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„Rebell Comedy“ auf Burg Wilhelmstein: „Wallah, ist das gut hier!“

Von: von Johannes Schaffeldt
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Zu Gast auf Burg Wilhelmstein: Usama Elyas. Foto: js

Würselen. Den Besuchern der Burg Wilhelmstein schallte das Set von DJ Wati entgegen und kündete von dem, was folgen sollte: Ein Abend mit brachialer Komik, mal mit mehr, mal mit weniger Betonung des Migrationshintergrunds der Protagonisten und Besucher der „Rebell Comedy“.

Ein buntes Völkchen hatte sich eingefunden: Stammpublikum mit Proviantkorb und Snacks in der Tupperdose genauso wie Neulinge. Das Sprachen-Wirrwarr ließ erahnen, dass nicht wenige ähnliche Geschichten aus ihrem multikulturellen Alltag teilen könnten wie es die „Rebellen“ meisterlich taten. Khalid Bounouar, Moderator des Abends, kommentierte dies auf seine politisch völlig unkorrekte Weise: „Hier sind mehr Kanaken als auf dem Arbeitsamt.“ Immer wieder wurde abgefragt, woher die Menschen im Publikum stammten, um dann Klischees zu reproduzieren. Gerade diese Überspitzung und Überbetonung trug mit zur Dekonstruktion dieser Stereotype bei. Angegriffen dürfte sich dabei wohl niemand gefühlt haben.

Die Show selbst war „entweder altes Material oder unreife Scheiße“, wie Babak Ghassim, Gründer des Formats ironisch ankündigte. Pu (Puyan Yavari) startete das etwa zweieinhalbstündige Programm. „Aachen ist wie eine Sackgasse, das Beste an der Stadt sind die Länder nebenan“, bescheinigte der Münsteraner der Gegend. Es folgte Jamie Wierzbicki, der als Pole wahrgenommen wird, dies aber gar nicht mehr in Shows sagen möchte, da er sonst in einer Sprache angesprochen wird, die er gar nicht spricht. Ähnliche Sprachprobleme hatte Usama Elyas oder Ususmango. Er wurde vom Goethe-Institut für eine Show in Saudi-Arabien angefragt. Auch wenn er die Sprache gar nicht richtig spreche, habe ihn Geld als Argument überzeugt.

Tamika Campbell, Wahlberlinerin und ehemalige New Yorkerin, teilte nach allen Seiten aus. Besonders weibliche Verhaltensmuster nahm sie aufs Korn.

Vor der Pause drehte Khalid Bounouar ein Selfie-Video, welches bei Facebook landete. Am Ende der Pause wurde der beste Kommentar gekürt und mit einem mit Autogrammen versehenen Turnbeutel prämiert. Gewonnen hat jemand, der angab, über den Zaun in die ausverkaufte Veranstaltung gekommen zu sein.

Hany Siam wurde als großer Grimassenschneider angekündigt – zu Recht. Als Kinderriegel „außen schwarz, innen weiß“, entdeckt Siam ab und an scherzhaft den Rassisten in sich, wenn er sich bei einem Farbigen wundert, wie gut er Deutsch spricht.

„Alle werden gebucht, weil sie irgendwas können, ich werde gebucht, weil ich irgendwas bin“, kommentiert Benaissa Lamroubal gegen Ende des Abends den Alltag im Showgeschäft. Er und andere würden auf das Prädikat „lustiger Ausländer“ reduziert und für die Quote gebucht. Genau andersherum macht es Rebell Comedy: Hier haben alle einen Migrationshintergrund und alleine dadurch viel Skurriles zu berichten. Selbst der „Quotendeutsche“ des Abends, Alain Frei, ist in der Schweiz geboren. Dabei heraus kam ein schnelles, lautes, manchmal anarchisches Format.

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