf zu berichten und darüber zu diskutieren. Moderiert wurde die Veranstaltung von Peter Steingass, Vorsitzender des Fördervereins, und Karl Stüber, Redakteur unserer Zeitung.

65 Prozent mehr Fahrgäste

In einem Impulsreferat vermittelte Hans Joachim Sistenich, Geschäftsführer des Aachener Verkehrsverbundes (AVV), dem Auditorium einen Überblick über die ÖPNV-Entwicklung seit 2000 bis zum jetzigen Stand sowie einen Ausblick bis 2016. Dann sollen Ringschluss der Euregiobahn (längst) vollzogen und Elektrifizierung des Euregionetzes - aus ökologischen und ökonomischen Gründen - umgesetzt sein. „Wir haben unglaubliche Fahrgastzuwächse. Derzeit sind es 65 Prozent mehr Kunden als 2000”, berichtete Sistenich. „Wir stoßen langsam an unsere Kapazitätsgrenzen.” Die Qualität, eine gute Vernetzung, Pünktlichkeit, Service müssten dennoch verbessert werden. ÖPNV der Zukunft, so Verkehrsfachmann Sistenich, sei nicht zuletzt wegen der räumlichen Verdichtung und demographischen Anforderungen ein „Mobilitätsmix im Verbund”. Bus und Bahn gehörten ebenso dazu wie Car-Sharing, E-Bikes oder Taxi-Anbindungen. Mit dem brennenden Thema Ringschluss nach Stolberg, der sich aufgrund technischer Voraussetzung ein Jahr verzögert (wir berichteten), konfrontierte Karl Stüber Thomas Fürpeil, Geschäftsführer der Euregio Verkehrsschienennetz GmbH (EVS): „Die Gesamtmaßnahme ist trotz Verzögerung finanziell gesichert”, betonte dieser.

Die Anbindung Baesweilers an das Euregiobahnnetz, diese Vision haben sowohl Hans-Joachim Sistenich als auch Thomas Fürpeil. Dazu müssten aber neben einem politischen Konsens die technischen Voraussetzungen gegeben sein: „Bei einer 30-Minuten-Taktung, die durch strukturelle Veränderungen, etwa eine Umklappung der Strecke Aachen-Heerlen hin nach Alsdorf, möglich wird, ist eine Anbindung Baesweilers über Mariagrube denkbar.” Allerdings, so machte Sistenich deutlich, die Kosten-Nutzen-Rechnung müsse auch aufgehen. Eine Machbarkeitsstudie prüfe dies derzeit.

Auf den Prüfstand müsse im Übrigen auch die gesamte Verkehrsplanung in Alsdorf, ein Masterplan bis 2016 solle erstellt werden. Dass Alsdorf daran tüchtig arbeite, bestätigte Bürgermeister Alfred Sonders in Vertretung der an diesem Abend verhinderten Technischen Beigeordneten Susanne Lo Cicero-Marenberg, der eigentlichen Fachfrau im Rathaus in Sachen Stadt- und Verkehrsentwicklung. Allerdings, so betonte Sonders, müsse neben finanzierbaren Maßnahmen auch Aspekten der Fairness und Gerechtigkeit gegenüber allen Bürgern Rechnung getragen werden. So könne es nicht sein, dass bestimmte Streckensequenzen gekürzt werden, um anderen eine höhere Taktung zu ermöglichen, deutete Sonders die Situation in Duffesheide und Reifeld an (wir berichteten).

Die Bildung eines Fahrgastbeirates bei der Ausarbeitung des „Masterplanes 2016” regte Michael Bienick vom Fahrgastverband Pro Bahn NRW an. Wertvolle Anregungen aus Sicht dieser Interessenvertretung - etwa auch zum Pro-blem der Taktung beim Transport der Schüler an der Gesamtschule Alsdorf, die Schüler Rene Hommelsheim bemängelte - könnten in die Verkehrsplanung einfließen. Für eine effektivere Gestaltung des ÖPNV setzte sich der Vertreter des Verkehrsclubs Deutschlands (VCD), Ralf Oswald, ein: „Es fehlen überschaubare Informationen über Linienführung oder etwa Zeiten. Wir brauchen ein selbsterklärendes System, verlässliche Rendevouzpunkte, gesteigertes Qualitätsbewusstsein und besseren Service am Kunden.”

Übrigens: Die vielen Anregungen und Fragen von Lesern dieser Zeitung, die an diesem Abend nicht thematisiert werden konnten, werden schriftlich im Nachgang beantwortet.

Ansprechpartner bei Anregungen, Kritik und Fragen

Aachener Straßenbahn und Energieversorgungs-AG, Schumacher-straße 14/Ecke Peterstraße, 52062 Aachen, Telefonnummer 0241/16883040, kundencenter@aseag.de

DB Regio NRW GmbH, Telefonnummer 01805/996633.

Taeter Aache, Veolia Verkehr Rheinland GmbH, Neuköllner Straße 10, 52068 Aachen, Telefonnummer 0241/182000, info@taeter.de .

Aseag, Neuköllner Straße 1, 52068 Aachen, Telefonnummer 0241/1688-3010.

EVS Euregio Verkehrsschienennetz GmbH, Rhenaniastraße 1, 52222 Stolberg, Telefonnummer 02402/9743-0/215.
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