Realschule in Würselen unterrichtet nur noch die Klassen 8 bis 10

Von: Birgit Triesch
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Lange Tradition: Mit viel Liebe und Kreativität bastelten die Schüler, um ihren Weihnachtsmarkt zu bestücken. Foto: Realschule Würselen

Würselen. Die Tage bis zur Zeugnisausgabe sind gezählt und die Vorfreude auf die Ferien steigt. So zumindest an den meisten Schulen in der Städteregion Aachen. Dies gilt allerdings nicht für alle: Bei den Schülern, den Eltern und dem Kollegium der Realschule in Würselen kommen seit dem Schuljahr 2014/2015 Ungewissheit und Sorge hinzu – denn seither gilt diese Schule als Auslaufmodell.

Dabei ist das Interesse an der Realschule seit 2009 wieder gestiegen. Nichtsdestotrotz hatte die Stadt Würselen die Einrichtung einer Gesamtschule und das „Auslaufen“ der Realschule (im Jahre 2020) beschlossen. Mit Beginn des neuen Schuljahres werden dort nur noch die Klassen 8 bis 10 unterrichtet.

Doch wie sieht es mit den Schülern aus, die die 7. Klasse nicht geschafft haben und das Schuljahr wiederholen müssen? „Sie können leider nicht ein Teil unserer Schulgemeinschaft bleiben und müssen nun auf weiterführende Schulen im Umkreis Würselens ausweichen“, erklärt Schulleiterin Silvia Rudig mit Bedauern in der Stimme.

Doch dies sind nicht die einzigen Schüler, die auf eine weiterführende Schule außerhalb ihres Einzugsgebietes ausweichen müssen: Aufgrund zu hoher Schülerzahlen lehnte auch in diesem Jahr die Würselener Gesamtschule wieder Kinder ab. Das Gefühl „abgeschoben zu werden“ teilen sich jedoch nicht nur die Neulinge der weiterführenden Schulen und die Wiederholer der 7. Klasse an der Realschule, sondern auch zahlreiche Lehrkräfte.

Sie müssen aufgrund der sinkenden Schülerzahlen und dem somit geringeren Bedarf an Lehrpersonal damit rechnen, dass es mit der Zeugnisausgabe auch für sie der letzte Schultag sein wird. So verlassen mit den kommenden Schulferien auch fünf Lehrkräfte die Realschule, in der sie mit viel Engagement gearbeitet und den Schülern ein solides Grundwissen vermittelt haben. Erinnert wird an die 50-Jahr-Feier der Würselener Realschule im Jahr 2011 und was Bürgermeister Arno Nelles sagte: „Unser Bildungswesen und unsere Gesellschaft haben sich insgesamt stetig verändert, doch solide und standhaft sind die Prinzipien an dieser Schule geblieben.

Sie hat sich stets nach vorne orientiert und so weiter voran entwickelt. Daran haben sowohl das Lehrerkollegium als auch die Schulleitung Anteil. Die Stadt als Träger hat stets die pädagogischen Bemühungen wohlwollend unterstützt und auch die Eltern haben sich engagiert eingebracht in Schulpflegschaften, Förderverein oder weitere wichtige Tätigkeiten. Dies hat dazu geführt, dass sich die Realschule Würselen ihren erarbeiteten guten Ruf stets erhalten konnte. Denn dies ist das, was diese Schule unverwechselbar macht: Ihr Schulklima, ihr guter Geist, ihr guter Ruf.“

Worte, die allem Anschein nach in der Lokalpolitik längst in Vergessenheit geraten sind, heißt es kritisch. „Viele Projekte, die eigentlichen Fußstapfen der Schule, die die Schulkultur prägen, finden gar nicht mehr oder nur noch in geringerem Umfang statt“, betont Konrektor Paul Witschen. Einige Arbeitsgemeinschaften und Projekte gibt es bereits seit dem Fehlen der 5. und 6. Klasse nicht mehr: die herzliche Begrüßungsfeier der Schulneulinge mit kleinem Grillfest, die Klassenfahrt des 6. Schuljahres und auch die Weihnachtsfeier der Jüngsten mit ihren Musik- und Textbeiträgen.

Und es sollten noch viele weitere Projekte folgen: Musicalaufführungen, die Streetball AG mit ihren schulinternen Turnieren und auch die traditionelle Karnevalssitzung an Fettdonnerstag, bei der auch ortsansässige Vereine mit ihren Tanzgruppen und Tollitäten eingeladen waren. Mit Wehmut musste schließlich auch der über die Schulgemeinschaft hinaus beliebte stimmungsvolle Weihnachtsbasar eingestellt werden.

In vielen Stunden erstellten die Klassen 5 bis 8 Hand- und Bastelarbeiten, während die 9. und 10. Klassen die Gastronomie übernahmen. Ein Teil der Einnahmen kam der Aktion „Würselener helfen Kindern in Würselen“, zugute. Allein beim Basar im Advent 2016 konnten so 800 Euro gespendet werden.

Somit geht sicherlich auch ein Stück Würselener Identität verloren. Internationale Verbindungen, die die Realschule in vielen Jahren aufgebaut hat, wie der intensive Austausch mit Lettland und der Partnerstadt Morlaix, gehören künftig der Vergangenheit an. Im morgendlichen Straßenverkehr werden sie fehlen: die engagierten Jungs und Mädels, die mit ihrem Dienst als Schülerlotsen die Sicherheit der Würselener Schulkinder gewährleisten. Aber auch künftig zeugen Aktivitäten von einem lebendigen Schulleben: die bildnerische Gestaltung eines Mauerbildes der Abschlussklassen, der Druck der Schülerzeitung, wenn auch in deutlich geringerer Auflagenzahl, die Berufsvorbereitungskurse für die Klassen 8 bis 10.

Ein Projekt mit der Polizei im Rahmen von Cyber-Mobbing soll nach den Sommerferien noch einmal den Fokus der Jugendlichen auf die Gefahren von Mobbing via Handy und Facebook lenken. Auch Vermietung und Nutzung der Grillhütte, die aus einer Schüler-Lehrer-Eltern Initiative entstanden ist, bleibt für die Würselener bis zum Schluss erhalten. Schulleiterin Rudig betont: „Die Schüler haben ein Recht auf Bildung. So muss gewährleistet sein, dass alle Schulfächer bis zuletzt unterrichtet werden. Darüber hinaus versuchen wir die auslaufenden außerschulischen Aktivitäten durch andere Angebote zu ersetzen. Wir alle – Schüler, Eltern und Lehrer – haben das Gefühl, mit jedem Schuljahr geht ein Stück Schulidentität verloren, aber wir kommen unserem guten Ruf bis zuletzt nach.“

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