Regionalkonferenz hat rechtspopulistische Parteien im Visier

Von: mabie
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„We are all Monkeys!“ Unter anderem mit einer eindrucksvollen Fotoaktion treten Würselener Gymnasiasten gegen Rassismus ein: (v.l.) Aaron Paul Ostwald, Lara Voigt und Kay Frenken. Foto: Markus Bienwald

Würselen. „Das Fazit des vergangenen Jahres ist niederschmetternd“, heißt es in der Abschlusserklärung der sechsten Regionalkonferenz „Aktiv gegen Rechts“, die am Samstag im Städtischen Gymnasium Würselen stattfand. So haben die Parteien der äußersten Rechten erschreckende Wahlergebnisse in ganz Europa erreicht.

„Auch in Deutschland konnte mit der AfD eine chauvinistische und nach Rechts offene Partei Parlamentssitze erringen“, führen die Konferenz-Teilnehmer vor Augen.

Aachens DBG-Vorsitzender Ralf Woelk führte durch das Programm der Regionalkonferenz. Er begrüßte auch den Schirmherren der Veranstaltung, Würselens Bürgermeister Arno Nelles, der sich angesichts der nicht abebbenden Flüchtlingswelle nachdrücklich für eine positive Willkommenskultur in unserem Land aussprach.

Eine überaus penible Analyse des europäischen Rechtspopulismus stellte der Vortrag des Sozialwissenschaftlers Alexander Häusler dar. Der Dozent der FH Düsseldorf arbeitet im Forschungsschwerpunkt Rechtsradikalismus/Neonazismus (Forena) und zeigte minuziös auf, warum es Rechtsaußenparteien europaweit gelingt zu erstarken. Er deckte dabei auch nationalistische und europafeindliche Tendenzen der AfD auf, die er als Hoffnungsträger für Rechts-Parteien wie den französischen Front National im Streben nach Vernetzung darlegte. „Sind wir dagegen gewappnet?“, wollte Ralf Woelk wissen. Die klare Antwort des Experten: „Nein“ – zu sehr sei der Kampf gegen Rechts noch immer auf neonazistische Tendenzen und deren Straftaten konzentriert. Sein Appell: Den Blick zu weiten auch auf den aufkeimenden Rechtspopulismus, der als „biedermännisch bürgerlicher Nationalismus“ daherkomme.

Ein Appell, den die Konferenzteilnehmer in die Arbeitsgruppen mitnahmen, die sich mit Rassismus gegen Flüchtlinge, dem „Feindbild Islam“ und der „Militarisierung der Außenpolitik“ genauso befassten wie mit antifaschistischer Erinnerungsarbeit und Zeitzeugenberichten von Helmut Clahsen.

Wie sehr sich auch schon junge Menschen gegen Rassismus einsetzen, stellten Schüler des Gymnasiums unter Beweis: Sie präsentierten Beiträge im Zuge des Projekts „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, die großen Anklang fanden. „Ich finde es wichtig, aktiv zu sein, weil wir die Zukunft sind“, sagte Schülersprecher Kay Frenken auf Nachfrage. Zwei Beispiele: Aaron Paul Ostwald hat ein Gedicht geschrieben, eindrucksvoller Beweis einer eigenen Meinung zum Thema und Ausdruck eines klaren Auftretens gegen jede rassistische und nationalistische Tendenz. Und Lara Voigt hat mit Mit-Schülern eine Fotoaktion aufgelegt.

In Anlehnung an den brasilianischen Fußballprofi Dani Alves, dem als Fan-Attacke eine Banane aufs Spielfeld geworfen wurde, die er kurzerhand aufhob, um hineinzubeißen und sich dann für die Energiespende zu bedanken. Sein Landsmann Neymar postete nach der Partie ein Foto von sich und seinem Sohn mit Banane und dem Hashtag #weareallmonkeys und trat so eine Sympathie-Welle los. 200 Schüler und auch Lehrer des Würselener Gymnasiums taten es ihnen gleich – und so entstand eine ganze Fotowand, die am Samstag sichtbares Zeichen gegen Rassismus war.

Die Regionalkonferenz hat im Kampf gegen Rechts auch die Behörden im Visier: In den NSU-Untersuchungsausschüssen etwa seien „haarsträubende Dinge ans Licht gekommen und nicht aufgeklärt worden“, heißt es in der Erklärung. So sei die Mordserie der NSU nur möglich gewesen, weil Behörden und Teile der Gesellschaft die Augen verschlossen hätten.

Weiterer Aufreger sind die untergetauchten Neonazis, die unter dem Firmenschild „Die Rechte“ Parteiprivilegien genössen. Zwar gebe es in der Region gute Beispiele für Engagement gegen Rechts, doch, so schließt die Erklärung, reiche es nicht, nur gute Gesinnung zu zeigen: „Es ist nötig, sich über Rassismus, Antisemitismus, Militarismus und Neonazismus aufzuregen“, fordert die Konferenz. Und: „Die, die sich den Nazis entgegenstellen, dürfen nicht als gewaltbereite Ruhestörer denunziert werden.“ Patentrezepte konnten die Akteure abschließend nicht präsentieren, doch der gewachsene Zusammenhalt bei den Regionalkonferenzen sei eine gute Basis für die Zukunft.

Die Regionalkonferenz soll im kommenden Jahr den Arbeitstitel „Weiter so?“ tragen und sich mit Arbeitsweisen, Organisation von Bündnisarbeit und Vernetzung auseinandersetzen.

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