Rektoren rätseln: Ausflug oder nicht?

Von: Holger Bubel
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Jetzt geht‘s los! Oder bald nicht mehr? Der Start von Klassenfahrten wird durch neue Verfügungen in Frage gestellt: Foto: imago

Nordkreis. Wer erinnert sich nicht gerne daran, an Klassen- und Abschlussfahrten oder Wandertage? Nicht nur Jahre später auf Jahrgangsstufentreffen sind die längst vergangenen Erlebnisse Gesprächsthema. Auch zur aktiven Zeit als Schüler sind sie schöne Zeiten. Es gibt viele Fragen, die sich rund um die Klassenfahrt drehen. Jetzt kommt eine wesentliche Frage hinzu: Wird die Klassenfahrt überhaupt noch starten?

Derzeit sieht es so aus, als sollten solche Klassenfahrten, die nicht nur einen pädagogischen und einen Bildungsauftrag erfüllen, sondern auch von zwischenmenschlichem Wert sind, bei dem man den Lehrer mal lockerer kennenlernt, oder umgekehrt, der Pauker seine Schützlinge abseits des Unterrichts ganz anders erleben darf, der Vergangenheit angehören.

Denn: Mit der Begründung, dass solche Schulveranstaltungen schließlich Dienstfahrten seien, hat das Oberverwaltungsgericht (OVG) jüngst verfügt, dass Schulen die Kosten des begleitenden Lehrpersonals zu tragen haben. Bislang war es gängige Praxis, dass die Pädagogen in stillschweigendem Einverständnis Verzichtserklärungen auf Rückerstattung der Kosten unterzeichnet hatten.

„Das geht so nicht. Vergleichbar wäre das mit einem Arbeitgeber, der seinen Mitarbeiter auf Dienstfahrt schickt, dieser aber sämtliche Kosten selber tragen soll. Das würde kein Mensch machen“, sagt Oberstudiendirektor Wilhelm Merschen, Leiter des Gymnasiums Baesweiler. Er zeigt Verständnis für den OVG-Gerichtsbeschluss und hofft, dass die Landesregierung bei der Überarbeitung der so genannten „Wanderrichtlinien“ durch eine Angleichung der Budgetierung im Haushaltsjahr 2013 auf den höchstrichterlichen Beschluss reagiert. „Alles andere wäre nicht nachvollziehbar“, sagt Merschen.

„Touren werden durchgezogen“

Das Budget lag 2012 bei sechs Millionen Euro für alle NRW-Schulen und richtet sich in der Höhe der jeweiligen Zuwendung nach Schülerzahl und Lehrerstellen. Am Gymnasium in Baesweiler ging es bislang – und soll es laut Merschen auch 2013 gehen – in den Klassen 5 und 9 sowie in der Oberstufe auf Klassen- beziehungsweise Kursfahrt. „Alle für 2013 genehmigten Touren werden durchgezogen. Die Kosten können von den Lehrern geltend gemacht werden, so steht es in einer Information der Bezirksregierung“, sagt der Schulleiter. Wie es 2014 weitergeht, müsse die Politik sagen.

„Bis zur Inkraftsetzung der überarbeiteten Wanderrichtlinien können sich die Schulen an ihrem Budget für 2012 orientieren“, sagt Oliver Moritz, Sprecher der Bezirksregierung Köln, auf Anfrage. Moritz fügt hinzu: „Im Haushaltsentwurf 2013 sind für Klassenfahrten wie 2012 sechs Millionen Euro vorgesehen.“ Also keine Erhöhung für das laufende Jahr 2013? Soll heißen? „Abwarten“, sagt Oberstudiendirektor Merschen, „nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.“ Der Schulleiter setzt auf die Stimme der Eltern: „Ich appelliere an die Landeselternschaft, Druck auszuüben, damit das Budget erhöht wird. Schließlich sind das keine Urlaubsfahrten, sondern Veranstaltungen von hohem pädagogischen Wert.“

Als keineswegs gesichert sieht Daniel Bick, Leiter der Gesamtschule in Herzogenrath, Klassenfahrten und Ausflüge für das laufende Jahr. In Roda geht es in den Klassen 5, 7 und 10 sowie in der Oberstufe auf Klassen- oder Studienfahrt. „Orientiert am Budget von 2012 kann ich höchstens jede vierte Fahrt aus finanzieller Sicht genehmigen“, sagt Bick. Damit sei die Kasse bereits leer. Wer letztlich in den Genuss einer Klassenfahrt käme, das müsste im Zweifelsfall eine Schulkonferenz entscheiden.

Bick wirft aber noch eine weitere Frage auf: Wird die Landesregierung den Wirtschaftsfaktor Klassenfahrt in ihrem Haushalt 2013 berücksichtigen? Jugendherbergen und der regionale Einzelhandel, Bus- und Reiseunternehmen, Museen, ja selbst bischöfliche Einrichtungen wären betroffen. „Eine Schule unserer Größe“, rechnet Bick vor, „setzt jährlich rund 120.000 Euro bei Klassenfahrten um.“ Der Landesregierung „sollte die Bedeutung solcher Schulveranstaltungen auch in ökonomischer Hinsicht bekannt sein“. Wie er mit dem richterlichen Beschluss umzugehen habe, kann Christoph Barbier, Leiter des Heilig-Geist-Gymnasiums in Broichweiden, noch nicht sagen. Getragen von der Spiritaner-Stiftung und vom Förderverein, untersteht die Schule dem Ersatzschulfinanzgesetz: „Wir müssen abwarten, bis Klarheit herrscht“. Zumindest aber für die Bistumsschulen Aachen gilt, dass die genehmigten Fahrten für 2013 – wie das OVG-Urteil es vorsieht – realisiert werden. „Ab 2014 wird dann nach neuen Richtlinien entschieden“, sagt der Sprecher des Bistums Aachen, Joseph Heinrichs.

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