Rettung in letzter Sekunde für die Anna 9?

Von: Verena Müller
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Szenen der „Übernahme“ durch die neuen Nutzer: Im Führerhaus Dr. Walter Bellingrodt (l.), ehemaliger Vorstandsvorsitzender des EBV, und Dr. Helmut Eckert, der von 1951 bis 1975 Stadtdirektor von Alsdorf war. In den 60er Jahren war der Tierpark zwischen dem Stadtteil Ofden und der B 57 auf sein Betreiben hin errichtet worden. Foto: Manfred Thelen

Alsdorf. Es gibt doch noch Hoffnung für den Erhalt der Anna 9 im Alsdorfer Tierpark – und das, obwohl erst ein paar Tage zuvor ein Kaufvertrag nach Hannover rausgegangen war. Mit dieser Nachricht hat Bürgermeister Alfred Sonders unsere Zeitung überrascht.

Vorbild könnte eine Lok in Solingen sein, die als Spielgerät so umgestaltet wurde, dass sie den Sicherheitsvorschriften des TÜVs gerecht wurde. Darauf hatte die in Folge unserer Berichterstattung am Mittwochmorgen von Bernd Beckers aus Alsdorf gegründete Facebook-Gruppe „Rettet die Alsdorfer Lok“ in ihrem Forum hingewiesen.

Nach nur einem Tag hatte die Gruppe über 3000 Mitglieder, unser Bericht hat in dem sozialen Netzwerken außerdem knapp 40.000 Menschen erreicht. Leser sendeten unserer Zeitung auf den Aufruf hin ihre Erinnerungsfotos mit der Lok zu.

Aber der Reihe nach: Nachdem zahlreiche Interessenten für die alte Dampflok wie beispielsweise das Industriemuseum Dortmund abgesprungen waren, weil nach ihren Kalkulationen Bergungs- und Transportkosten um mehr als das Zehnfache den veranschlagten Kaufpreis (2500 Euro) übersteigen würden, hatte sich doch noch ein Interessent aus Hannover gefunden, mit dem das Geschäft im Grunde besiegelt war.

Der Mann arbeitet laut Bürgermeister Alfred Sonders bei der Stadtverwaltung Hannover und ist privat Mitglied eines Eisenbahnvereins, der bereits andere Loks erstanden und gute Kontakte zu Transportunternehmen hat.

Mit dem Mann sei man sich handelseinig geworden und wollte ihm die Lok „gegen einen kleinen Betrag“ überlassen. Der Vertrag wurde aufgesetzt und verschickt, zurückgekommen ist er aber noch nicht. In der Zwischenzeit erreichte Politik und Verwaltung eine wahre Flut an Anfragen zu einem möglichen Erhalt der Alsdorfer Lok Modell Hannibal. Potenzielle Spender kontaktierten den Bürgermeister, die für eine Restaurierung aufkommen wollten.

Und der Bericht aus der Rheinischen Post über „Schnaufi am Engelsberger Hof“ von November 2014 machte die Runde: Die dortige Lok war drei Jahre, ähnlich wie die in Alsdorf, wegen Sicherheitsmängeln gesperrt. Dann fand man die Lösung: Sie wurde saniert und mit einer aufwendigen Netz- und Seilkonstruktion – vergleichbar mit dem Spinnennetz im Alsdorfer Tierpark – versehen. Das Netz wurde quasi über die Lok gelegt. Gesamtkosten: 56.000 Euro.

Die Hälfte davon (28.000 Euro), so steht es weiter im Artikel, hätten die Mitglieder einer Facebook-Initiative aufgebracht, den Rest zahlte die Stadt aus Haushaltsmitteln, die eigentlich für die Entsorgung von „Schnaufi“ und ein Ersatzspielgerät bereitgestellt werden sollten.

„Wenn das in Solingen mit den Netzen geht, warum sollte das hier nicht auch möglich sein?“, fragte sich Alfred Sonders nach dem Lesen des Artikels und beschloss, die Möglichkeit prüfen zu lassen. Das Ergebnis steht noch aus.

Er sei immer für gute Vorschläge offen. Und findet außerdem: „Eine Restauration für 10.000 oder 15.000 Euro – daran scheitert es von unserer Seite aus nicht.“ Dann müssten laut Alfred Sonders aber auch die Leute zu ihren Versprechungen stehen, die sich schon als bereitwillige Spender gemeldet hätten.

Deshalb bemüht er sich nun, den Käufer zu erreichen, um ihn zu bitten, den Kaufvertrag auf Eis zu legen und gegebenenfalls vom Erwerb Abstand zu nehmen. „Ich bin da sehr zuversichtlich, dass das klappt“, meint er. „Wir tun uns alle schwer damit, uns von der Lok zu trennen“, sagt er auch mit Blick auf seine eigenen Kindheitserinnerungen.

Vielleicht wird es am Ende auch von den nächsten beiden Generationen Erinnerungsbilder mit der Anna 9 im Alsdorfer Tierpark geben.

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