Rechten Parolen Einhalt gebieten

Von: Elisa Zander
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Überall deutlich Stellung bez
Überall deutlich Stellung beziehen: Die Schülervertretung des städtischen Gymnasiums etwa hat vor einigen Jahren dafür gesorgt, dass dieses Schild vor der Schule aufgehängt wurde. Foto: Elisa Zander

Herzogenrath. Dass sie sich an diesem Abend genau in diesem Sportlerheim treffen, ist kein Zufall. Bewusst hat Manfred Borgs das Heim des Kohlscheider BC an der Oststraße in Kohlscheid gewählt. Der Geschäftsführer des Stadtsportverbands Herzogenrath erinnert sich an einen Vorfall in Kohlscheid vor etwa zwei Jahren.

Es ist nur einer von mehreren Vorfällen in Herzogenrath in den vergangenen Jahren, die den Stadtsportverband, betroffene und nicht betroffene Vereine dazu gebracht haben, „zu überlegen, wie es weitergehen soll”, gibt Manfred Borgs einen Einblick in ein Projekt, das nun unter dem Titel „Rechtsorientierte in Sportvereinen?” angelaufen ist. Es ist in mehrere Module unterteilt. Zwei Jahre Vorlaufzeit waren nötig.

Die Ereignisse lassen Manfred Borgs zu dem Schluss kommen: „Wer annimmt, dass die, die als Erwachsene in der rechten Szene aktiv sind, als Jugendliche nicht in Sportvereinen waren, ist blind. Der Sport kann aber seinen Teil dazu beitragen, dass präventiv gearbeitet wird.” Schließlich werde in der rechten Szene viel Wert auf das Gemeinschaftsgefüge gelegt, etwas, das Sportvereine ebenfalls bieten.

Da hatte ein Mitglied der Neonazi-Gruppierung „Kameradschaft Aachener Land” (KAL) eben jenes Sportheim angemietet, war es doch ebenfalls Mitglied des Kohlscheider BC. Für eine „Geburtstagsparty” waren dort unter anderem schon Musik und Getränke deponiert worden. Erst kurz vor dem Abend wurde der Hintergrund erkannt.

Im Rahmen des städteregionalen Programms „Miteinander in der Städteregion Aachen - gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit” veranstaltete der Stadtsportverband als ersten Baustein eine Info-Veranstaltung für Jugend- und Übungsleiter, bei der Fragen nach jugendtypischen Erkennungsmalen rechtsorientierter Jugendlicher sowie Handlungsansätzen zur angemessenen Reaktion darauf im Fokus standen. Über 30 Interessenten, die ehrenamtlich Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren in den Sportvereinen betreuen, hatten sich eingefunden.

Für Silke Peters vom städteregionalen Integrationsbüro sind Sportvereine ein wichtiger Partner. „Sie sind eine wesentliche Lebenswelt von Jugendlichen, bei denen man viel erreichen kann.” Es geht um mehr als die Erkennung und das Handeln danach, es geht auch um Präventionsarbeit.

„Viele Aktivitäten gegen Rechts laufen im Erwachsenenbereich”, sagt Manfred Borgs. „Es ist aber wichtig, schon im Nachwuchsbereich aufmerksam zu sein und tätig zu werden.” Im optimalen Fall könne man die Jugendlichen zurückholen, gegebenenfalls mit professioneller Unterstützung.

In ihren zweistündigen Ausführungen zeigt Silke Peters Symbole und Zahlencodes - wie die 18, die für die Initialen von Adolf Hitler steht, oder die 88 für den Hitler-Gruß. Runen werden ebenfalls genutzt, besondere Schriftzüge, Abkürzungen. Peters brachte auch Musik mit rechtem Gedankengut zu Gehör. Es sind wichtige Tipps und Anhaltspunkte für die Übungsleiter, um Situationen frühzeitig zu erkennen.

Für Gerd Verhoolen, Vorsitzender der Spielvereinigung Straß, ist genau das ein zentraler Punkt. Ingo Lentz von Union Ritzerfeld wünscht sich darüber hinaus eine enge Zusammenarbeit der Vereine. „Die Jugendlichen kennen sich aus der Schule, in Vereinen gehen sie auseinander”, skizziert er den Alltag, der für ihn das Problem darstellt: die sich gegebenenfalls bereits in Schulen bildenden Gruppierungen nicht kontrollieren zu können. Der Verein sollte da nicht sich selbst überlassen werden: Ingo Lentz wünscht sich „keinen reinen Erfahrungsaustausch, sondern eine Zusammenarbeit”.

Die hat vor Jahren begonnen, an diesem Abend hat sie eine neue Ebene erreicht, die es nun fortzusetzen gilt.

Im Rahmen des Projekts „Rechtsorientierte in Sportvereinen?” übergeben die Sportvereine Herzogenraths am Freitag, 4. Mai, Selbstverpflichtungserklärungen zur entsprechenden Handhabe bei rechtsorientierten Jugendlichen an Bürgermeister Christoph von den Driesch.

Im Gegenzug erhalten die Vereine eine Urkunde und ein Schild mit dem Bekenntnis gegen Rechts für das Sportheim.

Abgerundet wird die Veranstaltung durch ein Impulsreferat von Rechtsextremismus-Experte Michael Klarmann mit anschließender Podiumsdiskussion. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr in der Aula des Gymnasiums Herzogenrath, Bardenberger Straße.

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