Realschulen verzeichnen hohe Anmeldezahlen

Von: Mischa Wyboris
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Nordkreis. Welches Modell darf´s künftig sein? „Verbundschulen”, sagt die CDU, „regionale Mittelschulen”, heißt es bei der FDP, „Gemeinschaftsschulen”, erwidern SPD und Grüne. Welche neue Schulform soll den immer weiter sinkenden Schülerzahlen Rechnung tragen? „Keine davon”, antworten viele der Realschulen im Nordkreis.

Während Eltern- und Lehrerverbände auf NRW-Ebene den „Untergang” der Realschule befürchten, reagieren die Rektoren im Kreis auf die Debatte um die mögliche Zusammenlegung verschiedener Bildungseinrichtungen mit gemischten Gefühlen.

„Sollte sich bei der Landtagswahl 2010 ein Regierungswechsel ergeben, sehe ich den Bestand der Realschulen gefährdet”, sagt Marianne Bayer, Leiterin der Marienschule in Mariadorf. „Dann wird es ein Kampf werden.”

Von dem dann auch ihre Realschule betroffen wäre, an der sich zum neuen Schuljahr just 90 Schüler angemeldet haben - 30 mehr, als die zweizügige Einrichtung Plätze zu vergeben hat.

„Kinder brauchen Orientierung”

„Seit Gründung der Schule vor zehn Jahren müssen wir jedes Jahr Schüler abweisen”, bedauert Bayer. „Die Nachfrage der Eltern ist da, sie wollen diesen Bildungsgang.”

Ihre Schule profitiere von der Zweizügigkeit und dem engen Lehrer-Schüler-Verhältnis sowie von verschiedenen Projekten zur Stärkung sozialer und fachlicher Kompetenzen - wie beim „Mind-Matters”-Programm zu den Themen Trauer, Mobbing und Stress.

Letzteren versucht Lorenz Hellmann indes gering zu halten. „Für uns stellt sich die Frage nach dem Untergang derzeit nicht”, sagt der Leiter der zweitgrößten Realschule im Kreis Aachen mit mehr als 800 Schülern und stabilen Anmeldezahlen.

Mit 130 Neuzugängen werde an der Realschule Würselen auch das kommende Schuljahr wieder fünfzügig laufen, sagt Hellmann. Seit Beginn des laufenden Schuljahres können seine Schüler wählen, ob sie den Unterricht auf gewohnte Weise oder in einer der vier mit Laptops arbeitenden Klassen absolvieren möchten.

Trotz Mittagsbetreuung, interaktiven „Smart Board”-Tafeln, Technik-, Informatik- und Sprachkursen - bei der aktuellen Diskussion gerate die Realschule fast zur „vergessenen Schulform - aufgerieben zwischen Hauptschule und Gymnasium”.

Zwar seien „die Hauptschulen nicht überlebensfähig”, eine Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen erachten allerdings weder Bayer noch Hellmann als die richtige Lösung: „Das bringt nur eine Verschiebung der Probleme vom dreigliedrigen auf das zweigliedrige Schulsystem - und das wäre in zehn Jahren auch zum Untergang verurteilt”, ist sich Hellmann sicher.

„Es ist schwierig, sich in politisch windigen Zeiten aus dem Fenster zu lehnen”, will Michael Göbbels eine Prognose vermeiden. Für den Rektor der Realschule Baesweiler, an der sich gerade 104 Schüler angemeldet haben, ist jedoch gewiss: „Wir sind gut aufgestellt.” Seine Schule habe ein reiches Angebot für die rund 700 Schüler, das künftig um Sport-, Musik- und Kunstkurse am Nachmittag erweitert werden soll.

Außerdem wolle der Schulträger trotz der anstehenden Schließung der Hauptschule in Setterich - die in Baesweiler bleibt bestehen - „den dreigliedrigen Standort erhalten”.

„Wie meine Schule am Ende heißt, spielt nur eine untergeordnete Rolle”, sagt Göbbels über die diskutierten Fusionsmodelle. Wer die Schullandschaft wirklich verbessern wolle, müsse Gelder in die Hand nehmen, um für mehr schulpsychologisches und sozialpädagogisches Personal sorgen und kleinere Klassen bilden zu können.

Auf den Vorteil kleinerer Klassen setzt auch Hans-Helmut Paffen, Leiter der städtischen Realschule Herzogenrath-Kohlscheid, wo die noch nicht genau bezifferten Neuanmeldungen „die Erwartungen erfüllt haben” und insgesamt rund 600 Schüler unterrichtet werden.

Die Größe der Schulsysteme, die aus den Modellen der Politik erwachse, sei „nicht immer für alle Schüler gut”, sagt der Rektor. „Viele Kinder brauchen Orientierung.” Im Rahmen des offenen Ganztags plane seine Realschule den Einsatz von Schülertutoren, die die Jüngeren betreuen.

Vom Untergang der Realschule möchte derzeit kaum jemand etwas wissen - nicht zuletzt wegen der attraktiven Angebote. Bayer: „Dagegen positionieren kann man sich nur durch gute Arbeit. Ob das am Ende reicht, weiß ich nicht.”
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