Nordkreis - Regionale Produkte zurzeit sehr beliebt

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Regionale Produkte zurzeit sehr beliebt

Von: ssc
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„Hoffe, dass das Thema bald v
„Hoffe, dass das Thema bald vorbei ist”: Yücel Berber, Gemüsehändler in Alsdorf, kauft seine Waren sehr bewusst ein. Foto: Stefan Schaum

Nordkreis. Das kleine Pappschild in der Gurkenkiste soll für Vertrauen sorgen. „NL Gurken” steht drauf, NL für die Niederlande. Von dort bezieht Yücel Berber seine Salatgurken. Doch der 40-jährige Lebensmittelhändler hat dieser Tage große Mühe, sie hierzulande den Käufern schmackhaft zu machen.

„Die Kunden sind sehr verunsichert, das spürt man ganz deutlich”, sagt Berber. In seinem Geschäft an der Broicher Straße in Alsdorf gehört die Frage „Kommt das etwa aus Spanien?” zur Tagesordnung, seit Experten die Quelle der EHEC-Erreger zunächst auf der iberischen Halbinsel vermuteten.

Zwar muss die Suche nach der Herkunft der gefährlichen EHEC-Keime nach neuesten Untersuchungen von vorne beginnen, doch ist die Furcht vor der Darminfektion gerade deshalb groß. „Eine Frau hatte im Geschäft Zitronen in der Hand, und die sind das einzige, das ich aus Spanien bekomme”, sagt Berber. Als die Dame ihn nach deren Herkunft fragte, ließ sie die Früchte fallen und bestand darauf, sich die Hände zu waschen. Eine übertriebene Reaktion?

Yücel Berber zuckt mit den Schultern. „Ich kann schon verstehen, dass die Leute Angst haben, das Thema ist ja überall präsent.” Und zwar quer durch die Nationalitäten. Die meisten seiner Kunden sind türkischstämmig. „Da gibt es aber keine Unterschiede, was die Ungewissheit betrifft.” Noch, sagt er, könne er seinen Kunden guten Gewissens versichern, dass seine Waren nicht belastet sind. Doch was, wenn die Keime auch an Obst und Gemüse in anderen Ländern gefunden werden? Oder wenn die Kunden aus Angst vor frischer Waren nur noch zur Konserve greifen? Daran mag Yücel Berber lieber nicht denken. „Ich hoffe, dass das Thema bald vorbei ist.”

Melanie Stürtz hat jüngst Tomaten in den Mülleimer geworfen. Nicht etwa, weil sie faulig waren. „Sie waren mir einfach nicht geheuer”, sagt die Kinderpflegerin. Besser kein Risiko eingehen. So hält es dieser Tage das Familienzentrum Florianstraße in Alsdorf. Keine Gurken oder Tomaten gibt es dort, wo die Kinder sonst am Frühstückstisch gern zur Rohkost greifen. Nur noch Dinge, die man schälen kann, Äpfel zum Beispiel.

„Wir verzichten darauf, so lange es keine Entwarnung seitens des Gesundheitsamtes gibt”, sagt Leiterin Gerda Backes. Erdbeeren gibt es jedoch hier und da in der Kita- weil sie im eigenen Garten heranreifen. Das Fleckchen auf dem Außengelände, in dem auch Kohlrabi und Salatköpfe wachsen, ist derzeit besonders begehrt.

Auf Ortsnähe setzt auch Landwirt Gerd Koch in Baesweiler. Er ist zuversichtlich, auch weiter Gurken in seinem Hofladen verkaufen zu können. Weil er den Kunden sagen kann, woher sie stammen: Aus einem Gewächshaus in Oidtweiler. Mit EHEC werde es wohl nicht anders sein als mit anderen Skandalen - vom Dioxin im Tierfutter bis zu Salmonellen im Hühnerei - zuvor: „Die Menschen besinnen sich zumindest vorübergehend auf regionale Produkte.”

Schon einige neue Kunden habe er in den vergangenen Tagen bedient. Doch hat er auch von Kollegen gehört, die große Teile ihrer Gurkenernte mangels Abnehmern vernichtet haben. „Das ist für viele schon dramatisch - erst die lange Trockenheit und jetzt noch die Furcht vor dieser Krankheit.”
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